DIE LIGA DER INTERNET-SCHURKEN

Ein Superschurken- bzw. Superhelden-Comic braucht vor allem Farbe!

Vor drei Jahren habe ich meine erste komplett abgeschlossene Comic-Geschichte veröffentlichen können – DIE LIGA DER INTERNET-SCHURKEN. Ermöglicht im Auftrag der Digitalen Gesellschaft e. V. [1] und auf das besondere Engagement von Markus Beckedahl [2] hin. Auslöser waren die Anti-ACTA-Proteste im Jahre 2012 und eine Idee von Sascha Lobo.[3]

Im Frühsommer 2012 war das Scheitern von ACTA im Europäischen Parlament noch nicht ausgemacht gewesen. Die Netzaktivisten in und um die Digiges herum suchten nach Wegen und Möglichkeiten ihren Protest wirksam zu kommunizieren. Sascha Lobo riet, die Kräfte hinter solch intransparenten internationalen Vereinbarungen wie ACTA – oder aktuell TTIP – in Form von ›Superschurken‹ wie aus US-Superheldencomics zu personifizieren und zu diskreditieren. Auf der Suche nach jemanden, der in diesem Stil etwas entwerfen und umsetzen könnte, hat Markus Beckedahl mich dann angefragt.

Und nicht nur ein »ACTA-MAN« war gewünscht – eine ganze LIGA DER INTERNET-SCHURKEN sollte es sein! Am Ende wurden es der panzerköpfige AGENT A.C.T.A., der schimärenhafte TROY als Alias des »Bundestrojaners«, die nano-begabte DEEP PACKET INTRUDER, ein Gedanken lesender und manipulierender ZENSOR, ein Abmahnanwalt und Patent-Troll namens LAWSUIT LIZARD und ANTI-NEUTRON, die ›Nemesis der Netzneutralität‹ als Ausgeburt eines komplett kontrollsüchtigen und unfreien Internets. Darüber schwebte als klandestine PRISM-förmige – es ist Juni 2012! – eine Überwachungsinstanz namens ALL-SEEYING EYE als Verkörperung eines alles durchdringenden Überwachungsstaates.

»Ladies and Gentlemen, here's THE LEAGUE OF INTERNET VILLAINS!«

Mir aber fehlte etwas. Ein Superhelden-Universum, bevölkert nur von Superschurken, dieses Narrativ funktioniert nicht. Es braucht auch Helden, die sich den Superschurken entgegen stellen und mit deren Kämpfen wir mitfiebern. So schlug ich eine Verteidigerin der Freiheit und alle positiven Energien und Emotionen bündelnde INIT vor und stellte ihr den ninja-artigen DÆMON, einen über Myriaden autarker Prozesse verfügenden ›Uber-Hacker‹ zur Seite. Beide zusammen sollten sie die netzpolitisch ›helle‹ als auch die hacktivistisch ›dunkle Seite‹ der Netzgemeinde™ verkörpern.

Doch dann wies das Europäische Parlament am 4. Juli 2012 das Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA) mit großer Mehrheit ab. Die INTERNET-SCHURKEN wurden als Agit-Prop-Protagonisten für den Moment nicht mehr gebraucht.

Doch ich hatte die von mir entwickelten und zum Teil schon ausgestalteten Figuren so lieb gewonnen, dass ich Markus Beckedahl eine Idee für eine Comic-Geschichte mit den Figuren vorschlug, die als Origin Story den Big Bang dieses Helden- bzw. Schurkenkosmos fungieren könnte. Als Digiges-Adventskalender wurde diese Geschichte dann häppchenweise vor drei Jahren veröffentlicht. Zum 29. Chaos Communication Congress, der in leicht camouflierter Form in der Geschichte vom Ursprung der LIGA DER INTERNET-SCHURKEN eine Rolle spielt, wurde eine kleine Piccolo-Heftausgabe mit Weihnachtsmotiv gedruckt. Später habe ich noch einmal eine De-Luxe-Version mit neuem Farbcover für die re:publica 2013 erstellt, die letztes Jahr zum 31C3 durch die Unterstützung von von freifunk.net und dem CCC wieder aufgelegt worden ist – in Deutsch und Englisch (Übersetzung: Andrea Jonjic & Linnea Riensberg).

