“Geschichte einer Ablehnung”

Dieser Eröffnungsvortrag zur 1. Spackeriade [1] der “datenschutzkritischen Spackeria” [2] an Bord der c-base im letzten Herbst ist mir beim routinemäßigen Kontroll-Googlen wieder ins Gedächtnis gekommen, und ich möchte ihn hier mit euch teilen. Es gibt keinen besonderen aktuellen Anlass, wenn man mal die Referenz an die edition suhrkamp in den ‘Slides’ und die aktuelle Insolvenzschutzsituation des Suhrkamp-Verlags außer Acht läßt.

“Geschichte einer Ablehnung” von Gregor Sedlag from c-base on Vimeo.

Die ‘Slides’ sind auf Englisch, weil ich diesen Vortrag ursprünglich als Eingangsstatement beim Panel Post Privacy (part 1) beim von Tatiana Bazzichelli kuratierten reSource 001:Trial Crack [3] mit @tante (Jürgen Geuter) und @mspro (Michael Seeman) von reSource transmedial culture berlin genutzt habe.  Hier noch mein Einführungstext zum #Spack1-Vortrag:

Es ist interessant, wie eine selber aus dem gesellschaftlichen Off kommende Untergrundbewegung wie der Chaos Computer Club mit zunehmend gesamtgesellschaftlicher Akzeptanz und Etabliertheit Flanken gegenüber den neuen Fragestellungen von Post-Privacy, Data Love und dem “radikalen Recht des Anderen” (@mspro) aufreissen läßt, deren Legitimität nicht wenigstens einmal als intellektuell inspirierend verstanden werden, sondern in Bausch und Bogen als Angriff und Spaltung der “Netzgemeinde” verstanden werden. Der Tod von Apple-Gründer Steve Jobs im letzten Jahr hat die hippiesken Wurzeln der “kalifornischen Revolution” noch einmal in Erinnerung gerufen, wie sie durch Rainer Langhans wie auch der CCC-Mitbegründer Wau Holland in ihrer speziell bundesrepublikanischen Tradition der weltweiten Alternativbewegungen verkörpert wurde – der erste als Alt-68er, der jüngere Wau Holland als Protagonist der ernüchterten postradikalen 78er-Generation nach dem “deutschen Herbst”. Geradezu postideologisch visionär war Waus Verständnis vom Computer als einem möglichen individuellen Emanzipationsinstrument; galt dieser doch im links-alternativen Mainstream-Milieu zu den Gründungszeiten des CCC im Jahre 1981 noch als Repressionsinstrument von Big Business, Big Government und Big Brother. Es ist somit eine historische Ironie, dass sich die Geschichte einer Ablehnung zu wiederholen beginnt. War das damalige Feindbild des linksalternativen Gefühligkeitshumanismus der Computer an sich, so ist es heute das sich langsam herausbildende und ins Nachmenschliche zu wachsen drohende Potential der universellen Vernetzung der Datenreisenden.

[1] Programm der 1. Spackeriade (2012)
[2] Das Blog der datenschutzkritischen Spackeria
[3] reSource 001: Trial Crack

 

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Ein Traum wird wahr

Rund 21 Jahre brauchte diese RZ zur Vollendung: GREMLIN aka MR. MO und jetzt der "Mondsicheljäger der Oraccameo" als Kooperation zwischen Jürgen Rudig und mir.

Vor rund einem Jahr konnte ich an dieser Stelle berichten, dass der von mir hoch geschätzte Jürgen Rudig nach dreißig Jahren wieder begonnen hat, Risszeichnungen in dem ihm so eigenen Stil anzufertigen. [1]

Zu dieser Zeit hatten Jürgen und ich quasi zu Übungszwecken eine Kooperation vereinbart, dass er eine seit den 1990er Jahren (sic!) brachliegende Bleistiftvorzeichnung von mir im Detail zu Ende zeichnet und abtuscht. Natürlich ein Raumjäger – und deshalb könnt ihr euch gut vorstellen, warum hier ein Traum für mich wahr geworden ist. [2]

Wie stark der “Rudig-Stil” ist, seht ihr oben; denn der GREMLIN aka DR. MO (unsere Arbeitstitel für das Projekt) ist trotz meiner Vorarbeit zuerst und vor allem eine Rudig-RZ geworden!

Mit Nummerierung und Textlegende versehen, wird die RZ in der PERRY RHODAN-Erstauflage 2683 Galaxis im Chaos von Uwe Anton morgen am 18. Januar 2013 zum aktuellen Zyklus passend als Mondsicheljäger der Oraccameo veröffentlicht werden.

Unser – jetzt also – Mondsicheljäger der Oraccameo hatte zu Beginn des Romans 2660 Die springenden Sterne von Christian Montillon einen kurzen, aber eindrucksvollen Auftritt.

Ich habe noch keine Belegexemplare des fertigen Drucks, bin aber sehr gespannt, ob es diesmal gelungen ist, die A2 große superfeine Strichzeichnung, die ich über eine Autotrace-Funktion vektorisiert habe, auch als solche reproduziert zu bekommen. Der Hintergrund dieser Befürchtung ist, das oftmals EPS- bzw. PDF-Daten unnötigerweise bei VPM aufgerastert werden.

Da viele Risszeichner  ihre farbigen Vektorillustrationen leider als Graustufenpixeldateien exportieren, ist inzwischen das Aufrastern samt dem damit verbundenen “Grauschleier-Effekts” zum suboptimalen Risszeichnungsstandard geworden.

Da Jürgen den analogen Zeichenstil von vor dreißig Jahren beibehalten hat, müssen wir jetzt die abgewickelte, früher selbstverständliche Repro-Kompetenz einer Großdruckerei zeichnerseitig kompensieren und das auch noch ins digitale PrePress-Zeitalter beamen.

Ich freue mich sehr, dass Jürgen Rudig bei diesen Sachen meinen Rat und Hilfe in Anspruch nimmt, und dankbar, dass ich als Fan dabei helfen darf, seine fantastischen RZ-Visionen in der ihnen angemessenen Form zu reproduzieren – nämlich auf Qualitätsniveau der späten 1970er und frühen 1980er Jahre.

Während ich diese Zeilen in Erwartung des Druckergebnisses von Band 2683 schreibe, überlege ich mir, wie die fantastische jüngste Exposé-Arbeit von Jürgen Rudig, die er auf A1 gezeichnet hat, in ähnlicher Weise übertragen werden kann.

Ich schwanke zwischen der Vektorisierung seines HiRes-Scans der RZ wie hier aktuell beim Mondsicheljäger oder der Konvertierung in ein superhochauflösendes Bitmap für die direkte Strichausgabe. Dies ist die Elementarphysik der digitalen Druckvorstufe – ich muss mich zwischen Welle- und Teilchencharakter der Darstellungsmodelle entscheiden.

