transmediale 2k+12 “in/compatible”

"Absolut in/compatible:" Joshua Light Show featuring Manual Göttsching (Ash Ra Tempel, ashra.com) – Highlight der erfolgreichen Festivalkooperation von tm2k+12 und CTM.12 und mit besonderem Engagement von der tm-Performance Kuratorin Sandra Naumann begleitet, CC: Kimberley Bianca (transmediale)

Der Glamour der vergangenen Berlinale verstellt schon fast wieder die Rückschau auf die diesjährige 2k+12 transmediale – festival for digital art and culture berlin [1], die zum ersten Mal unter der neuen künstlerischer Leitung von Kristoffer Gansing nicht nur ein atmosphärisch vernehmlicher Erfolg gewesen ist.

Selbst tief und bisweilen mit DIY-Speditionstätigkeiten mit dem inzwischen beinahe traditionellen c-base Partner Event [2] verstrickt, kann ich vom Festival mit seinen immerhin sechs Programmsektionen (Ausstellung, Videoprogramm, Konferenz, Performance-Programm, “reSource”-Initiative für “transmedial culture” und der Retrospektive in eigener Sache: “25 Jahre transmediale”) nur einige wenige Eindrücke vermitteln. Aber da geht es mir wie den Machern selbst. Da ich freundlicherweise am Donnerstag, den 23. Februar zu einer transmediale-Ausklangfeier in der Weddinger Panke [3] vom Team eingeladen war, ergab sich aber die gute Gelegenheit, die individuellen Erfahrungssplitter zu einem größeren ganzheitlichen Narrative zu fügen.

Grundsätzlich ist dies der zweite große Wechsel in der künstlerischen Leitung nach Andreas Broeckmann zu Stephen Kovats, den ich bei der transmediale aus der partnerschaftlichen Halbdistanz als c-base conceptioneer miterleben durfte. Was ich mit dem Einstand des neuen künstlerischen Leiters Kristoffer Gansings verbinde, ist, dass das Festival der digitalen Lebenswirklichkeit des Publikums näher gekommen ist, wie ich zumindest die Auftaktperformance QTzrk von jon.satrom [4] verstehe, die aus dem üblichen Reigen einer Eröffnungszeremonie seamlessly in den alltäglichen Inkompatibilitätswahnsinn der inzwischen ubiquitär mehrheitsfähigen MacOS-Benutzeroberfläche transgredierte.

Anstelle gern überstrapazierter künstlerischer Praxis synästhetischer Disruption und avantgardistischem Überwältigungsfuror mit oft medientechnologisch meist überholten Stilanachronismen, die lautstark “Hier, ich bin Medienkunst!” riefen (ASCII-Art, OCR-Typo, 8-Bit-LowRes-Pixelartefakte FTW) ist der neue Ansatz, medienkünstlerische Positionen aus der digitalen Sphäre der glitzernden App Economy und der längst ubiquitären Cloud abzuleiten, sehr wohltuend und kritisch aktuell.

Dieser Ansatz spiegelte sich auch in den viel beachteten grafischen Auftritt des Festivals von Manuel Bürger, Timm Häneke und Till Wiedeck mit Goldspiegelfolie, einem iPhone-App-geshapten Rahmenelement völliger Inhaltsleere und dem häufigen Einsatz blauweißem Himmelsgewölks auf der insbesondere dem Festivalmotto “in/compatible” mimetisch nacheifernden Website.

Eine generelle Rückbesinnung scheint mir zu sein, dass §Medienkunst wieder formal definiert ist als künstlerische Auseinandersetzung mit den spezifischen Gegebenheiten des Ausdrucksmaterials und nicht in erster Linie als themenspezifisch inhaltliche Kategorie, wie es Stephen Kovats gefördert hat, der damit bewusst das Risiko von Flops (Deep North, 2009) und Tops (Futurity Now!, 2010) in der Gesamtausrichtung eingegangen ist.

Mir scheint dies in Abgrenzung zu den traditionellen am Kunstmarkt und in der Museumslandschaft wesentlich etablierten Kunstbereichen wie Malerei, Graphik oder Bildhauerei ganz konsequent: Medienkunst macht halt was mit Medien.

[1] Offizielle Website der transmediale – festival for digital art and culture berlin
[2] c-base Microsite zum 2012 transmediale Partner Event “be future in/compatible”
[3] “panke – a stream of ideas” – Ein Club im Wedding, der das besondere Berlin-Gefühl verinnerlicht
[4] QTzrk by jon.satrom (via transmediale-Website)

Disclaimer: Ich war nicht nur über die c-base Kooperation dieses Jahr mit dem Festival verbunden gewesen, sondern als “Adludicator” für die von Mark Butler geleitete Veranstaltung Zombie Play in the Ludic Salon: reSourcing an Exquisite Media Corpse am Sonntag, 5. Februar 2012 von der reSource-Kuratorin und Programmverantwortlichen Tatiana Bazichelli eingeladen worden. Herzlichen Dank dafür, dies war eine sehr schöne Veranstaltungin der besonderen Form des “Presentation Flows” nach Vorbild des Cadavre Exquis:

“Exquisite corpse, also known as exquisite cadaver (from the original French term cadavre exquis) or rotating corpse, is a method by which a collection of words or images is collectively assembled.” (WP)

Zum Ausklang hier ein Ausschnitt vom Auftritt der Joshua Light Show ft. Manuel Göttsching vom Samstag, den 4. Februar 2012, von dem auch das obige Aufmacher-Foto von Kimberley Bianca stammt (mehr auf flickr.com):

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“Die ganze Zukunft liegt von nun an in der Vergangenheit.” CTM.12 – SPECTRAL

"It is also about the disappearance of our own memories and data, things that we wanted to keep forever but which will, because of technological progress, the aging of a technique, or the self-destruction of a supporting system, soon no longer exist." The Ghost Off The Shelf, Exhibition CTM.12 – SPECTRAL

Heute vormittag fand die gemeinsame Pressekonferenz der seltsam verschwisterten Festivals transmediale 2k+12 in/compatible – festival for digital art and culture berlin [1] und CTM.12 SPECTRAL – Festival for Adventurous Music and Related Arts[2] im Haus der Kulturen der Welt statt. Da der CTM schon heute abend, Montag, den 30. Januar 2012 offiziell mit einer Aufführung eines Werks der französischen Elektro-Avantgarde-Komponistin Eliane Radigue [3] im Berliner Hebbel am Ufer 1 (HAU 1) beginnt, versuche ich hier schon einige Eindrücke vom geplanten Programm und von der schon seit Freitag im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien zusammenzufassen.

Jan Rohlfs, neben Oliver Baurhenn und Remco Schuurbiers die verantwortlichen Köpfe des aus einem begleitenden “Club Transmediale” hervorgegangenen Festivals für Wagnismusik und damit verwandte künstlerische Positionen, formulierte in der Pressekonferenz ein sehr umfassendes kuratorisches Statement [4], das im Wesentlichen um das wachsende Unbehagen am “Kontrollverlust” (diesen Begriff hat er nicht gebraucht) der in den exponentiell wachsenden digitalisierten “Anarchiven” verborgenen Nicht-Wissens (im Sinne eines Rumfeldschen “unknown Unkonwns”) drehte:

“Er gewinnt Form in Gestalt von Heimweh, Transzendenzsehnsucht oder Retromanie und gerät umso stärker, je eindringlicher die technologische Enteignung und Delokalisierung erfahren wird.” [5]

Die von Thibaut de Ruyter kuratierte Ausstellung “The Ghost Off the Shelf” wie das Gesamtfestival widmen sich also der spürbaren Faszination und Beschäftigung mit (vorgeblich?) nicht hintergehbarer, materieller Restanzen der Produktions-, Aufführungs- und Speicherungprozesse, die in der vordigitalen Ära dem jeweiligen Medium auf den Leib geschrieben waren und als nun als “Phantomeffekte” (wie in Phantomschmerz) eine tiefenhermeneutisch zu erschließende Bedeutungsebene versprechen, der die CTM-Projekte sogar bis in die Halbleiter-Molekülketten der Medienapparate nachzusteigen bemüht sind (“The Crystal World Open Laboratory”):

“Das ist kein absichtsvolles künstlerisches Programm. Vielmehr ist es feinnerviges, arbeitsames, mal dunkles, mal fröhliches Experimentieren mit Unheimlichem, Verstaubtem und Trash, der Rückgriff auf Vergangenes und Verworfenes bis hin zur Archaik, die Lust am Verformen, Verhallen, Verrauschen und Verflüssigen, Aufbrechen, Verkleben und Verspleißen; geradezu die letzten Mittel, die eingesetzt werden, wo ein Masterplan zwangsläufig fehlen muss.” [5]
Nach dem Tod Conrad Schnitztlers [6] im letzten Jahr passt in diese Auseinandersetzung auch die Archäologie des West-Berliner Zodiac Free Arts Lab [7], einem Hackerspace avant la lettre für elektronische Musik in den 1960er Jahre, der für die spätere Krautrock-Bewegung bestimmend war, was mit der CTM-Spielstätte HAU 2 quasi am Originalort (heute sehr profan das WAU – Wirtshaus am Ufer) nachvollzogen werden kann.