THE LEAGUE OF INTERNET VILLAINS bzw. DIE LIGA DER INTERNET-SCHURKEN mit DÆMON und INIT auf dem Frontcover ; De-Luxe-Version courtesy freifunk.net und Chaos Computer Club e. V. 2014

Natürlich ist die Geschichte, die die Geburt von mindestens elf Superwesen beschreiben will, arg holprig zusammen gestückelt und wesentliche Handlungsstränge sind Insider-Gags aus dem Umfeld der DDD, der »Digitalen Diskordischen Datenreisenden«, aber in Farbe kommt das Ganze dem schon nahe, was ich mir ursprünglich vorgestellt hatte.

Deshalb habe ich die Einladung anfang dieses Jahres durch die Mit-Organisatorin Monic Meisel zur kleinen, feinen Hamburger Interface-Design-Konferenz »Raumschiff Erde« (RSE) [4] gerne genutzt, drei der meines Erachtens gelungensten Seiten von DIE LIGA DER INTERNET-SCHURKEN in einer Farbvariante und in Postergröße zu präsentieren. Die drei Poster hängen im Moment als Leihgabe im Wahlkreisbüro der beiden Mitglieder des Abgeordnetenhauses Berlin Pavel Mayer und Christopher Lauer in der Choriner Straße 51 (zu besichtigen donnerstags zwischen 13 und 16 Uhr). [5]

HiRes-PDFs von DIE LIGA DER INTERNET-SCHURKEN [6] bzw. THE LEAGUE OF INTERNET-VILLAINS [7] findet ihr bei mir in der Dropbox zum Download. Vorgestellt habe ich das Comic 2012 beim monatlichen Digiges-Abend in der c-base Berlin im Dezember 2012 [8]; im Juli 2013 habe ich noch einmal unter dem frischen Eindruck der Snowden-Enthüllungen dargelegt [9], welche Abhör-Kapazitäten ich mir für die Comic-Geschichte ausgedacht hatte und inwieweit sie schon von der Realität der Geheimdienste überholt gewesen sind.

Herzlichen Dank an alle, die bei der LIGA DER INTERNET-SCHURKEN mitgeholfen haben.

[1] Digitale Gesellschaft e. V.
[2] Wikipedia: Markus Beckedahl
[3] Sascha Lobo – Autor, Vortragsredner, Internet
[4] #RSE15 – Raumschiff Erde »Don’t Panic!«
[5] Abgeordnete vor Ort – Büro der Mitglieder im Abgeordnetenhaus von Berlin Christopher Lauer und Pavel Mayer
[6] Download: DIE LIGA DER INTERNET-SCHURKEN (PDF, 32,6 MB)
[7] Download: THE LEAGUE OF INTERNET VILLAINS (PDF, 34,9 MB)
[8] Video-Mitschnitt des Netzpolitischen Abends der Digiges vom 4. Dezember 2012 (ab Min. 50:10)
[9] Video-Mitschnitte vom 16. Netzpolitischen Abend der Digiges vom 3. September 2013 (4. Video)

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2 Responses to “DIE LIGA DER INTERNET-SCHURKEN”

  1. Harald Brosi Says:

    Sehr geehrter Her Sedlag,

    gerne würde ich mir die Liga der Internetschurken ansehen. Der link funktioniert leider nicht. Bitte übersenden Sie mir einen, gerne auch kostenpflichtigen, Link.

    MFG

    Harald Brosi

  2. Gregor Sedlag Says:

    Danke für den Hinweis. Der Link in der PHUTURAMA-Seitenleiste ist tatsächlich im Moment down. Im Beitrag selbst sollte der Dropbox-Link aber funktionieren. Werde das aber noch einmal überprüfen.

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