Update: Beim Abdruck in PR 2683 ist das PDF wie gewünscht in Wellenform (= Vektoren) belichtet worden – die RZ ist gestochen scharf! 

[1] PHUTURAMA: “Rudig Reloaded.” 30 Jahre wie 1 Tag
[2] PHUTURAMA: “Alles nur ein Spaß?” – 30 Jahre Redhorse-Jäger. Ein Interview mit Jürgen Rudig

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Daily Perry #100 – Ein Interview mit Lars Bublitz

"To boldly go, where no Perry has gone before..." Einhundert Tage Daily Perry

Glückwunsch Lars, Dein Daily Perry hat es jetzt auf einhundert Beiträge in den letzten hundert Tagen gebracht.

Danke für den Glückwunsch!

Was hat Dich auf die Idee zu einem regelmäßigen PERRY RHODAN-Cartoon gebracht – und dann auch noch täglich, sieben mal die Woche?

Das habe ich eigentlich gar nicht geplant. Es ist einfach so passiert. Nach dem ersten Daily Perry sind mir immer wieder Ideen zu weiteren Cartoons gekommen, die ich dann gleich umgesetzt habe. Als es dann soweit kam, dass ich die Ideen aus Zeitgründen nur noch hinkritzeln konnte, habe ich beschlossen den Perry Cartoon fortan täglich zu bringen.

Beeinflusst hat mich dabei auch das Buch “The Daily Zoo” von Chris Ayers, dass mir meine Frau zu Weihnachten geschenkt hat.

Über die Konsequenzen habe ich dabei überhaupt nicht nachgedacht. Es ist schwer rational zu erklären. Ich musste es einfach tun. Bisher habe ich meine kreative Energie immer in enge Bahnen gelenkt. Beim Daily Perry jedoch folge ich einfach meinen Ideen und tue was mir mein Gefühl sagt. Einzige Bedingung: es muss unterhaltsam sein.

Das Ganze regelmäßig im Web und über die sozialen Netzwerke wie Facebook und Twitter zu veröffentlichen, war von Anfang an die Idee?

Ja das war von Anfang an meine Idee. Da ich für meine Risszeichnungen auch eine eigene Facebook-Seite habe, bot sich das ja an. Es ist die Interaktion mit den Facebook-Nutzern, die die Cartoons kommentieren, die mir wirklich gut gefällt. Manche Themen wie z. B. der Fellaktivator wären ohne die Kommentare bei Facebook nie entstanden.

Im Gegensatz zu den Risszeichnungen, von denen ich ja höchstens 2 bis 3 Stück pro Jahr mache gibt es beim Daily Perry viel mehr zu posten.

Der erste Daily Perry ist ja im Grunde genommen kein Daily Perry sondern ein Cartoon, mit dem ich erklären wollte was ein Risszeichner ist. Als ich dann im PERRY RHODAN-Forum die Frage “Wo ist Atlan?” sah und die Lösung dazu zeichnete war der erste offizielle Daily Perry geboren.

Ist täglich nicht tödlich? Am Anfang war ich schon skeptisch, wie Du einen täglichen Cartoon das durchhalten willst. Wie machst Du das?

Jeden Tag einen Daily Perry zu machen, das ist keine Herausforderung! Als kreativer Mensch ein stabiles Leben zu führen (schließlich habe ich Frau und Kinder) das ist die eigentliche Herausforderung! Die [aktuellen] Daily Perrys habe ich noch vor meinem Herbsturlaub bis zur Nummer 102 fertig gemacht. D.h. letzte Woche habe ich immer zwei Daily Perrys am Tag gemacht. Also – geht doch!

Es hilft natürlich, wenn man seine Umgebung beobachtet und selbst bei den einfachen Dingen des Alltags überlegt wie diese im Daily Perry Universum aussehen könnten. Auch spreche ich viel mit meiner Frau über meine Ideen zu neuen Cartoons und im Dialog ergeben sich dann wieder weitere neue Ideen. Insbesondere die “Miniserien” mit zwei bis drei Cartoons zum selben Thema entstehen oft auf diese Weise. Kommentare auf Facebook sind eine weitere Quelle, die mich zu neuen Ideen anregen. Es gibt aber auch Leute, die mir direkt Ideen z. B. per Mail zusenden.

Langsam kristallisieren sich spezielle eigene Daily Perry Meme wie z. B. das Hamstern der Osram-Glühlampen durch Deinen Perry heraus; andererseits bist Du oft tagesaktuell mit den Ereignissen in unserem Universum. Wann entscheidet sich, was Du am nächsten Tag bringst?

Tagesaktuelle Themen bringe ich nur dann, wenn mir auch etwas Witziges dazu einfällt und das Thema sich dazu eignet. Die Darstellung von Sex und Gewalt ist dabei tabu. Aber man kann harte Themen ja auch auf hintergründigere Weise angehen und durch den Humor entschärfen.

Das Hamstern der Glühbirnen zieht sich inzwischen wie ein roter Faden durch das Daily Perryversum. Es werden mit der Zeit noch weitere dazukommen. Die Yps-Hefte mit den Urzeitkrebsen, Raider und Drei-Wetter-Taft haben es ja auch schon in die Daily Perry Welt geschafft.

Wie zeichnest Du die Cartoons? Format, Stifte, digitale Nachbearbeitung? Verfügst Du schon über vorgefertigte digitale Schablonen Deiner Figuren, die Du nur noch geringfügig anpasst?

Ich skizziere die Daily Perrys mit Bleistift in ein A5-Heft, das immer griffbereit in meiner Nähe auf weitere Eingebungen wartet. Allerdings schaffe ich es manchmal nicht bis zum Skizzenheft, dann muss auch ein Kugelschreiber und ein Notizblatt reichen.

Wenn ich mehrere Ideen auf einmal habe skizziere ich sehr grob. Das ist dann für Aussenstehende kaum zu erkennen. Ich nenne es mal “Grafisches Steno”. Es hilft mir mein Gedächtniss zu entlasten, damit die nächsten Ideen nicht zu lange warten müssen. Nichts ist schlimmer, als einen wirklich witzigen Daily Perry zu vergessen, weil das Kurzzeitgedächtnis nur 7 Plätze frei hat und ein Telefonanruf oder der Paketbote Deine Aufmerksamkeit einfordert.

Dann scanne ich die Skizze mit 300 dpi als Graustufenbild ein und zeichne am Computer den Cartoon fertig. Ich arbeite unter dem Betriebssystem Ubuntu mit der Software MyPaint und Gimp.

Anfangs habe ich für jeden Cartoon alles wieder neu gezeichnet. Das ist überwiegend immer noch so. Allerdings habe ich inzwischen z. B. für Perrys Büro eine Vorlage.