[1] Offizielle Website der transmediale – festival for digital art and culture berlin
[2] Offizielle Website des CTM – Festival for Adventurous Music and Related Arts
[3] Wikipedia über Eliane Radigue
[4] art-in.tv: Video-Statement von CTM-Kurator Jan Rohlfs auf Google+
[5] Kuratorisches Manifest zu CTM.12 – SPECTRAL
[6] Wikipedia über den Elektronikpionier Conrad “Conny” Schnitzler
[7] Wikipedia über das von Conny Schnitzler mitgegründete Zodiak Free Arts Lab – quasi das CBGB OMFUG der Krautrock-Szene

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“Tron meets Kal-Els Festung der Einsamkeit.” Random Seed c-base/transmediale-Vorspiel

Glazialvisuals in Minimal-Beat-Blöcken, "Random Seed" by stickman (im Dunkeln)

c-base die Raumstation unterhalb Berlins hat mit Hilfe des Künstlerkooperation Stickman [1], Entlet [2] und Fauxtone Collective [3] eine temporäre synästhetische Holodeck-Upgrade erfahren.

Als Teil des gemeinsamen “Vorspiels” der beiden Geschwisterfestivals transmediale 2k+12 in/compatible – festival for digital art and culture berlin [4] und des CTM.12 SPEKTRAL – Festival for Adventurous Music and Related Arts [5] sind die diesjährigen c-base Partneraktivitäten zur transmediale unter dem Motto “be future in/compatible” [6] mit den drei Auftritten des Improvisations-Theatergruppe Improbanden und der oben genannten 3D-Echtzeit-Bild- und Klanginstallation gestartet.

„Random Seed“ – an audiovisual beat sculpture: Live performance & audiovisual installation by Stickman feat. Fauxtone Collective Berlin-based multi-instrumentalist and producer Stickman teams up with the Fauxtone Collective to bring an immersive audiovisual experience to the stage, exploring synergies and interactions of tones and photons.

Von c-base Seite aus hat Thomas Goltz [7] als Teil der Künstlergruppe sein 3D-Knowhow in das gemeinsame Projekt geworfen, das in nur drei Monaten mit einer Menge performance-kritischen, weil Echtzeit benötigenden Coding-Aufwands realisiert worden ist. Ohne die großartige Unterstützung durch transmediale-Leiter Kristoffer Gansing und den Technikpartner des Festivals serve-u [8] wäre c-base nicht in der Lage gewesen, den beteiligten Künstlern diese Plattform für ihre Arbeit zu geben.

Einen guten Eindruck der Random Seed-Installation vermittelt schon einmal das unten folgende Video vom Freitag. An den zwei Folgetagen des Vorspiel-Wochenendes wurden weitere Photonen-Module der Installation freigeschaltet.

Als Kontrast zur hermetisch-minimalistischen Percussion-Clustern der “beat sculpture” steht das housige Live Set von Stickman und Entlet, das die Holodeck-Installation in einen Clubkontext transponiert. In dieser Zusammensetzung Sonntagabend, den 29. Januar 2012 das letzte Mal live an Bord der c-base zu erleben.

[1] Soundcloud: stickman
[2] Soundcloud: Entlet
[3 Fauxtone Collective – Berlin: "It's finally here!"
[4[ Offizielle Website der transmediale – festival for digital art and culture berlin
[5] Offizielle Website des CTM – Festival for Adventurous Music and Related Arts
[6] c-base Microsite zum 2012 transmediale Partner Event “be future in/compatible”
[7] Show Reel von Thomas Goltz aka Golle]
[8] Website von serve-u – Technical Support

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“Destination: Tracing Mobility.” Elektronische Netzwerke und mobile Medien in Zeit und Raum.

Aaron Koblins "Flight Patterns" Projekt kurzgeschlossen mit Martin Waldseemüllers Weltkarte von 1507, in der die Neue Welt erstmals als "Amerika" bezeichnet ist.

Alte Stiche von Karten habe ich meist bei Menschen zu Hause gesehen, deren Weltbild mir ähnlich antiquiert erschien wie die Karten und das in ihnen eingeschriebene Weltbild. Auch der darin enthaltenen Verweis auf die große Epoche der europäischen Entdecker und Eroberer der Welt erscheint mir zweifelhaft. Dennoch: Karten sind projizierte Weltanschauung wie gleichsam symbolisch hochverdichtete Weltdurchdringung. Die in der von Waldseemüller [1] gewählte Ansicht entspricht der eurozentrischen Betrachtung mit der klasssich-europäischen Welt Mitte-links und einer orientalischen Erweiterung nach Mitte-rechts einschließlich Indiens und Russlands. Fernost, Subsahara-Afrika und die “Neue Welt”, die in dieser Arbeit von 1507 – nur fünfzehn Jahre nach Kolumbus – erstmals als “Amerika” bezeichnet wird, sind Peripherie.

Das schmale Handtuch von Neuer Welt aus dem Jahre 1507 ist zu Kräften gekommen und sieht sich spätestens seit Ende des 2. Weltkriegs im Zentrum. Wenn jetzt im Umfeld des 19th ASEAN Summit & Related Summits auf Bali [2] über Amerikas Hinwendung zum pazifischen Raum gesprochen wird, zeigt die von Aaron Korbin [3] aus offiziellen Flugdaten der U.S. Federal Aviation Administration [4] für sein Projekt “Flight Patterns” gewonnene US-Karte, dass die atlantischen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Europa dominieren. Ich finde diese Karte aber eigentlich nur schön.

Seit vielen Jahren kreuze ich mit meinen Aktivitäten und Interessen immer wieder einmal die Flugbahnen von Trampoline – Agentur für Kunst und Medien [5], die 1997 von Anette Schäfer und Miles Chalcraft in Nottingham gegründet worden ist und seit dem Jahr 2000 einen weiteren Sitz in Berlin hat – und zwar aktuell in der RS20, dem Domizil des c-base e. V. Am Mittwoch, den 23. November 2011, 19:00 Uhr eröffnen die beiden ihre Ausstellung, Symposium und Open Platform namens “Tracing Mobility – Cartography and Migration in Networked Space” im HKW – Haus der Kulturen der Welt [6], die “das Verhältnis zwischen globaler und individueller Mobilität, zwischen physischer und virtueller Bewegung” aus der Sicht von sechzehn internationalen Künstlern betrachtet.

Da ich allenfalls ein blindtauber Media Art-Aficionado bin und mich gerade mal als Part-Time-Curator für die c-base im Rahmen der transmediale damit ein wenig intensiver beschäftigte, möchte ich hier im Voraus noch nichts sagen, sondern nach Besuch der Veranstaltungen in Ruhe hier meinen Eindrücke schildern. Auf wen ich mich aber schon mal in der Auswahl der Kuratoren für Tracing Mobility freue, ist Aram Bartholl [7], dessen Arbeiten auf immer wieder überraschende Art den gewohnten und schon selbstverständlichen Metaphern der digitalen Welt einen harten bis lustigen Reality Check verpasst.

[1] How to be a Retronaut: “First map to use the name ‘America’, 1507″
[2] ASEAN – The Association of Southeast Asian Nations: “one vision, one identity, one community”
[3] Aaron Koblin: “Flight Patterns” Projekt Website
[
4] U. S. Federal Aviation Administration Website: “Our continuing mission is to provide the safest, most efficient aerospace system in the world.”
[5] Trampoline – Platform for New Media Art
[
6] HKW – Haus der Kultren der Welt: Ankündigung zu Tracing Mobility; Eröffnung: 23. November 2011, 19.00 Uhr
[7] Aram Bartholls phantastisches Portfolio im Netz unter datenform.de

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“C wie Zersetzung.” Chaos Communication Camp 2011: Der lange Tag 5

"Nichts ist, wie es scheint." Wieviel Transparenz verträgt die Wahrheit und wem nutzt das? Source: gallery.rasda.de "AllColoursAreBeautiful"

Warum zieht es Institutionen, Parteien oder auch nur Primärkontaktgruppen (sog. Familien) regelmäßig im Sommer aufs Feld zum Camping? Sommerlager der Falken, der Wiking-Jugend, der Pfadfinder oder – in ungewöhnlich einträchtiger niederländisch-deutscher Abstimmung – alle zwei Jahre die Camps der internationalen Hacker Community? Es geht im wahrsten Sinne um Kampagnenfähigkeit – um Mobilisierung, Dislozierung und Power Projection: Was wir können, was wir machen, was wir sind, das können wir unter ganz anderen schwierigeren Bedingungen ebenso leisten, beweisen, darstellen.  Seht her! Wenn wir das schon auf dem Acker hinkriegen, dann denkt mal drüber nach, wie wir unter normalen Umständen  performen!