Als Risszeichner für PERRY RHODAN sind Deine Arbeiten mit am technisch fortgeschrittensten; Du erstellst quasi virtuelle Schnittmodelle mit allen Details als 3D-Objekte und renderst von einem von Dir gewählten Blickwinkel eine am Ende die fast wieder wie gezeichnet wirkende Risszeichnung aus. Ist “Daily Perry” für Dich der Kontrast zur langwierigen und fummeligen RZ-Arbeit?

Absolut! Obwohl ich Zeichentablet und Computer benutze zeichne ich ja meine Handskizzen nach. Oft fallen mir dabei noch Kleinigkeiten ein, die ich dann mit in den Daily Perry aufnehme. So unterscheidet sich der endgültige Cartoon also immer von der Skizze und das Zeichnen am PC bringt mir dadurch noch zusätzlichen Spaß. Dadurch ist auch das “Osram-Thema” entstanden. Denn ich hasse es ja zwei Dinge auf die gleiche Weise zu tun.

Mir wird schnell langweilig. Und – nun ja – die eigene Bleistiftskizze nochmal abzuzeichnen, ist schon so ein langweiliger Moment, der durch die Osram-Kiste, die ich dem Perry dann unter den Arm klemme entschwindet.

Wie sind die Reaktionen der PERRY RHODAN-Fans auf Daily Perry? Und wie ist das Feedback von Seiten der PR-Redakteure?

Also ich kann nur etwas zu den Reaktionen auf Facebook sagen, da die dortigen Nutzer sehr aktiv sind. Die Meisten reagieren sehr positiv und lassen sich von der Welt des Daily Perry einfangen. Und das sind nicht alles nur eingefleischte PERRY RHODAN-Fans.

Am meisten beeindruckt mich immer wieder, wie die Leute eigene Ideen entwickeln oder darüber diskutieren, wie es in der jeweiligen Situation, die im Cartoon dargestellt wird weitergehen könnte. Auch gibt es viele Vorschläge, was Perry neben den Osram-Glühbirnen noch so alles in seinem geheimen Vorratslager horten könnte.

Es gibt aber auch Leute, die den Humor der Daily Perrys nicht verstehen oder teilen. Der Daily Perry Humor ist eben nicht jedermans Sache.

Von der PERRY RHODAN-Redaktion und den Autoren (zumindest denen die auf Facebook aktiv sind) gibt es bisher nur positive Reaktionen. Wenn ich ehrlich bin habe ich bei der Redaktion bisher nie direkt nachgefragt. Das steht noch auf meiner Liste. Von der PERRY RHODAN himself jedenfalls teilt bisher täglich den Daily Perry.

Wie geht es in den nächsten Wochen und Monaten mit Daily Perry weiter?

Es ist verrückt. Inzwischen existiert eine komplette Daily Perry Welt in meinem Kopf und Perrys Abenteuer gehen immer weiter …

Allein die Reisen durch das aufblasbare Instant-Portal in fremde Universen (z. B. das Star Wars-Universum) eröffnen ungeahnte Möglichkeiten.

Ich bin übrigens seit 25 Jahren ein Fan der PERRY RHODAN-Serie. Und so entfalten die Daily Perrys nur dann ihre volle Humorkraft wenn man sich im Grunde eben nicht über PERRY RHODAN lustig macht.

Nur in dem Spannungsverhältnis zwischen dem ernsthaften Held der PERRY RHODAN-Hefte und den absurden Situationen, in die sich mein Perry immer wieder bringt liegt die Kraft der Daily Perrys.

“To boldly go, where no Perry has gone before…”

Danke schön, Lars für dieses E-Mail-Interview zu Daily Perry #100 und viel Spaß für die nächsten Wochen und Monate mit den gesitern, die Du gerufen hast.

PERRYMANIA – Die offizielle Website für Daily Perry
Daily Perry
auf Facebook
Risszeichnungen.de – Lars’ RZ-Site
@bubelix – Lars Bublitz auf Twitter

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30 Jahre PERRY RHODAN-Risszeichner™

Meine Bewerbung fürs PERRY RHODAN-Profi-Risszeichner-Team im Jahre 1982: Kombi-RZ in A1 mit Experimental-Kugelraumer und Satelliten-Plattform im Vordergrund, nie vollendet.

Vorgestern vor 30 Jahren, am Samstag, den 16. Oktober 1982, bin ich quasi offiziell ins Team der ‘professionellen’ Risszeichner der PERRY RODAN-Serie aufgenommen worden. Zumindest habe ich die Einladung zu einem Risszeichner-Treffen bei PR-Exposé-Autor Willi Voltz in Heusenstamm – vermittelt durch Günter Puschmann – als einen solchen Ritterschlag empfunden.

Kurz erwähnt hatte ich dieses für mich so einschneidende Treffen schon in meinem Post zu Jürgen Rudigs RZ EXCALIBUR “Rudig Reloaded.” 30 Jahre wie 1 Tag [1]. Mit drei Veröffentlichungen von Leser-RZs in PR und ATLAN-Leserkontaktseiten und meiner Mitarbeit im “Rißzeichner-Club Deutschland” (RZCD) war ich bei Willi schon mehr oder weniger wohlgelitten. [2] Die oben gezeigte freie Arbeit einer Kombinations-RZ in zwei unterschiedlichen Maßstäben in Hinter- und Vordergrund hätte absolutes Neuland im Bereich der RZs geboten und zeigte unter dem Einfluss der Wirkung des Redhorse-Jägers [3] einen deutlichen Entwicklungssprung zu meinen Amateur-RZs bis dato.

Das ganze DIN A1-Blatt wäre hier schwer zu erkennen gewesen, deshalb die zwei getrennten Scans vom selben Bogen. Ein Click auf die hinterlegte HiRes-Version und Reinzoomen lohnt! Einige werden die spätere Verwendung der Satelliten-Plattform in der Datenblattreihe Die Explorerflotte des Solaren Imperiums Folge 2 “Wartungskommando der EX-4323/C-2 und interstellare Beobachtungs- und Messplattform” (PR IV 535) wieder erkennen. Die Kugelraumerzelle oben – damals unter heftigen Einfluss der Arbeiten von Paul Gillon in Die Schiffbrüchigen der Zeit – habe ich noch nie öffentlich gemacht.

Zurück zum RZ-Treffen vom 16. Oktober 1982 in Heusenstamm. Da die eigenen Erinnerungen so täuschen können, habe ich einen anderen Zeugenbericht dazu ausgemacht. Heiner Högel schrieb in der von ihm verantworteten Ausgabe des Rißzeichnerjournals des RZCD 10/82 auf den Seiten 2 und 3:

“Am 16. 10. [1982] trafen sich einige Rißzeichner bei Willi Voltz in Heusenstamm. Gekommen waren Günter Puschmann, Oliver Scholl, Hans Knößlsdorfer, Heinz Haßfeld, Gregor Sedlag, Jürgen Rudig und meine Wenigkeit. Willi hatte von Seiten des Verlags Walter A. Fuchs mitgebracht. Unser vordringliches Anliegen war zunächst die leidige Honorarfrage.