Kampagnenfähigkeit benötigt Disruption – den Ausstieg aus dem Alltag. Quer gegen alle normalen Arbeitsteilungen und Hierarchien werden in einer solchen disruptiven Kampagne neue Teamkonstellationen zusammen gewürfelt, wie sie sich sonst nicht ergeben würden.  Auf einmal finden sich die Leute mit LKW-Führerschein zusammen, die Hobbyköche machen gemeinsame Volxküche, die Macher trennen sich von den Trägern  – ob von Bedenken oder Verantwortung. Das wird beim Chaos Computer Club und seinen Erfa-Franchisenehmern nicht anders sein. Ein bestimmt auch noch einmal von den jährlichen Chaos Communication Congress-Crews unterschiedenes Team geht an diese seit 1999 alle vier Jahre statt findende Sommerveranstaltung heran, opfert Zeit, Energie, Urlaub, um unvergessliche Momente zu schaffen. [1]

Nur der Vorstand des Chaos Computer Clubs, der in Hamburg eingetragenen Dachorganisation, scheint nicht so stark in die Arbeit vor Ort eingebunden gewesen zu sein, als dass er nicht diesen Freiraum ohne Not zu Nutzen gewusst hätte, der interessierten Öffentlichkeit ins Bewusstsein zu bringen, dass er existiert und damit das CCCamp 2011 mit einem ganz besonderen Finale zu bereichern. Vorstand, aber Nicht-mehr-Sprecher Andy Müller-Maguhn hatte in der wohl ungewöhnlich rasch auf die aktuelle Entwicklungen vom Mittwoch reagierende klassische Printausgabe des “ehemaligen Nachrichtenmagazins” (in chaosnahen Kreisen oft gehörtes Synonym für Der Spiegel) ein Interview gegeben, von dem später auf SpOn dann nur schwerumwölkte, aber für die CCC-Vorstandskollegen wohl richtungsgebende Auszüge veröffentlicht wurden. [2]

Ich kann über die Wikileaks- vs. OpenLeaks-Debatte und den den beteiligten Protagonisten zustehenden jeweils größeren Misskredit nicht spekulieren, aber die dann durch eine Pressemitteilung des CCC (“Finowfurt, den 13.08.2011″) kommunizierte (dem Vernehmen nach “einstimmige”, d. h. nicht “einmütige”) Entscheidung über den Ausschluss des OpenLeaks-Frontmenschen Daniel Domscheit-Berg, ist mehr als nur “unsouverän” (so Frank Rieger, der als “Sprecher” zusammen mit Constanze Kurz in den letzten Jahren stark das Bild des CCC als einer diskursbestimmenden zivilgesellschaftlich integrierenden überparteilichen Kraft geprägt hat). [3]

Was bisher geschah, lest ihr am besten hier:

  • Linus Neumann: Kommentar: Vorstand schmeißt Daniel Domscheit-Berg aus dem CCC [4]
  • Philip Banse: Eitler Hahnenkampf beim CCC – Chaos Computer-Club wirft Domscheit-Berg raus [5]

Ich kann Philip Banse nur zustimmen, da ich den Auftritt Domscheit-Bergs per Stream mitbekommen habe, und er definitiv dort nichts von einem irgendwie “CCC-zertifizierten Projekt” erzählt hatte. Ich hatte seine Ankündigung zur testweisen Öffnung der OpenLeaks-Plattform sogar eher als Zugeständnis an die Community denn als Einvernahme zu Marketing-Zwecken verstanden, die endlich einmal was Belastbares von diesem bisher stets nur angekündigten Ding sehen wollte. Sie haben dann ja auch den Testbetrieb nicht in der Weise zum Laufen bekommen.

Und darüberhinaus halte ich das ganze Projekt OpenLeaks für einen totalen technik-euphemistischen Pseudo-Lösung für ein Problem, das auf ganz anderer Ebene gelöst werden muss. Tosten Kleinz hat hierzu in seinem Notizblog zumindest mal für mich klargezogen, was bisher im “Hahnenkampf” viel zu kurz gekommen ist:

“Die Produktion neutraler brauner Umschläge wurde nicht eingestellt. Wenn ihr etwas habt, das unbedingt an die Öffentlichkeit sollte: packt es in einen solchem Umschlag und schickt es einem Journalisten oder einer NGO, der ihr vertraut. Wenn ihr paranoid seid, zieht Handschuhe an und hinterlasst keine Speichelspuren auf der Briefmarke.” [6]

Wichtiger ist aber am unsolidarischen und unklugen Vorstandsbeschluss des CCC, der im übrigen bei den großen Zweifeln an der Seriosität von OL  zuerst einmal den Vortrag von Domscheit-Berg im offiziellen CCCamp-Programm hätte skippen lassen können, was Peter Glaser dann so luzide imaginativ zusammen gefasst hat:

“Wenn ich bei einem Geheimdienst wäre, würd ich mich heute still lächelnd vors Kaminfeuer setzen und mir die Hände reiben.” [7]

Die Zersetzung oppositioneller Kräfte ist ja wohl das effektivste Mittel, über das die geheimen Dienste verfügen, da die Macht des Mobbings inherent in allen zwischenmenschlichen Bereichen, aber besonders unter so herausragenden und engagierten Inidividuen und Diven virulent ist. Gerade der sonst so auf alles und jeden im Fnord-Jahresrückblick herabschauende CCC hätte in seinen Vorstandsbeschluss unter diesen Auspizien betrachten müssen – egal, ob hier reale Zersetzung vorliegt oder man nur Paranoia schiebt.

Apropos Paranoia: Ich finde es ja einen großartigen hacktivistischen Akt von Social Engineering, dass es Daniel Domscheit-Berg gelungen ist, alle Welt (und vielleicht auch die “Granden” des CCC) Glauben zu machen, er hätte anstelle eines einzelnen Gebrauchtrechners ein hocheffektiv verteiltes Servernetzwerk mit den Wikileaksdaten angelegt. Wenn er das im Angesicht der Gegner, denen WL die Hosen runter gezogen hat, ernsthaft vom Glaubwürdigkeits-Konto abbucht, der sollte wirklich weiter mit Förmchen in der Sandbox spielen.

Zu guter Letzt hat sich der CCC als “galaktische  Gemeinschaft von Datenreisenden” mit seinem über 30 Jahre erlangten souveränen Status, der es ihm zunehmend erlaubte, das politische Establishment in immer stärkeren Maße vor sich her zu treiben und permanent zu demütigen, einen bemerkenswerten Wiedereintritt in die Sphären des Irdischen und Unterirdischen geleistet. Das wird uns allen schaden.; in vier Jahren wird es aber wieder ein Chaos Communication Camp geben.

UPDATE: Vielleicht aufgrund der aufreizenden Headline dieses Posts ging der RBB mit seiner TRACKBACK-Redaktion steil und hat mich am Samstag, den 20. August 2011 in der Live-Sendung kurz telefonisch verhört. [8]

[1] soup.io: Aggregiertes #CCCamp11 in schönen Bildern
[2] SpOn: Chaos Computer Club: Hacker distanzieren sich von OpenLeaks
[3] @frank_rieger
[4] Netzpolitik.org: Kommentar: Vorstand schmeißt Daniel Domscheit-Berg aus dem CCC
[5] Deutschlandradio Kultur: Eitler Hahnenkampf beim CCC – Chaos Computer-Club wirft Domscheit-Berg raus
[6] notizblog: Das Verdienst von Wikileaks
[7] @peterglaser
[8] TRACKBACK-Podacst TRB 243 von Radio Fritz. Mein Kurzeinsatz bei Minute 10.16

Das Foto oben von der “AllColoursAreBeautiful”-Installation auf dem CCCAmp2011 wurde PHUTURAMA freundlicherweise von rasda zur Verfügung gestellt: http://gallery.rasda.de/v/cccamp11/

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“Space flight is dirty.” Chaos Communication Camp 2011: Tag 4

Raumfahrtprogramm selbstgestrickt? Baikounur City #2, International School of Space, Kazakhstan, 2011 von Vincent Fournier (via core 77)

Das Chaos Communication Camp wird diese Nacht Samstag auf Sonntag den “Re-entry to Normality” einleiten, denn es ist mit all seiner bunten Fairground Attraction-Haftigkeit ein wirkliches Kind der Nacht. Die Vortragssschiene in den beiden Shelter-Hangars Baikonur und Kourou steht im Vergleich zum jährlichen Chaos Communication Congress eher im Hintergrund.

Vielleicht aus diese Sonderheit hat es sich ergeben, dass ein offensichtlich kuratierter Themenschwerpunkt “autonome Raumfahrt” das Vortragsprogramm dominiert hat. Ich habe zu wenig davon gehört, um ein fundiertes Urteil über die Vorträge mir erlauben zu können, aber aus meiner Sicht ist es erquicklicher übers CCCamp zu laufen und sich mit den vielen interessanten Menschen dort direkt zu unterhalten.

Der CCC hat von seinem Start vor dreißig Jahren an ein echtes Stein im Brett bei den Medien. Ein so spekulatives wie thematisch fragwürdiges Programm wie der “Hackers in Space”-Initiative der Auftaktveranstaltung [1] wäre anderen Institutionen zu Recht um die Ohren gehauen worden. Judith Horchert muss sich bei ihrem Beitrag für SPIEGEL Online schon ganz schön winden, um der Sache ein dem CCC gemäßen seriösen Spin zu geben. [2]

Neben Schwächen in der Vortragsperformance der gleich drei (!) Keynöter hätte solche in disruptiver Ansatz für eine raumgreifende Agenda, die zu allererst einmal das Kernkompetenzfeld der Hacker Community zu überdehnen scheint, wirklich mit allen rhetorischen und vortragstechnischen Wassern gewaschen sein sollen. Im nicht ganz unkundigen Publikum war eine merkwürdige Betretenheit zwischen Fremdschämen und einem durchaus motiervierbaren Willen zur Begeisterung zu erspüren. Der Applaus war dann auch enden wollend – und nicht das Fanal für den Beginn einer neuen Ära in der Weltraumfahrt.

Warum auch, auf den CCC-Veranstaltungen sind seit Jahren raumfahrtspezifische Themen und autonome Bastlergruppen mit Zug zum Höheren zugegen. Diese Ansätze zu bündeln, ist eine gute Idee, aber die Promoter von “Hackers in Space” sollten dann auch ihre Hausaufgaben machen. Während der an die Keynote anknüpfende kurze Q&A wurde das erste Missionsziel für 2015 – ein Hacker-eigener Kommunikationssatellit – von Teilnehmern aus der Amateurfunkszene für obsolet erklärt. Demnach können schon seit Jahren kleine Amateurfunksatelliten als Non-Payload (vulgo: Ballast zum Trimmen o. ä.) auf diversen institutionellen Missionen mitreisen.