Die derzeitige Honorarspanne bei PR bewegt sich zwischen 150 DM für [Datenblätter] und 350 DM für Spitzen-RZs. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern, während wir für die ATLAN-Serie durchsetzen konnten, daß künftig statt des bisherigen (lächerlich geringen) Pauschalhonorars je nach Qualität der RZs auch mal etwas mehr gezahlt wird. Insgesamt aber wird das Honorarniveau bei ATLAN immer deutlich unter dem der PR-Serie liegen, da die Auflagen zahlen doch zu unterschiedlich sind.

Das Problem mit den Nachdruckhonoraren ist jetzt auch geklärt: Willi wird in halbjährigen Abstand an alle betroffenen Rißzeichner einer Liste aller RZ-Veröffentlichungen innerhalb der Rhodan-Auflagen II bis IV verschicken. Daraus kan dann jeder Zeichner selbst ablesen, ob und wieviel Nachdrucke es im letzten Jahr von ihm gegeben hat. Für jeden Nachdruck darf er dem Verlag 50 DM in Rechnung stellen.

Am vierten RZ-Sammelband, der im Herbst 1983 erscheinen wird, werden die PR-Rißzeichner in irgendeiner Form beteiligt werden (außer durch die RZs natürlich!). Möglicherweise wird Willi die ein- und überleitenden Texte zu den einzelnen Kapiteln von jeweils einem Zeichner gestalten lassen. Das Titelbild könnte von Oliver Scholl kommen.

Ein Appell Willis an alle: Zeichnet mehr über Themen der Alltagstechnik! Auch in den DBs ist dafür sicherlich Platz.

Ich selbst habe Willi den Vorschlag für eine größere technologische Neuerung in der PR-Handlung gemacht, d. h. es wird eigentlich keine neue Technologie, sondern ein neuartiger Einsatz vorhandener Technologien angestrebt. Es geht darum, die Aufgaben, die bisher von oberflächengebundenen Raumhäfen erfüllt wurden, zukünftig auf weltraumgestützte Einrichtungen zu übertragen.

Damit möchte ich einem über 1000 Bände lang praktizierten Unfug aufräumen: Die in der PR-Serie beschriebenen Bodenstarts und Atmosphärenmanöver der Raumschiffe würden die betroffenen Planeten und deren Gashüllen im Nu ruinieren! Schon der Start eines 100-m-Kreuzers in der üblichen Manier reichte aus, einen halben Ozean zu verdampfen. Die physikalischen Größen, die man nach einer geeigneten Rechnung erhält, haben wirklich Weltuntergangscharakter.

Deshalb sollen künftig alle größeren Raumschiffe – zumindest im Normalfall – aus den Atmosphären verbannt werden, was natürlich die Einrichtung großer Orbitstationen erforderlich macht, über die der Warentransport zur Planetenoberfläche beispielsweise durch Transmitterbrücken erfolgen könnte.

Die Details der Angelegenheit stehen allerdings noch lange nicht fest. Willi hat mir quasi freie Hand gegeben, ein brauchbares Konzept zu entwickeln, das er dann evtl. ab PR-Band 1200 in die Serie einbringen will. Ich könnte mir vorstellen, daß vielleicht der eine oder andere unter euch eigene Vorstellungen und Ideen zu diesem Thema hat. Daraus ließe sich bestimmt ein Diskussionspunkt für den Con beim Gregor machen.”

Dieser Con fand dann auch im November des gleichen Jahres in meinem Elternhaus statt, aber das ist dann vielleicht schon wieder eine andere Geschichte.

Im Webarchiv des RZJ [4] sind einige der RZCD-internen Ausgaben aus der Frühzeit zu finden, die hier zitierte Ausgabe von Heiner Högel it noch nicht darunter.

[1] PHUTURAMA: “Rudig Reloaded.” 30 Jahre wie 1 Tag
[2] Perrypedia: Gregor Sedlag: Leserrisszeichnungen
[3] PHUTURAMA: “Alles nur ein Spaß?” – 30 Jahre Redhorse-Jäger. Ein Interview mit Jürgen Rudig
[4] RZJ – Das Rißzeichnungsjournal

 

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“Analog is the new digital” – Ein Fünkchen Zukunft für Frankfurt

Britta Friedrich von der Frankfurter Buchmesse und Veranstalterin der die Messe begleitenden StoryDrive-Konferenz hat zusammen mit newthinking-Projekt-Mastermind Andreas Wichmann 22 Personen, die etwas mit Medien machen, aus der Zukunft des Jahres 2022 heraus befragt – darunter auch mich.

Da dies naturgegeben technisch schwierig ist, haben unsere “Messages from the future” [2] einen spekulativen Blaustich und anachronistische Fehlübertragungen aus anderen Zeitlinien (Modem-Einwahlgeräusche).

Ob meine Zeitkapsel unter der illustren Schar von Medienmenschen – u. a. Günter Dueck, Markus Beckedahl oder Kristian Costa-Zahn – mithalten kann, sei mal euch überlassen, zumindest habe ich mit der steilen Ansage “Analog is the new digital” die kürzeste These überhaupt vertreten.

Ich habe mir alle 22 Beiträge angeschaut und finde das Projekt trotz der etwas formal einengenden Zukunftsmetapher gut, da hier einige auf den ersten Blick weitreichendere Science-Fiction-Szenarien zur Medienentwicklung ausgebreitet werden.

Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Kampagne im Vorfeld und als Countdown zur Buchmesse bei Teilen des konservativeren Publikums dort als “avantgardistisch” verstanden werden [3] – und was vielleicht nicht immer als Kompliment gemeint war.

Ich bin im Rahmen dieses Projekts auch am Samstag, den 13. Oktober 2012 ab 13.30 auf der Frankfurter Buchmesse als Teilnehmer beim StoryDrive Festival-Workshop “Ideenreich Zukunft: Das Morgen im Heute” anzutreffen. [4]

[1] Message from the future #6 – “Anlog ist new digital” inklusive Background-Interview
[2] #FBM12 StoryDrive “Messages from the future”
[3] Facebook-Post von Andreas Wichmann
[4] StoryDrive Festival-Workshop “Ideenreich Zukunft: Das Morgen im Heute”

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“Silent Running” beim #ILATweetup

Risszeichner trifft Raumfahrer: André Kuipers, ESA-Astronaut mit PERRY RHODAN-Vergangenheit, brachte ein kosmisches Strahlen zurück zur Erde (Photo courtesy Andreas Schepers, ESA).