Sich in die historische Tradition der Raketenpionieren Hermann Oberth und Wernher von Braun “einzufnorden” wie es Lars Weiler in der Keynote getan hat, ist einerseits richtig, aber die Jahre zwischen 1933 bis nach dem Krieg als “Zwangspause” zu bezeichnen, ist beinahe schon Naziverbrechensverniedlichung. Im Gegenteil, zu Zeiten des Dritten Reichs haben eine Menge Aggregat V-Raketen (aka V2) die Grenze zum Weltraum gekratzt und relevante Grundlagen der Space Transportation ermittelt – leider meistens mit tödlicher Payload für London und Umgebung.

Schlimmer noch, dass bei der industriellen Fertigung der V2 in den unterirdischen KZ-Fabriken mehr Menschen umgekommen als bei den Angriffen selbst. So was an dieser Stelle zu übergehen ist einfach tödlich – und hätte bei weniger toleranter Medienbegleitung “shitstormig” werden können auf dem sowieso schon von durchwachsenen Wetter gebeutelten CCCamp 2011.

Es ist bezeichnend, wenn ausgerechnet Johannes Grenzfurthner vom für jeden Spaß zu habenden situationistisch-austroanarchischen Künstlerunding monochrom [3] in der “Hackers in Space”-Diskussion sich als “Stimme der Vernunft” zu Wort meldet und auf die ethischen Aporien einer hacktivistischen Raumfahrtagenda hinweisen muss, da eine solche immer auch auf die militärisch geprägten Infrastrukturen von “Big Space” aufsetzen muss.

Der Einwand ist berechtigt, aber auch im IT-Kernbereich der Hacker Culture sind die Infrastrukturen militärisch-industriell kontaminiert – ohne gleich wieder die DARPA-Legende vom angeblich auf Nuklearkriegsüberlebenstauglichkeit hinentwickelten Internet Protokoll hervorzukramen. Persönlich hätte ich die ständig ansteigende  ”Cyberwar”-Obsession in der Mainstream-Öffentlichkeit mal zum Schwerpunktthema fürs Chaos Communication Camp auserkoren – vielleicht mit einer Cyber-Abrüstungsinitiative des CCC und seiner internationalen Partner?

Wen das Weltraumfieber trotzdem nicht los läßt – dem seien hier noch die vielen weiteren nicht nur skurrilen, sondern vor allem faszinierenden Fotos aus Vincent Fourniers Fotozyklus SPACE PROJECT empfohlen. [4]

[1] CCCamp-Fahrplan: Hackers in Space – A Modest Proposal for the Next 23 Years
[2] SPIEGEL Online: Sommercamp des Chaos Computer Clubs – Hacker träumen von der Mondlandung
[3] PHUTURAMA: monochrom’s ISS über Berlin: Mehr Lokalisation wagen!]
[4] Flash-Portfolio-Website von Vincent Fournier

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“Reichsflugscheibchen” by Iron Sky? Chaos Communication Camp: Tag 2

Ganz die Mutter! Iron Sky-Mini-Walkyr als Filmrequisite im Luftfahrtmuseum Finowfurt? Das Chaos Communication Camp 2011 gewährt den Blick auf mannigfaltiges Raumfluggerät. Source: ironsky.net (oben) und mein iPhone (unten)

Die meisten werden schon von Iron Sky [1], dem für Frühjahr 2012 angekündigten crowdgefundeten Science Fiction-Filmprojekt aus Finnland gehört haben. Seit einigen Jahren macht das Fundraising-Team hierzu Propaganda mit zunehmend besser gemachten Teaserfilmen, aber auch Vorort-Promotions auf internationalen Filmfestivals – so z. B. zur Berlinale 2010 mit einer Party in der c-base – Raumstation unterhalb Berlin. [2]

Die politisch bewusst unkorrekt inszenierte Iron Sky-Exposition nimmt sich einer der liebst gewonnenen Verschwörungsmuster der esoterischen Rechten an, nachdem das letzte Aufgebot der Nazis sich 1945 im Angesicht des zu verlierenden Krieges erst in die Antarktis (“Neuschwabenland”) [3] und von dort entweder in die Hohlweltsphäre unserer Mutter Erde zurückgezogen haben oder aber alternativ von dort mit dem geheimen Wunderwaffen-Prototypen der raumtauglichen energiefeldbetriebenen ‘Reichsflugscheibe’ (aka Haunebu, Repulsine oder auch Andromeda-Projekt) [4] zum Mond ausgewandert sind. Ein taktischer Rückzug: nach Iron Sky nämlich werden die Nazis 2018 – wahrscheinlich in Angedenken des 100. Jahrestags des “Versailler Schandvertrags” der Siegermächte des 1. Weltkriegs – zurückkehren und mal Fraktur reden: “We come in Peace.”

Während ich noch unter dem Eindruck des gestrigen Starts des hacktivistischen Raumfahrtprogramms stand, bin ich beim Umherstreifen auf erste Anzeichen gestoßen, dass Iron Sky auch als Crowdsourcing-Programm bis weit in die Brandenburger Schorfheide vorgedrungen sein muss. Leider habe ich zu dem hier abgebildeten Filmmodell in einem der momentan nicht vom #CCCamp2011 genutzten Hangars noch keine weiteren Angaben zu dem “Reichsflugscheibchen” gefunden, das aber, wie oben zu sehen, perfekt mit dem großen Walkyr-Invasionsgerät des Films harmonieren würde.

Ich werde aber in den nächsten Tagen Erkundigungen einholen. Bis dahin hier noch der zweite von drei Iron Sky-Teasern, der die große Professionalisierung im Laufe des Projekts verdeutlicht:

UPDATE: So, Ingo Eberhardt (@oschni) [5] war so nett mich über die Filmrequisite aufzuklären: Die RTL-Eigenproduktion Undercover Love (Erstausstrahlung: 30. Dezember 2010) – eine Agentenfilm-Parodie – benötigte das Scheibchen für eine Verfolgungsjagd durch Berlin. Das von Iron Sky beeinflusste Nazi-Exploitation-Setting stand hier natürlich dennoch Pate. [6]

[1] Offizielle Website von Iron Sky
[2] c-base Logbucheintrag vom 12. Februar 2010
[3] WP: Unterpunkt zur Erforschung #Neuschwabenlands durch das Deutsche Reich
[4] WP: Reichsflugscheibe
[5] dem oschni sein blog
[6] MikroKopter-Forum: Weitere Fotos und Links hierzu

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“Holzklasse ins All?” Chaos Communication Camp 2011: Tag 1

"Laser auf Span (2011)" Meine risszeichnerische Interpretation des Innenlebens der CCCRocket-Ikone hat Frank Rieger mit dem Lasercutter der raumfahrtagentur in Span gebrannt. Das Signet selbst wurde von Marten Suhr für das CCCamp 1999 entworfen; 2003 das lebensgroße Modell dazu gebaut.

Die nächsten Tage bin ich auf dem Chaos Communication Camp [1] auf dem Gelände des Luftfahrtmuseums Finowfurt [2]untergekommen im weiträumigen c-base Village. Die Ankunft gestern an Tag 0 war nach Einbruch der Dunkelheit phantastisch, da die CCC-Orga mit ihren Helfern von Art Event eine Fusion-artige Atmosphäre hingezaubert hatten [3] – aber noch ganz still trotz schon gut gefüllter Campingareale. Das vierte CCCamp seit Altlandsberg 1999 knüpft an die Aufbruchstimmung von damals an – diesmal mit dem Aufruf an die internationale Hacker Community, den Weltraum nicht nur metaphorisch zu erobern.

Diese Auftaktveranstaltung samt des versuchten Agenda Setting zur ist semi-glücklich verlaufen. Ich glaube, mit einer ähnlichen auf drei nicht gleichermaßen perfekt frei englischsprachig Vortragende hätte auch JFK vor 50 Jahren Mühe gehabt, das Apollo-Programm zum Abheben zu bringen.

In einer Mischung aus 50-Jahre-Nostalgie und neuer ziviligesellschaftlicher wie privatwirtschaftlicher Initiative tut sich in Sachen Raumfahrt gerade eine Menge. Interessant auch, dass Tim Pritlove mit seiner Podcastreihe Raumzeit [4] für DLR & ESA gerade eine Menge Grundlagen unters Volk bringt – Tim, der maßgeblich die beiden Altlandsberger CCCamps als “Discordian Evangelist” initiiert hat.

Da ich zu der Zeit im c-base Outpost am Mariannenplatz 23 Tims Evangelisierung hautnah miterleben durfte, kenne ich den wie immer bei Tim langwierigen und kritischen Gestaltungsprozess, bis es c-base-Mitbegründer Marten Suhr (damals zur Designergruppe marplon4 gehörig) gelungen war, der inzwischen zur Ikone des Clubs gewordenen Rakete die richtige Knubbeligkeit, das korrekte Farbschema und den idealen Anflugwinkel zu verpassen.