Am Freitag, dem 14. September 2012 war ich von Andreas Schepers (ESA) zum #ILATweetup [1] eingeladen worden, hatte die Veranstaltung dankbar unter der Rubrik “Mostly harmless” verbuchen wollen und freute mich vor allem auf das ILA-Programm im Static wie im Flying Display.

Es sollte anders kommen. Mit seinem Kollegen Marco Trovatello (DLR) haben die beiden zusammen mit ihrem Team einen so dicht gepackten Event samt komfortablen Shuttle-Transport von Berlin Hbf zum ILA-Gelände Schönefeld [2] und zurück organisiert, dass ich mich für die wenigen Highlights des Flugprogramms (Eurofighter Typhoon, MiG-29) aus “Room Bravo” regelrecht davonstehlen musste.

Als eigentlich bloß gelegentlicher Hörer von Raumzeit, des gemeinsamen Podcasts von DLR und ESA mit Tim Pritlove [3], war ich dennoch schon bestens ins Themenspektrum eingeführt, um die nachfolgende Kaskade dicht gepackter aktueller Weltraumforschungsvorträge gelassen zu überstehen. Auch wenn die Vorlaufzeiten der einzelnen Missionen der ESA sich manchmal über Jahrzehnte hinziehen, hat die europäische Weltraumorganisation inzwischen eine beeindruckend dicht gepackte Pipeline von hoch interessanten Projekten in allen Bereichen der Weltraumfahrt versammelt.

Höhepunkte sind sicherlich die kommenden Erkundungen der geologisch hochinteressanten Jupiter- und Saturnmonde, die in vielerlei Hinsicht Ähnlichkeiten mit unserer Erdvergangenheit aufweisen (z. B. der JUICE – Jupiter Icy Moons Explorer [4]).

(more…)

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“Stahlorchidee” vs. “Iron Orchid”

Inspiration oder Konspiration – Name und Formelemente von Slavinskys "Iron Orchid" korrespondieren mit dem Design der "Solaren Residenz"

Dies ist der Beginn einer seltsamen Detektivgeschichte über Inspiration, Konspiration oder bloßen Zufall. Da ich weiß, wie oft Vorbilder als Trigger für eigenständige Arbeiten fungieren, dachte ich, ich hätte hier einen Scoop gelandet – und die geheimen Quellen zur Gestaltung der “Solaren Residenz” [1] enthüllt.

Beim Rumsurfen bin ich irgendwann einmal auf Dan Slavinskys Blog findingslav – A Series of Drawings from the End of Time Bartlett, London 2010 [2] gestoßen, in dem neben anderen faszinierenden an Lebbeus Woods erinnernde Illustrationen auch eine “Iron Orchid” [3] abgebildet ist, die mir als Vorlage für die “Solare Residenz” gedient zu haben scheint, die in der PERRY RHODAN-Serie sogar vom terranischen Volksmund als “Stahlorchidee” bezeichnet wird.

Gerade da die “Solare Residenz” in der aktuellen ‘klassischen’ PR-Serie ein wichtiger Handlungsschauplatz ist, wollte ich hier einen schönen Post aus der Reihe “Inspired by…” bringen. Doch es kam anders.

Da die Illustrationen Dan Slawinskys Architektur-inspiriert sind (obwohl viele utopisch-technische Gestaltungselemente dort zu bewundern sind), galt meine Frage sofort Risszeichner und Architekten Günter Puschmann, ob er sich vielleicht damals beim Risszeichnungsposter [4] für den PR-Jubiläumsband 2000 zusammen mit Georg Joergens und Oliver Johanndrees (1998/1999) von Dan Slavinsky beeinflussen ließ.

Aber Günter, den ich daraufhin angeschrieben hatte, hat dies klar verneint. Die Entwürfe zur “Solaren Residenz” sind eigenständig entstanden und die Bezeichnung “Stahlorchidee” wurde von PR-Autor Robert Feldhoff geprägt.

Also vielleicht ein klarer Hinweis, dass PERRY RHODAN – die “größte SF-Serie” – nicht nur Einflüsse aus dem weiten Feld der Phantastik aufnimmt, sondern auch anderen eine Inspirationsquelle ist – und das nicht erst in unserer Gegenwart, wie ich demnächst einmal zur Diskussion stellen werde.

[1] Perrypedia: Solare Residenz
[2] findingslav – A Series of Drawings from the End of Time Bartlett, London 2010
[3] findingslav: “Iron Orchid”
[4] RZ-Journal: “Die Solare Residenz” von Georg Joergens, Oliver Johanndrees und Günter Puschmann

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“PERRY Galore!” Das SPRECHBLASEN-Special zu unserem Mann im All

DIE SPRECHBLASE Nr. 223: Ein Muss für PERRY-Fans, aber auch für alle Comics-Afficianados im Allgemeinen!

Angeregt durch meinen letzten Post “Da geht mehr:-)” – PERRY [RHODAN]-Jubiläumsbilder und -dioramen [1] habe ich mir endlich die schon seit einigen Monaten bei mir lauerende Mammut-Spezialausgabe Nr. 223 zu PERRY – Unser Mann im All und seinem Vorgänger PERRY RHODAN IM BILD der SPRECHBLASE [2] zum Lesen geschnappt.

Ich muss hier noch einmal meine nachhaltige Begeisterung und Bewunderung für die akribische Recherche und tolle detailverliebte Machart dieses besondern Beitrags zum letztjährigen Jubiläums von 50 Jahre PERRY RHODAN zum Ausdruck bringen. Ich hatte den Neustart der SPRECHBLASE nicht so auf dem Schirm, schöne Hintergrundinformationen hierzu findet ihr allerdings im Blog von PERRY RHODAN-Autor Michael Marcus Thurner [3].

Ich bin ja durch PERRY zum Rhodan-Leser und Fan geworden. Gerade die in den späten Magazin-Ausgaben (Nr. 106 bis 129) zusammenhanglos mit veröffentlichten Original-Risszeichnungen der Stammserie – freigestellt auf hellcyan-farbenem Fond – haben mich ganz sicherlich auf ewig geprägt. Nicht umsonst ist die Akzentfarbe hier bei PHUTURAMA Cyanblau.

Das Nr. 223-Special “Hinter den Kulissen der PERRY-Comics” ist gleichzeitig ein Beitrag der SPRECHBLASEN-Reihe “Die ialienischen Wurzeln” und wurde von den Autoren Gerhard Förster und Reginald Rosenfeldt in drei Teile gegliedert: “Teil 1: PERRY RHODAN IM BILD”, “Teil 2: PERRY 1-36 – Konventionelle Kost” und “Teil 3: PERRY 37-129 – Von Sex und Pop zum ‘deutschen SF-Magazin’”. Ergänzt wird das Ganze von ausführlichen Zeichnerporträts, Präsentationen der Nebenserien und einem, nein eigentlich zwei, ausführlichen Interviews mit dem Szenaristen Dirk Hess, den ich selber vor einigen Jahren besuchen durfte und der ein extrem interessanter wie angenehmer Gesprächspartner ist.