Als begeisterter Zeuge des Prozesses habe ich dann Martens Outline genommen und mir eine quietschfidele Innenausstattung für die dazugehörige Risszeichnung ausgedacht, die dann auch im damaligen Camp Guide Aufnahme gefunden hat. Angelehnt war die 1999er-Campmission als Hommage an Douglas Adams The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy, die Rakete sollte im Auftrag der im Erdorbit kreisenden “turnschuhförmigen” Heart of Gold den Kontakt mit der der irdischen Hackergemeinde aufnehmen.

Um die Hintergrundlegende noch besser zu verdeutlichen, machte Marten Suhr auch noch ein damals Aufsehen erregendes kleines Promovideo The Rendezvous [5] (gefühlt Jahrzehnte vorm heutige üblichen YouTube-Embedding), an den der wiederum von Marten sowie c-base -3D-Artist e-Punk neue 2011er Camp-Trailer nach 12 Jahren Pause stilistisch nahtlos angeknüpft hat:

Für mich war die kleine Spaß-RZ zum Chaos Communication Camp 1999 eine tolle Übung, um bei Risszeichnungen, die ich zu der Zeit schon mit Freehand zu zeichnen begann, mal in Farbe zu versuchen. Es ist erstaunlich, wie schnell dies geht, wenn die grundsätzliche Anlage der Vektorobjekte darauf abgestellt ist.

Das habe ich auch umgekehrt gemerkt: Als Frank Rieger mich vor einiger Zeit gefragt hat, ob ich nicht einmal eine Risszeichnung vom auf der Raumfahrtagentur [6] im Stattbad Wedding stationierten Lasercutter brennen lassen wollte, dauerte die “Retroversion” auf eine Strichzeichnung der CCCRocket keine zwanzig Minuten. Nur bei der Aufbereitung der Vektordaten für den Lasercutter mussten wir dann letzte Woche einen Work-around machen, der zur Folge hatte, dass alle Pfadlinien jetzt doppelt vom Laser in die Holzspanplatte gebrannt wurden.

Damit sieht die gelaserte “Holzklasse”-Version der Rakete jetzt im Vergleich zu ihrer älteren, vektorglatten Schwester richtig geerdet aus.

[1] Offizielle CCCamp2011-Website des CCC
[2] Website des Luftfahrtmuseums Finowfurt
[3] Markus Beckedahl von netzpolitik.org hat hier einige Fotos von Tag 0 auf Flickr gestellt
[4] Raumzeit – Der Podcast über Raumfahrt von ESA und DLR
[5] Im Webarchiv des CCC sind einige Stills des CCCamp-Trailers von 1999 zu sehen.
[6] Die Raumfahrtagentur bei Hackerspaces.org

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“Wunschwirklichkeitsmaschinen in Ingolstadt” – Lamborghinis wahrer Star aber failt

Vor 40 Jahren: Der Urkeil. Marcello Gandinis unübertroffenes Meisterstück Countach LP500 in Ingolstadt. Nicht. (Quelle: Internet)

Übermorgen, Freitag den 29. Juli 2011 schließt im Audi-eigenen museum mobile in Ingolststadt eine interessante Sonderausstellung von elf Lamborghini-Designstudien und Prototypen aus knapp 40 Jahren Firmengeschichte. [1] Ich habe es leider nicht geschafft, da vorbei zu fahren, aber ein Bericht bei Classic Driver gibt einen guten Eindruck von “Wunschwirklichkeitsmaschinen”.[2]

Lamborghini, seit Ende der 1990er Jahre in Audi-Besitz, ist der “Incredible Hulk” unter den Exotenmarken. Geboren aus narzisstischer Kränkung des Traktorenfabrikanten Ferruccio Lamborghini über die Ignoranz Enzo Ferraris und dessen schlechten Kundendienst, ist Lamborghini eine einzige automobile Trotzreaktion wider die Vernunft. Ist das Cavallino Rampante das Markenzeichen des großen Konkurrenten aus Maranello, so musste es in Sant’Agata Bolognese schon ein Raging Bull sein, der den Hengst wutschnaubend auf die Hörner nimmt.

In Blech geformter Machismo, der bis weit in die Gegenwart eine gefühlt gänzlich halbseidene Kundschaft anzieht (schönes Beispiel damals ausss Berlin: Kevin “Prince” Boateng), aber vergessen läßt, dass dieser Machismo offenkundig selbst in höchstrationalisierten Audi-dominierten QMS-Produktionszeiten noch mit einer gehörigen Portion Masochismus auf Kundenseite einherzugehen hat. [3] Lamborghini Automobile S.p.A  selbst verkauft diese rüde Attitüde als “Italianitá”.

Aber Lamborghinis extremistischer Angriff auf den damaligen Sportwagen-Hochadel, nämlich Ferrari und Maserati, war nicht nur geprägt durch die Übernahme von im Rennsport schon üblichen Konstruktionsmerkmalen wie der V-12-Eigenentwicklung (durch den von Ferrari abgefallenen Giotto Bizzarini) oder die bis dato für straßenzugelassene Fahrzeuge ungewöhnliche Mittelmotorbauweise für den Miura [4], sondern spätestens mit diesem ersten Meisterstück von 1966 des bei Bertone arbeitenden jungen Marcello Gandinis auch für besonders radikale Designlösungen.

Verkörperte das Design des Miura die straßenzulassungstaugliche Verfeinerung der Mitte der 1960er-Jahre sich im Gran Turismo- wie im Prototypen-Rennsport etablierenden Konstruktionsprinzipien (z. B. der mehrfachen Le Mans-Siegerwagen vom Typ Ford GT40), so brach Gandini 1971 – nur fünf Jahre nach Premiere des bis dato konzeptionell konkurrenzlosen Miura – mit dem ersten oben abgebildeten Prototypen des Countach [5] alle, und nicht nur Lamborghinis bisherige Stierkampf-Namenskonventionen.

In der Geschichte des Automobildesigns ist dieser 1971er-Prototyp Countach LP500 wohl der “Urkeil” schlechthin, was ein wenig darüber hinweg täuscht, dass die Seitenlinie (auf dem Foto gut zu sehen) durchaus noch den sinnlichen Schwung der 1960er Jahre erahnen läßt. Unübertroffen allein deshalb, weil dieser Entwurf mit dem radikalen längsverbauten Mittelmotorchassis (zur erhöhen Stabilität um die Hochachse) und den ikonenhaften Schwenkflügeltüren Ausgangspunkt für eine ab 1974 gebaute straßenzugelassene Kleinserie wurde, die bis 1990 Bestand hatte und die gesamte Designsprache der Marke für die Ewigkeit determiniert hat. Ein zarter Versuch, noch einmal mit einem als Retrodesign erachteten Miura Concept des heutigen VW-Chefdesigners Walter de’Silva an die Vor-Countach-Ära anzuknüpfen, wurde konsequenterweise schnell wieder fallengelassen. [6]

Es gab radikalere und wildere Keile in den 1970er Jahren – von Marcello Gandini selbst, aber auch von Pininfarina und Giorgetto Giugaro (der den domestizierten Kantenstil mit Scirocco und Golf I in die norddeutsche Tiefebene exportierte). Aber dies waren alles reine Concept Cars und Designstudien ohne irgendeine realistische Serienoption: Alfa Romeo Carabo, Pininfarina Modulo, Maserati Boomerang, Lancia Stratos. Sie alle arbeiten sich am Vorbild Countach ab, ohne das Vorbild von vor vierzig Jahren weder einzuholen noch überbieten zu können – die Definition des Klassikers also schlechthin.

Der Längsschnitt verdeutlicht die radikalen Proportionen des Countach LP500, Quelle: countach.ch

Erste Fahrerprobungen mit dem 1971er-Prototypen machten aufgrund thermischer Probleme, aber auch veränderter Zulassungsvorschriften, insbesondere in den USA, umfängliche Veränderungen am Ur-Design notwendig. Die reine klare Linie des ersten Prototyps musste aufgeben werden zugunsten eines immer zerklüfteteren, immer monströseren futuristischeren Kampfgleiter-artigen Erscheinungsbilds, das den schmalen perfekten Grat des ersten Entwurfs zwischen Tradition und Purismus vollkommen “borgifiziert” hat.

Der Faszination der späteren Serienmodelle als feuchten Postertraum an den Wänden der Bräunungsstudien dieser Welt war dieses Brutalo-Design eines Dings wie aus einer anderen Welt nicht gerade abträglich.