Da ich mich selber mit dem RISIKOPILOTEN-Projekt an der eigenständigen Interpretation eines PR-Comics versuche, sind für mich gerade die lebhaften Schilderungen aus der italienischen Studio-Szene hochinteressant. Zum Schluss schwirrt einem der Kopf vom ganzen Hin und Her der Zeichner zwischen Eurostudio, Mailand und Studi Giolitti, Rom und der seltsamen Ein-Mann-Agentur namens Quelle Features des Friedrich Wilhelm König, der nach Bekunden aller Beteiligten wohl einen Löwenanteil des Produktionsbudgets für seine reine Go-between-Funktion eingestrichen haben könnte.

Das Special der SPRECHBLASE macht klar, inwiefern die damaligen italienischen Zeichner in die Entwicklung des europäischen Kommerz-Comics involviert waren (siehe oben: “Die italienischen Wurzeln”). Die an PERRY & Co. beteiligten Künstler haben für bekannte Franchises wie Dan Dare (2000 A.D.), Star Trek, Phantom und natürlich die notorischen Italo-Sexploitation-Fumetti wie Diabolik oder Skorpio (Man beachte das ‘böse’ Kappa in den Titeln) gearbeitet.

Für mich am Erhellendsten, dass die künstlerisch eindrucksvollste und eigenständigste Phase der PERRY-Comics auf Drängen von Dirk Hess durch die Lead-Zeichnerin Marina Bucciarelli realisiert wurde. Gerade die späte Magazin-Phase ist von ihrem einzigartigen Stil geprägt worden, während vorher oft Brüche und Ungereimtheiten aufgrund der arbeitsteiligen Studioproduktion (und der fehlenden Absprache durch die Agentur Quelle Features:-) bei Giolitti entstanden waren.

Der offene, fließende Pop-Art-Stil als grundsätzliches Unterscheidungsmerkmal der PERRY-Comics war hingegen schon vom ersten relevanten Relaunch zur Ausgabe 37 verabschiedet worden und von Giorgio Gambiotti auch explizit so angelegt gewesen. Eine Alleinstellung für PERRY im gesamten Comics-Universum: “Ab Nr. 37 (erschienen im August 1970) wurden die Leser mit grafischen Experimenten konfrontiert, wie sie sie in keinem anderen Comics zu sehen bekamen.”

[1] PHUTURAMA: “Da geht mehr:-)” – PERRY [RHODAN]-Jubiläumsbilder und -dioramen
[2] DIE SPRECHBLASE: Offizielle Homepage und Index zur Ausgabe Nr. 223
[3] Michael Marcus Thurner: Sprechblasen

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“Da geht mehr:-)” – PERRY [RHODAN]-Jubiläumsbilder und -dioramen

PERRY – Unser Mann im All #100 trifft PERRY RHODAN 50; Quelle (1): Internet, Quelle (2): Ben Hary (Herzlichen Dank!)

Vor einigen Tagen hat mich der PERRY-RHODAN-Facebook-Account – da steckt höchstwahrscheinlich der KNF dahinter – auf ein verspätetes Jubiläumsgemälde von Ben Hary zum 50. der Serie aufmerksam gemacht, dass einerseits mein Wimmelbild “Familienaufstellung” [1] zitiert, mich andererseits wegen der nur wenigen wirklichen Hauptfiguren an das sicherlich nicht mehr allen präsente Jubiläumsposter aus Band 100 von PERRY – Unser Mann im All erinnerte.

Ben Hary schrieb mir dann via Facebook, dass ihn mein im letzten Jahr im PERRY RHODAN-Report veröffentlichte Bleistiftarbeit der “50 PR-Charaktere aus 50 Jahren” zu seiner farbigen Umsetzung angeregt habe. Ich finde Komposition, Farbgebung und den gewissen PR-typischen “Sense of Wonder” kommen trotz der Defizite in der Figurenzeichnung gut zum Tragen.

Insbesondere die so ähnliche Bespielung des Hintergrunds mit der SOL (bei mir war es die JULES VERNE) und der BASIS mitsamt der Figur von ES, die viel freundlicher und kompetenter ins Bild gesetzt ist als bei mir, frappant. Das gefällt mir.

In dem Kommentar-Thread fragte mich dann auch Matthias Feist, was denn aus meiner versprochenen Farbversion des Wimmelbilds geworden sei. Es gibt eine Farbversion, die ich exklusiv erstmal dem Magazin des Hans Rudi Wäscher Clubs zur Veröffentlichung zugesandt  habe, die aber quasi ein wenig den HR Wäscher-Kolorationsstil nachempfunden ist und mich nach Betrachtung der beiden Arbeiten hier oben nicht mehr so gefällt.

Ich finde das Motiv ist eine wunderbare Gelegenheit einmal meine eigenen malerischen Fertigkeiten ein wenig aufzupolieren. Wenn ich da mit einem für mich befriedigenden Ergebnis zu Rande komme, dann werde ich das an dieser Stelle gerne zeigen.

[1] PHUTURAMA: “Familienaufstellung” – 50 Charaktere aus 50 Jahren PERRY RHODAN in einem Wimmelbild

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“Auf der dunklen Seite …”

"Wie viel Nazi steckt in Dir?" Crowdfinde es heraus mit Iron Sky, der "Dark Science Fiction Comedy" von Timo Vuorensola, Photo courtesy Berlinale 2012

Die finnisch-deutsch-australische “Dark Science Fiction Comedy” Iron Sky ist das Posterchild der noch jungen Crowdsourcing-Branche. Insbesondere in den nerd- und geek-affinen Kreisen wurde die Persiflage auf bestehende Verschwörungsszenarien um ein zur dunklen, ewig der Erde abgewandten Seite des Mondes geflohenes letztes Aufgebot der Nazis mit leicht gruselig-verbotenem Enthusiasmus aufgenommen.

Welche Faszination üben die Nazis und ihr kulturelles Erbe überhaupt auf die Science-Fiction-affinen Netz-, Nerd- und Geekkulturen aus? Anders als andere totalitäre Herrschaftssysteme ist die NS-Ideologie mit ihrem systematisch in die Tat gesetzten Holocaust gegen die europäischen Juden und anderer als “lebensunwert” betrachteter Gruppen auf der Achse des Bösen ein singuläres Phänomen geblieben. Aber damit ein überzeitlicher Referenzpunkt für zivilisatorische Abgründe schlechthin.