Zurück zur Sonderausstellung “Wunschwirklichkeitsmaschinen” in Ingolstadt, die sich mit dem Touring-Einzelstück Flying Star II [7] zu Recht schmückt, aber den wahren Stammhalter der Lamborghini-DNA, den LP500, durch eine ein meinen Augen lächerliche “Replika” glauben Ersetzen zu müssen. Auf den bei Classic Driver ersichtlichen Fotos steht dort in Reihe mit dem Vorgänger Miura ein ebenfalls knallgelber Countach der ersten Serie (ersichtlich an dem Dacheinschnitt zum funktionslosen Periscopo-Minifenster, das beim LP500 darüberhinaus auch durch eine Dacherhöhung gekennzeichnet ist – auf dem Foto oben gut zu erkennen), dem man die seitlichen Lamellen des Prototypen anstelle der Serien-Kühlerkästen angetackert hat.[2]

Da machen es sich die Sonderausstellungsmacher aber einfach. Die Unterschiede zwischen dem 1971er LP500 und dem späterem Serienmodell LP400 (Longitudinale postiore, 4-Liter-V12) sind viel tiefergehender, als dass man sie mit ein wenig Rückbau kaschieren könnte: Der supercleane LP500-Urtyp besaß keine Kühlluftaustritte auf den – ja, was eigentlich? – hinteren Kotflügeln, Seiten- bzw. Dachflächen. Keine seitlichen NACA-Luftansaugstutzen mit integrierten Türöffnern. Die Fenstereinfassung des Prototypen geht in die von den in Wagenfarbe gehaltenen Lamellen maskierten Ansaugöffnung über, die Serie macht hier einen klaren Schnitt. Das Frontend von LP500 baut länger, die rudimentäre aluminiumfarbene Maquette eines Kühlergrills ist viel schmaler und muss keine Zusatzleuchten und Bremsbelüftungsführungen beherbergen. Selbst des LP500-Heck hat kleine, aber konstruktiv bedingt relevante Unterschiede zwischen Prototyp und Serie aufzuweisen. [8]

Allerdings, der hier als “Concorde Moment”(Top Gear’s Jeremy Clarkson) [9] gepriesene Prototyp von 1971 konnte in der Ingolstädter Sonderausstellung gar nicht präsentiert werden. Denn das gute Stück wurde als Entwicklungssträger in den Fahrerprobungen sukzessive mit den Borg-Aufbauten modifiziert und später für einen zulassungsbedingt unvermeidlichen Crashtest zerstört! Trotzdem: Im Werk steht der überlebende zweite, erst orangerote, später grün lackierte 1973er Countach-Prototyp [10], der der heutigen Mutter im Museum Mobile sicherlich gerne einmal zur Verfügung gestellt worden wäre.

Note to Audi bzw. Lamborghini Automobile S.p.A.: Baut eine echte Werksreplica des 1971er-Prototyps als fahrbereiten Ur-Meter des modernen Automobildesigns. Dafür würde ich auch nach Ingolstadt fahren!

[1] “Wunschwirklichkeitsmaschinen — Lamborghini-Designstudien im museum mobile” — Offizielle audi.de-Website mit lustlosem Text und ebensolchem Aufmacherbild
[2] Schöner Beitrag hingegen bei Classic Driver mit einigen guten Fotos von der Ausstellung
[3] YouTube-Video mit dem von einem unzufriedenen Kunden angestifteten öffentlichen Zerstörung seines Gallardo
[4] PHUTURAMA: Le Mans Concept – Lamborghinis wilder Colani-Mutant
[5] WP_it-Diskussionsseite zur Namensdebatte um “Countach” als angeblich obszönen Kraftausdruck im piemontesichen Dialekt
[6] WP: Miura Concept (2006)
[7] WP: Tourings Flying Star II
[8| J-Model Works: Ein Modellbau-Enthusiast hat das LP500-Replica-Projekt im Maßstab 1:24 schon gewagt
[9 YouTube-Video der Top Gear-Challenge, in der Jeremy Clarkson nach meiner Erinnerung den Begriff "Concorde Moment" fallen ließ (Ist aber auch so eine Empfehlung!)
[10] Viel Wissenswertes inklusive Bildmaterial bietet die Website des Countach QV #GLA12997-Eigners Patrick Mimran

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transmediale 2012 in/compatible Call of Duty

Markus Huber, Programme Manager der transmediale 2012 in/compatible hat über die rohrpost – die deutschsprachige zur Kultur digitaler Medien und Netze [1] einige schöne Sachen zu den laufenden Ausschreibungen und den Veränderungen geschrieben. Ich finde es gut, dass der vom jeweiligen tm-Themenschwerpunkt unabhängige Award wegfällt und damit alles fokussierter wird.

“Die nächste Festivalausgabe der transmediale wird vom 31. Januar bis zum 05. Februar 2012 unter dem Titel in/compatible im Haus der Kulturen der Welt in Berlin stattfinden.

Für das Festival 2012 wird es keinen allgemeinen transmediale Award mehr geben. Diese Änderung spiegelt unsere neue Art der Produktion des Festivals wider: Mit der frühen Aneignung der thematischen Herangehensweise zielen wir auf eine kuratorische Kohärenz zwischen den einzelnen Programmbereichen und wollen uns gleichzeitig direkter in der transmediale Community engagieren.

Mehr Informationen hierzu findest du unter:
Einsendeschluss: 31. August 2011

transmediale.12 thematische Ausschreibung:

Im konzeptuellen Rahmen von in/compatible sind wir auf der Suche nach künstlerischen Arbeiten und Projekten jeglichen Genres oder Formats, die sich entweder auf ausdrückliche oder subtile Weise mit der inkompatiblen Natur zeitgenössischer technologischer Kulturen beschäftigen. Wir erwarten von den Einreichungen, dass sie – anstatt die Lösung vorwegzunehmen – die ungelösten Spannungen innerhalb der translokalen Medienpraktiken und Systeme ansprechen, akzentuieren und sich darauf einlassen. Im Speziellen rufen wir auf zur Einreichung von Projekten, die uns dadurch überraschen, dass sie sich nicht einfügen bzw. nicht kompatibel sind.

Projekte, die für das Programm berücksichtigt werden, können sich auf folgende Schlüsselwörter und Bereiche beziehen:
Dissensual aesthetics, hacktivism, operating systems, speculative realisms, queer technologies, strange ontologies, displacements, ecologies, psychedelia(s), glitches, spam, media-archaeologies, technological obsolescence, haunted media, reverse remediations, the untimely, erotics, ambivalences, tools, law, anxieties, confusions, violence, obscurities, junk, addictions, restlessness, user-unfriendliness, destructions, attractions, surveillance, accidents, dysfunctionality, isolation, punk, feedback as distortion, surrealisms, aggressiveness, the uncommon, frustrations, spiritualities, risks, dubious calculations, psychosis, uneven structures, crimes.

Alle Informationen über das Konzept, das Bewerbungsverfahren und die Einreichungsbedingungen findest du hier:

Übrigens sind die Umbauten an der transmediale-Website jetzt auch erfolgt und die Videos zum PHUTURAMA-Symposium von der transmediale.10 jetzt wieder online. [2]

[1] rohrpost – Deutschsprachige Liste zur Kultur digitaler Medien und Netze
[2] www.transmediale.de/en/phuturama

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“Czarnobyl Mutation” at ATM Gallery, Berlin

Flyer of Czarnobyl's "Mutation" exhibition at ATM Gallery, Berlin.

Still on exhibition at ATM Gallery [1] till May 29, 2010 you can get a glimpse of a genuine East European phenomenon of ‘phuturismatic’ aesthetics that is deeply embossed by the 1986 catastrophic nuclear trauma of Chernobyl – even avant la lettre.

Polish urban artist Czarnobyl [2] work is rooted in a tradition which were broadly recognised by Western audiences through Andrei Tarkovsky’s famous 1979 movie masterpiece Stalker [3] which prophetically visualised the idea of a kind of Pre-Chernobyl forbidden Zone were an uncanny entity is establishing paranormal influence upon the chosen few who dare to break the boundaries and eventually reach the Room in the very heart of the prohibited area.

Although loosely based upon Roadside Picnic [4]– a short story of Arkady and Boris Strugatsky – which has a more generic science fiction approach to its matter, Tarkovsky’s movie has a strong dystopian attitude and in its contemporary reception it has been sometimes read then as a reference to the aftermath of the so called Tunguska Event [5] or other strictly classified, but unmistakeably man-made nuclear incidents in Soviet history before the Chernobyl hellfire break lose.

The later successful ego-shooter game series S.T.A.L.K.E.R.: Shadow of Chernobyl [6] borrowed key elements from both – the Strugatsky novel and the Tarkovsky movie and embossed positively a genuine ‘post-soviet’ style of game design and futurist envision which could be described by categories like heavily dark and grey dyed contrasts and a generally ‘wrecked’ and dystopian look and feel.

More interesting background information to this whole complex can be read at BLDGBLOG’s post “Ghosts of the Future: Borrowing Architecture from the Zone of Alienation” [7].

The artwork of polish born artist Czarnobyl fully fit into this scheme, but it seems he knows to over-exaggerate it to a degree where something unique is coming into play.

[1] Official ATM gallery web site
[2] Czarnobyl’s MySpace portfolio
[3] Wikipedia on Stalker
[4] Wikipedia on Roadside Picnic
[5] Wikipedia on the Tunguska Event
[6] Wikipedia on S.T.A.L.K.E.R.: Shadow of Chernobyl
[7] “Ghosts of the Future: Borrowing Architecture from the Zone of Alienation” by BLDGBLOG

Update: Today, May 25, 2010, 20:15 Franco-German high-brow culture TV channel ARTE brings the documentary Tschernobyl – Die Natur kehrt zurück (Chernobyl – Nature’s Turnig Back) (France, 2010, 90 mn) by Luc Riolon who focus on scientific observations from the Zone around the notorious havarist reactor cell. Reruns of this programme are scheduled for May 27, 2010 at 10:40 and June 15, 2010 at 01:05 – and don’t forget to use the web-based offer of a temporary archive service named ARTE+7.

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“iPhuturity?” – Futurologia and Russian Utopias at THE GARAGE – CENTER FOR CONTEMPORARY CULTURE, Moscow

An interesting announcement of two conjoint exhibitions [1] in the Moscow Garage CCC reached me: For all of you visiting Moscow until May 23, 2010,  this is a longer explannatory text sent to me, thanks  by Daria Beglova, PR Coordinator of THE GARAGE – CENTER FOR CONTEMPORARY CULTURE (– Gregor Sedlag):

Futurologia: '3G International' by Electroboutique (Aristarkh Chernyshev, Alexei Shulgin in collaboration with Roman Minaev),courtesy o the artists and private collection

The two exhibitions Futurologia and Russian Utopias at the Garage present two separate projects, differentiated by their concepts, selected artists and curatorial approaches. However, at the same time, the two exhibitions form a relationship with one another. The artists in both exhibitions present different projections of the future influenced by the past – the future through the prism of the past.