Schon der ersten Generation der damals noch ganz jungen, meist aus New Yorker jüdischen Verhältnissen stammenden Superhelden-Comicschöpfer hatte sich aufgrund der Erfahrungen der in die USA geflohenen europäischen Verwandtschaft in den 30er Jahren das NS-Regime als das logische Raison d’être für ihre Heldengeschichten aufgedrängt. Marvels frühe “Golden Age”-Superhelden kämpften damit propagandistisch vor allem an der Heimatfront, um den isolationistisch geprägten und auch nicht gerade von antisemitischen Ressentiments freien WASP-Mainstream für einen Kriegseintritt der USA gegen Nazi-Deutschland zu gewinnen.

Nach dem Sieg über die Nazis, der mit Hilfe der von vielen europäischen Emigranten bereicherten Hollywood- und US-Kulturindustrie getragen wurde (z. B. war Casablanca ein zeithistorisch topaktueller Film des Jahres 1942, in dem der Sieg der Alliierten überhaupt noch nicht entschieden war!) galt die ideologisch-propagandistische Unterstützung – auch unter dem massiven Druck des McCarthy-Ausschusses gegen “unamerikanische Umtriebe” – zuerst einmal der Abwehr der kommunistischen Bedrohung im Kalten Krieg.

Doch mit der globalen “Kulturrevolution” des Jahres 1968 kam mit New Hollywood eine ganz neue Generation Filmautoren zum Zuge, die die historische und ästhetische Faszination der Nazi-Bedrohung mit den als faschistoid verstandenen Repressalien des US-Establishment gegenüber den Hippie- und Gegenbewegungen zu instrumentalisieren wusste.

Welchen Einfluss zum Beispiel Leni Reifenstahls Propagandafilme für die pop-kulturelle Großerzählung unserer Generation – Star Wars – einnimmt, zeigt die triumphalistische Siegesfeier der Rebellen-Allianz zu Ende von Episode IV: A New Hope, die wesentliche Inszenierungsmerkmale aus der Riefenstahlschen Reichsparteitags-Trilogie zitiert.  Und hinter dem ganzen Star Wars-Universum lauert die Figur des “Dunklen Vaters”, der Samurai-Rüstung mit Totenkopf-SS-Gestaltung Achsenmächte-gerecht in sich vereinigt.

Was auf der Bildebene so prächtig funktionierte, löste George Lucas in der Star Wars-Prequel-Trilogie, die dem “Downfall” des jungen Anakin gewidmet war, dramaturgisch nicht ein. Und dennoch: der preisgekrönte VW-Spot zeigt: Wir würden alle gerne ein wenig auf der dunklen Seite der Macht wandeln – gemeinsam mit unserem “inneren Nazi”, der ein ziemlicher Kindskopf ist: “Kraft durch Freude!”

 

 

Die Faszination der Nazis liegt in ihrer anscheinend organisatorischen Überlegenheit, ihrem radikal-modernistischen revolutionärem Furor, ihrer Attitüde des Anti-Establishments. Sie verbinden, wie der Begriff “Nationalsozialismus” selbst, linke wie rechte Auflehnungsmuster. Sie sind natürlich der Feind, aber auch die Projektionsfläche der eigenen bitter vermisster Stärke auf Seiten der Opfer.

Spätestens hier steht die immer währende Option zur Verführung zur “dunklen Seite der Macht” als moralischer Topos des Nerd- und Geek-Universums auf der Tagesordnung. Er kommt auch in Googles “Don’t be evil”-Statement zum Ausdruck.

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Did Mœbius Dream of Electric Pens?

Die zeichnersiche Mœbius-Scott-Connection hier gezeigt: Ridley Scotts Zeichnungen aus dem klassischen "Blade Runner Sketchbook" von 1982. Und ja, bemühte Headline ist bemüht.

Letztens [1] habe ich in Zusammenhang mit dem aufziehenden Werbebuzz [2] um Ridley Scotts PROMETHEUS, dem  – ja, was nun? – Prequel von Alien, auf die Verbindung zwischen dem großen Mœbius und Scott hingewiesen, die eben auch eine künstlerische ist.

Ridley Scott, dessen Ausbildung auch Design umfasst [3] und damit notwendigerweise einiges zeichnerische Geschick, nutzte dieses auch zur Visualisierung seiner eigener Ideen – hier oben zu sehen für Blade Runner. Diese Sketches zeigen nicht nur die unstrittigen Referenzen auf Fritz Langs Metropolis [4], sondern auch den besonderen stilistische Einfluss Mœbius’ auf Scotts visuelle Handschrift.

Lustig auch, wenn man von einem Blog-Giganten wie nerdcore dazu motiviert wird, doch mal wieder in die eigenen Bücherregale zu schauen, wo seit beinahe dreißig Jahren das Blade Runner Sketchbook [5] steht. Die beiden Skizzen oben habe ich mal schnell per iPhone von meinem eigenen Exemplar abgelichtet.

Die bei @nerdcoreblog dort verlinkte Issuu-Webversion dieses inspirierenden Klassikers der Concept Art habe ich hier gleich mal mit eingebettet:

[1] PHUTURAMA: PROMETHEUS und die Moebius-Scott-Connection
[2] Forbes.com: With “Prometheus” Ridley Scott Perfects What “Mass Effect 3″ Missed”
[3] WP: Ridley Scott
[4] PHUTURAMA: Metropolis 27/10 – “We Are Keeping A Close Eye on You!”
[5] NERDCORE: Blade Runner Sketchbook

Und hier noch ein kleiner Easter Hug!

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“Rudig Reloaded.” 30 Jahre wie 1 Tag

EXCALIBUR und Mini-RZ-Mash-up als Generationenprojekt? Diese zwei Rudig-RZs trennen 30 Jahre nicht.

Knapp ein halbes Jahr ist es her, dass auf dem PERRY RHODAN-WeltCon Jürgen Rudig als Überraschungsgast auf der Bühne des Panels  “Space Design” – Die Risszeichner und ihr Bild vom Perryversum [1] saß und einiges vom Werdegang eines RZ-Avantgardisten erzählte. Auch nach dem WeltCon ist der Kontakt nicht abgebrochen. Und was ich insgeheim erhofft hatte, ist auch eingetreten: Jürgen Rudig hat nach 30 Jahren “Kreativpause” wieder mit dem Risszeichnen begonnen!

Für die Präsentation zum “Space Design”-Panel hatte Jürgen mir ein relativ unscharfes Digitalfoto einer seiner damals nicht verschwundenen oder zerstörten unveröffentlichten Risszeichnungen geschickt – als weltexklusives Schmankerl dem Anlass angemessen: Die RZ der EXCALIBUR, die in irgendeiner Kiste die 80er, 90er und die Jahrtausendwende überlebt hatte!