The Garage invited Hervé Mikaeloff to curate an exhibition of contemporary Russian art from a uniquely international perspective. Through the overall concept and chosen artists in Futurologia, Hervé has highlighted many current Russian preoccupations which are being explored by artists working today.  The concept inspired young and up and coming Garage curators Yulia Aksenova and Tatiana Volkova to comment from a Russian perspective with an independent exhibition – Russian Utopias.

Futurologia

The linkage between the great Russian avant-garde artists such as Malevich is strong and Hervé wanted to show this rich heritage alongside new, large scale contemporary work.  Over 100 years ago, the avant-garde artists imagined alternative models of the future through their work.  Initially, the artists labelled themselves ‘futurists’, the name Avant-garde came retrospectively.

The two paintings by Kazimir Malevich underpin this concept. Malevich, known for his almost messianic visions for the future, developed a Suprematist school of thought, which intended to build new future. This future was represented through geometric abstraction on Malevich’s canvases. Later on, Malevich moved to figurative style of painting, where faceless peasants were meant to represent the new generation. Futurologia exhibits two paintings, each representing these styles, and sets out to explore both abstraction and figuration in Russian contemporary art.

Therefore, the exhibition has two sections – Science and Fiction which explores abstraction and Change and Permanence which references figuration.  This formalistic curatorial approach reveals how different artists respond to contemporary society either through abstract or figurative means. It also echoes the two directions of Malevich’s oeuvre, while posing questions on how these two approaches forecast or imagine a future relevant to Russian everyday reality.

It highlights the way the legacy of avant-garde has played a critical role in the formation of Russian contemporary art, as artists in the exhibition return to it through re-assessment and analysis, borrowing its visual language and interpreting the ideas in a contemporary context.

The two different sections of the exhibition explore some uneasy projections for the future. As the section titles imply, the artists interpretations vary from the definitive assertions of ‘science’ or ‘permanence’ to the vague ‘fiction’ and ‘change’.  This suggests a re-assessment of the past and its failures, including the failures of the avant-garde’s futuristic projections, coupled with their investigation of the contemporary society.

Hervé’s seemingly formal division of the exhibition into abstraction and figuration underpins deeper considerations for why these artists have decided to use such approaches for imaging the future.  The exhibition acts in conversation with Russian Utopias, showing both French and Russian approaches to curating Russian art.

Russian Utopias

Russian Utopias focuses only on the theme of Utopia, and the curators have shown works by both established and emerging artists spanning the last 20 years, it includes existing work and newly commissioned work.  The exhibition demonstrates how the concept of utopia has evolved over time, and has been subject to radically different interpretations from being regarded as an archaeological monument to acting as a vehicle to imagine an alternative future. By tracing the development of these ideas in contemporary art, the exhibition explores how utopian ideals and dreams are an important part of the Russian character and society today as much as the past.

The avant-garde was not only an artistic movement, but also a philosophical one which aimed to construct an alternative and ideal future to cope with everyday reality.  By exploring Utopia as a desire for the ideal, the curators seek to unveil the difference between the desired and the actual reality, as an aspect of human nature.

The exhibition is divided into two parts, the first focuses on the past, the second on the future. These two sections will be shown at different times through a re-hanging of the work part way through the exhibition.

The artists in the first section of the exhibition Tributes On the ruins of Great Utopias, explore the notion of an ideal world, the transformative influence of the Soviet Project and the Project’s legacy in contemporary Russia. The artists provide a very different presentation of utopia, presenting it as a myth which needs to be destroyed; or as a trauma, in which the collective is merged with individual experience; or as a vehicle for retrospective imagination.

The artists in the second section Future from Here, use utopian rhetoric to create alternative models of the future. The models vary from hi-tech futuristic representations of the city scapes or bio-technological achievements to negative, dystopian, outlooks. Other projections take various forms including escape, dream and paradise.

[1] THE GARAGE – CENTER FOR CONTEMPORARY CULTURE

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“PIP My Ride!” Why Porsche’s 918 Spyder is a Bold Move into Car Industry’s Future

The '21st Century Porsche' – hopefully they don't put a James Dean avatar into its future-proof cockpit, courtesy Dr. Ing. h. c. F. Porsche AG

There is a saying that, on a medium turn basis, any car manufacturer in crisis could achieve a turn-around just by offering great cars. The Dr. Ing. h. c. F. Porsche AG was a manufacturer in crisis – until Monday evening, March 1, 2010, when the by now tenth Volkswagen sub-brand presented its concept study 918 Spyder [1] which rocked the traditional VW band wagon press event on the eve of the opening of the 80th Geneva International Motor Show. [2]

After nearly twenty years of ongoing success – predominately under the aegis of former CEO Wendelin Wiedeking – Porsche had lost its track and permutated into a presumptuous hedge fonds monster that aimed to acquire and lastly failed to consolidate the factor 10 bigger VW group. This was the final hybris as the result of a remarkable turn-around which started 1989 with the cut of the production-ready 4-door sports-sedan 989 in favour to just focus on the brand’s iconic 911 sports car and to phase-out all the other semi-fortunate front-engined models from the 1970s like the 944 respectively 968 series as well as the fat cat V8-powered 928 Gran Tourisme coupé.

A die-hard 911-only production line-up saved Porsche as a independent manufacturer in the beginning of the 1990s and let the company earn enough money to leap forward into modern automotive industry’s production realms and to finally – after nearly 35 years of production and continuous evolution – establish a new sports car platform that premiered with the mid-engined Porsche 986 Boxster in 1996 and the 1997 launch of the even more crucial rear-engined 911 Carrera successor 997. Both cars brought water-cooled boxer engines to the sports car range, extricated Porsche’s core product from the 1937 VW Beetle heritage without diluting the brand’s unique technological identity as the Audi-bred 924 range did twenty years ago.

The Cayenne Was a Spicy Sales Turbo

The next big step of “Wiedeking Midas” was the invention of a the spicy Cayenne SUV series, a class so different from the common Porsche sports car range that even the die-hardest amongst the Porsche afficionados could live and drive with it because of its sheer practicability. Brand loyalty wasn’t longer an act of self-asceticism or of – even worse – domestic violence against wife and children. Social acceptance eventually was an issue – the Cayenne was more a mighty utility vehicle than a Porsche-typical sports car targeted to please even the SUV-mad North-American market. Besides the more than careless fuel consumption it was the somewhat plump and blown-up design that endangered the company’s broadly accepted reputation.

Nonetheless the Cayenne was a success story and broadened the road for Porsche to be more than just a one-trick-pony. And the Cayenne’s mid-term face-lift resulted in a subtle, but effective design change that added a sort of Italian elegance to the big bold 4WD SUV ogre – in the meantime accused by many as one of the main causes of climate change. The second big step in the Wiedeking era almost risked to fail in the turmoils of the financial crisis and the on-going merger and acquisition battles in 2008 and 2009. It was the launch of a new model series that re-interpreted the 989 attempt twenty years ago which almost had killed the company: the 4-door Panamera sports sedan.

Panamera Is Not a Hand Lotion

Some say that that there were rarely a worse moment to launch the wrong car with a crippled marketing name. “Panamera” is an invention of “labeling czar” Gotta, is derivative of the prestigious Mexican Carrera Panamericana rally raid that inspired Zuffenhausen’s name finding from the early victorious heydays on. Probably the marketing guys didn’t like the full name not only because it were too long to get attached to the car’s wide stern, but to not stir up Anti-American affections amongst Porsche’s important Middle-East customer base in Saudi-Arabia and the Emirates.

The car is in its tiny market niche – you could mention the Maserati Quattroporte, the Aston Martin Rapide and the Mercedes-Benz CLS in AMG version – technologically a class of its own and delivers more sports car feeling than the competitors. But, similar to the Cayenne’s original design, it doesn’t look so Porsche-like than it should. In favour to rise the greenhouse’s capacity at the backseat row they spoiled the sporty 911-inspired line and created a more than bulky back-end. Following the example of the first Cayenne generation, we will hopefully see a more audacious mid-term face-lift that will vamp up the car towards the designers’ initial ideas.

And by the way, the latest 911 Carrera 998 face-lift wasn’t the brand mover than the fans would have expected. Even dedicated Porsche enthusiasts would have problems to indicate immediately in the wild if there was the new 998 instead of the six-year old predecessor in front of them. In the end the only fascinating activity – aside rocking the stock markets and forcing well-established, but mis-speculating entrepreneurs into suicide – was the opening of the Stuttgart-based new Porsche Museum. A spectacular architectural sculpture that above all seems to communicate how shallow the company’s car design has become in the meantime.

So, Porsche Really Has Got a Problem

Coming back to the initial statement of this post, that any car manufacturer could solve his business problems by just inventing great cars, Porsche seems to have learned the lesson that suicide because of facing death is not an option. The March 1, 2010, presented 918 Spyder is a bold move not only for Porsche, but for the entire car industry. It shows that the invention of new ‘green’ technology must be part of a top-down strategy, instead of bottom-up. Elitist high-tech solutions – albeit environmentally enlightened or just performance-driven  – are a primarily moment for automotive fascination and they will sparkle innovations in the standard models. For the Porsche brand itself the 918 Spyder is crucial because the company is coming on a par with its two major Italian competitors again to define the sports car’s cutting edge. Ferrari really made tremendous progresses in technology, reliability and over-all sophistication without losing its traditional fascination as the most desirable brand and the VW-owned Lamborghini, backed up by the concern’s enormous technological and business capacities, could establish a stance as a more than purely exotic and outrageous testosterone-driven fashion statement.

Porsche 918 Spyder – The Overall Package

Although I would have liked to see a closed-cabin coupé instead of another Spyder after the 918′s super car predecessor Carrera GT there is some race-bred marketing logic in this decision. First of all, the Carrera GT was a success in the high-market super car segment and it results in a sort of sound business logic to not give-up a well established market position. Secondly, Ferrari’s contemporary counterpart of the GT was an uncompromising thoroughbred Formula-1 inspired race coupé, the Ferrari Enzo Ferrari, whereas the Carerra was the even better race track performer by also providing boulevard cruising capability for the extroverted gentleman driver. Thirdly, package-wise, the 918 Spyder draws inspiration from Porsche’s current very successful Le Mans Prototype Class 2 RS Spyder which brings in real race credibility to the new concept study which consensually won’t remain a study. Hopefully the production car remains it stunning compact dimensions. Size does matter in the super car league, but often to impose a certain will for supremacy against practicability.

Forget the Toyota Prius – Green Technology Is Ready to Race

These are the most important facts of the 918′s plug-in hybrid powertrain, called PIP – Porsche Intelligent Performance: A 500-horsepower gasoline V8 with 4,6 litre capacity – a derivative of the LMP2 RS Spyder engine (?) – supported by three electric motors, in front and rear axles as well as  integrated in the gear’s double-clutch, delivering a surplus of 216 zero-emission horsepowers. Porsche claims to move the car with a carbon footprint of only 70g/km in economy mode and to provide a consolidated fuel consumption of only 3,0 litre per hundred kilometers. These are fable figures for a 700-plus-horsepower super car. It indicates a complete paradigm shift in automotive culture. You like to go buying your breakfast Brötchen by car? As the owner of a super car this wasn’t a good idea until now. When returning home the Brötchen still might be kept warm from the oven, your engine wasn’t definitely not yet. With a 918 Spyder freshly charged up in your garage overnight and good for 25 kilometers you could roll in E-Drive mode to your favorite bakery – sneaking silently and smoothly in a stealth mode. What a show – without any roar!

But the electrical engines are not only good for urban stealth mode in 30 km/h speed limited zones, they are supporting the race-bred high revving engine with low-end torque when needed to cope with the vernacular power diesel Kombi in everyday Autobahn traffic (Hybrid mode) or to deliver the jet-like afterburner extra-punch when really getting serious with the car in Sport or Race Hybrid mode, latter on track preferably. These are new dimensions in super car abilities and even when these features appear at first in the absolute high end of the premium car segment (400,000 EUR and more), it is good news, because these power features will hit the shelves of the standard production car segments for the rest of us until 2020, latest.

It was high time for Porsche to set standards and front running this new technological era. Ferrari is going to launch hybrid-mode super cars like the 599 GTB Fiorano HGTE or the Enzo successing code-named F70. And not to forget the small, but pioneering small e-vehicle boutiques like Tesla or Fisker. Porsche, now, is delivering a complete package satisfying all the desires that you would associate with hybrid powertrains: A comprehensible stand-alone zero-emission E-Drive mode for urban and inner city environments, a plug-in rechargeable battery system and uncompromising performance figures through electrical support in the sports car program specifications. [3]

Re-Vamping the Porsche Style

Last, but not least, the design of the Porsche 918 Spyder is a revelation after the above moaned style flaws and lacks of attitude in the entire model range. First of all, ‘biorganic’ retro-design is dead! More than fifteen years Porsche celebrated their back-to-the-roots design festival, but lost contact to the contemporary “new edge” design language paradigm. The 918 is unmistakably Porsche, but its front lights derive from rectangular basics, its overall shape in no longer a blown-up 365 plumper style, but an athletically defined, techno-futuristic machine that is breathing race flair and is transpirating mesmerising electrical agility.

The front-end incorporates integrated spoiler-like cooling vents intersecting with a sculptured snood that is deeply ducked to the ground. It is a familiar Porsche face, but it is a futuristic re-interpretation which in a complementary way focus the aggressive shape of the lower underbody carbon fibre air intake. The mid-body is waisted in favour of further lateral air and cooling intakes which are wrapping the wider rear end with a sharp spoiler-attached stern. The rear lights graphic is clean and aggressively looking, the complete contrary of the Daliesque and obviously Kia-inspired shapes of the new Cayenne’s ones. The engine hood with its two characteristic bulges and central air vent looks so technologically extroverted in comparison to the 918 predecessing Carrera GT.

The cockpit and dashboard also reclaim to provide a big step forward for Porsche’s often criticised and kind of inappropriate interior design. It provokes in me the feeling it could set you in control of a deeply sophisticated, highly evolved technological system instead of just a car. After years and years of whimsically intersected gauges the first time we can see that this nonsense comes to an end: They are just slightly visually overlapping because the instruments are housing in separately arranged stand-alone shells.

Whatever Porsche is planning with a possible production run of its latest Geneva hit, more relevant is, even it remained only a design exercise, the 918 Spyder  is opening a lot of promising options for the upcoming 911 and Boxster/Cayman generations to regain the meanwhile  sporadically bored and yawning audience for Porsche again. And you will see how many Hollywood celebrities will escape their Toyota Prius or even Tesla roadsters fast to drive a really electrifying Porsche super car. We should applaud them when changing to the better.

[1] Dr. Ing. h. c. F. Porsche AG Corporate Website Linked to 918 Spyder Webspecial
[2] Official Website of the 80th Geneva International Motor Show
[3 Porsche's Press Release in English Language with Lots of In-Depths Technical Specifications

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“White Noise – and Beyond the Infinite!”

To Infinity – and Beyond! Buzz Lightyear abused my iPhone to post this pic of Žilvinas Kempinas' 'White Noise'

The transmediale.10 exhibition Future Obscura [1] – curated by Honor Hager –  presented artworks that use the materials, mechanisms and machines of image-making to illuminate and define our relationship with atemporality – the collision of past, present and future.

One of my favorites artworks in this exhibition was a quite simple, but aesthetically very effective installation by Žilvinas Kempinas, born 1969 in Lithuania who lives and works now in New York. [2] He uses unspooled videotape and electric fans to conjure transfixing visual conundrums such as Flying Tape (2004), which levitated a room-size loop of video tape on the air currents from a circle of fans; and White Noise (2007), which recreated a monumental kinetic screen of “weißem Rauschen”  on the gallery wall. [3]

In the FUTURITY NOW! context it is the work’s stunning force of attraction – cleverly arranged as the single work in a separate room at the HKW – that appealed to me the most  and lured me to getting absorbed by the infinitely buzzing environment.

Quite similar to Dr. David Bowman’s voyage through the 2001 – A Space Odysse’s “Star Gate” you are encountering the vertigo of the racing at great speed across vast distances of space aware to dive into eternity. It’s my second personal reminiscence [4] to Stanley Kubrick’s groundbreaking moving picture in the transmediale.10 context and it says  a lot  about Future Obscura’s definition of atemporality: 2001 defined an image of the future which won’t disappear into the white noise.

[1] transmediale.10 Exhibition Future Obcura
[2] Wikipeda on Žilvinas Kempinas
[3] transmediale.10 Installation White Noise
[4[ PHUTURAMA post on Félix Luque Sánchez’ Chapter I – The Discovery

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2010 – A Platonic Solid Meets »KuBrick« at Transmediale

In our mental 2010 movie, this time the earthlings could have pampered the alien entity from beyond (courtesy Other Sounds)

2010 – The Year We Make Contact by Peter Hyams was the 1984 sequel to Stanley Kubrick’s groundbreaking 2001: A Space Odyssee – both movies based on novels by British writer Arthur C. Clarke –, but it was an epic fail and an inexcusable offense against any audience attracted to a further exploitation of the by then and till now peerless as well as untouchable monolith of science fiction cinema.

But now there is a new hope for Berlin: 2010 is the year, we make contact with the condign successor of the mysterious black “KuBrick” – which seems meanwhile to be regarded as the cinematographic set design’s equivalent to Malevich’s Black Square. [1]

Its shape aims to be one of the five Platonic solids, the Dodecahedron, it is black as well, but it is communicating with us not only by sound, yet by his light emitting edges. It’s this year’s transmediale.10 Award nominee Félix Luque Sánchez’ Chapter I – The Discovery. [2]

More then the sheer object on display at the Instituto Cervantes Berlin during transmediale.10 [3], there are the few, but distinguished video sequences that loop the fictitious discovery of the dodecahedronic anomaly in strange, but beautifully sorted environments. The video stills of Sánchez’ footage – with support of Iñigo Bilbao (3D videos) and Nicolás Torres (video camera) provide the impact of the forever missing 2010 movie Stanley Kubrick never wanted or dared to realise and we all dream of like the Star Child in the final sequence of the original Space Odyssee.

[1] Wikipedia image of Kasimir Malevich’s Black Square
[2] Félix Luque Sánchez’ Website Other Sounds
[3] transmediale.10 Award Nominee Chapter I – The Discovery

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