Für mich war die EXCALIBUR allerdings ein kaum erhofftes Wiedersehen. Denn ich kannte diese RZ noch aus  einem Vorstadium ohne Fond und ohne die starken Kontrastierungen, die Jürgen in Anlehnung an seine letzte veröffentlichte Auftragsarbeit bei PERRY RHODAN, das Raumschiff der Namenlosen (PR 1123) [2], gesetzt hat. Nachhaltig beeindruckt hatte mich diese Arbeit beim Risszeichner-Treffen bei Willi Voltz in Heusenstamm im Oktober 1982. Ihr visueller Stil war zu dieser Zeit noch eher eine konsequente Weiterentwicklung des Siganesischer Spezialkreuzer der USO (PR-Magazin 4/1980-Poster) [3] bzw. der hochartifiziellen ‘mœbiuesken’ Innenillustrationen der Willi-Voltz-Fortsetzungsgeschichte Das Weltraumteam [4] (als Supplement im PR-Magazin).

Selbst wenn ihr euch in die obige Abbildung in der hochauflösenden Version gebt, werdet ihr den unglaublich detaillierten Reichtum dieser RZ eher nur erahnen können. Ohne die heutige starke Kontrastierung wirkte die EXCALIBUR damals auf den ersten Blick eher wie eine abstrakte Textur. Erst langsam wurde ich von den Formen und Details in diese Zeichnung hineingezogen. Ich habe den damaligen am Treffen teilnehmenden Redaktionsleiter (und heutigen VPM-Verlagsleiter) Walter A. Fuchs noch im Ohr, dem dies für eine Risszeichnung zu weit ging. Für mich fing es hier erst an.

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PROMETHEUS und die Moebius-Scott-Connection

Cover der Mediascene Ausgabe Januar/Februar 1979, mit einer Farbversion von Moebius’ berühmten Concept Art zu Ridley Scotts Alien. (Quelle: quenched consciousness)

Dreißig Jahre nach Blade Runner kehrt Ridley Scott wieder zur Science-Fiction zurück. Während seine Adaption der Philip K. Dick-Erzählung Träumen Androiden von Elektrischen Schafen ein “Schläfer” blieb, der erst über die Jahrzehnte und diverse Final Cuts und Redux-Versionen zu dem unangefochtenen visuellen Vorbild des hyperurbanen Cyperpunk-Genres heranreifte, war Scotts Alien von 1979 der Startschuss für eines der emblematischsten und klebrig-schleimigsten Hollywood-Franchises, das sich in diversen Exploitations-Iterationen und Crossovers Unsterblichkeit errungen hat.

Die Nachrichtenlage zu Prometheus – Dunkle Zeichen [1] ist im Moment unklar, ob es sich bei dem neuen Film um ein klassisches Prequel zur Alien-Reihe handelt. Zumindest der Trailer gibt klare visuelle Hinweise, die auf mehr hinauslaufen als ein loses shared universe.

Ich empfange auch gerade ein wie auch immer motivierten Buzz über die diversen in diesen Tagen öffentlich gemachten Teaser und Trailer, der auf das nächste Big Thing in Science Fiction seit zumindest  Avatar [2] hinauslaufen soll – und den Epic Fail von Disneys John Carter [3] als ideales Kontrastmittel zu nutzen scheint.

Aber irgendwie bin ich misstrauisch, was das bisher bereitgestellte in Stills und Bewegtbild anbelangt. Ich habe das Gefühl, dass da zum Teil noch Pre-Production Animatics hinterschnitten sind, die für eine In-Game-Capture auf Crytek-Niveau okay wären, aber nicht für einen Ridley Scott-Film.

Darüberhinaus ist das in den Ausschnitten zu sehende finale Production Design stilistisch etwas heterogen – ein Best of Cobb, Foss, Gieger und natürlich Moebius. Es gibt klar zuzuordnende visuelle Reenactments des Alien-Originals wie z. B. die Landesequenz des Raumschiffs, das sehr an das der Nostromo angelehnt ist; manches ist aber auch unangenehm grell oder wirkt digitally over defined.

Ein Klassiker ist es natürlich, dass wiederum eine Unterwäschenummer mit einer Working Class Heroin vorkommt – eine Szene, die im Alien-Original auf vielfältigen Ebenen kommunizierte und Sigourney Weaver als Ellen Ripley zu einer “Ikone der Frauenbewegung im Kino” [4] werden ließ.

Hier einer der internationalen Trailer, der auch über den am Ende dramatisch sich aufschaukelnden Scream-Score zu gewinnen weiß:

[1] Prometheus – Der Film. Offizielle deutschsprachige Website.
[2] PHUTURAMA: German FAZ Sets Avatar’s International Reception in US-vs-PRC Synopsis
[3] SPIEGEL Online: Disneys Monster-Flop – Millionenverlust bei John Carter
[4] moviepilot: Prometheus – Dunkle Zeichen

Über die künstlerische Verbindung zwischen Ridley Scott und Moebius demnächst mehr.

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“Batmobile aus Schlumpfhausen?” Nissan DeltaWing für Le Mans 2012

"Startnummer 0." Es ist ein Gerücht, dass Nissan für The Dark Knight Rises ein Batmobile in Schlumpfhausen hat entwickeln lassen. Via IEDEI bzw. l’endurance.

“Win on Sunday, sell on Monday,” lautet die Goldene Regel des Motorsport-Marketings. Nissans Nennung für die 24 Heures du Mans 2102 wird dem wohl nicht ganz gerecht werden, auch wenn dieses Dragster-artige Geschoss sicherlich schon jetzt ein konkurrenzloser Gewinner der Herzen ist.

In meinem automobilen Lieblingsblog IEDEI [1] gibt es noch weiteres interessantes Material zu diesem fahrdynamisch kühn wirkenden Fahrzeug, das allerdings in den dort verlinkten Videos durchaus zeigt, dass es zackig um die Ecken zu schwirren weiß.

Wie es sich für einen japanisch-französischen Multi gehört, findet sich auf deren eigenen Seiten keinerlei Informationen über dieses Projekt, während ansonsten alle üblichen motorjournalistischen Quellen darüber berichten. Klar auch heise.de [2] weiß um die frappierenden Designanleihen irgendwo zwischen Lockheed SR-71 und Batmobile; die Originalquellen zum Projekt werden aber auch hier nicht genannt.

Ich bin trotzdem vom außergewöhnlichen Gesamtpaket überzeugt und halte den DeltaWing für einen Concorde Moment. Wenn es denn dem Team gelingen sollte, die angekündigte Performance in Le Mans selbst nur in den Trainings aufblitzen zu lassen.

[1] IEDEI: Embrace the Weird: Nissan DeltaWing
[2] heise Autos: Nissan DeltaWing: Leichtbaurenner für Le Mans

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