"Wie viel Nazi steckt in Dir?" Crowdfinde es heraus mit Iron Sky, der "Dark Science Fiction Comedy" von Timo Vuorensola, Photo courtesy Berlinale 2012
Die finnisch-deutsch-australische “Dark Science Fiction Comedy” Iron Sky ist das Posterchild der noch jungen Crowdsourcing-Branche. Insbesondere in den nerd- und geek-affinen Kreisen wurde die Persiflage auf bestehende Verschwörungsszenarien um ein zur dunklen, ewig der Erde abgewandten Seite des Mondes geflohenes letztes Aufgebot der Nazis mit leicht gruselig-verbotenem Enthusiasmus aufgenommen.
Welche Faszination üben die Nazis und ihr kulturelles Erbe überhaupt auf die Science-Fiction-affinen Netz-, Nerd- und Geekkulturen aus? Anders als andere totalitäre Herrschaftssysteme ist die NS-Ideologie mit ihrem systematisch in die Tat gesetzten Holocaust gegen die europäischen Juden und anderer als “lebensunwert” betrachteter Gruppen auf der Achse des Bösen ein singuläres Phänomen geblieben. Aber damit ein überzeitlicher Referenzpunkt für zivilisatorische Abgründe schlechthin.
Schon der ersten Generation der damals noch ganz jungen, meist aus New Yorker jüdischen Verhältnissen stammenden Superhelden-Comicschöpfer hatte sich aufgrund der Erfahrungen der in die USA geflohenen europäischen Verwandtschaft in den 30er Jahren das NS-Regime als das logische Raison d’être für ihre Heldengeschichten aufgedrängt. Marvels frühe “Golden Age”-Superhelden kämpften damit propagandistisch vor allem an der Heimatfront, um den isolationistisch geprägten und auch nicht gerade von antisemitischen Ressentiments freien WASP-Mainstream für einen Kriegseintritt der USA gegen Nazi-Deutschland zu gewinnen.
Die zeichnersiche Mœbius-Scott-Connection hier gezeigt: Ridley Scotts Zeichnungen aus dem klassischen "Blade Runner Sketchbook" von 1982. Und ja, bemühte Headline ist bemüht.
Letztens [1]habe ich in Zusammenhang mit dem aufziehenden Werbebuzz [2] um Ridley Scotts PROMETHEUS, dem – ja, was nun? – Prequel von Alien, auf die Verbindung zwischen dem großen Mœbius und Scott hingewiesen, die eben auch eine künstlerische ist.
Ridley Scott, dessen Ausbildung auch Design umfasst [3] und damit notwendigerweise einiges zeichnerische Geschick, nutzte dieses auch zur Visualisierung seiner eigener Ideen – hier oben zu sehen für Blade Runner. Diese Sketches zeigen nicht nur die unstrittigen Referenzen auf Fritz Langs Metropolis [4], sondern auch den besonderen stilistische Einfluss Mœbius’ auf Scotts visuelle Handschrift.
Lustig auch, wenn man von einem Blog-Giganten wie nerdcore dazu motiviert wird, doch mal wieder in die eigenen Bücherregale zu schauen, wo seit beinahe dreißig Jahren das Blade Runner Sketchbook[5] steht. Die beiden Skizzen oben habe ich mal schnell per iPhone von meinem eigenen Exemplar abgelichtet.
Die bei @nerdcoreblog dort verlinkte Issuu-Webversion dieses inspirierenden Klassikers der Concept Art habe ich hier gleich mal mit eingebettet:
EXCALIBUR und Mini-RZ-Mash-up als Generationenprojekt? Diese zwei Rudig-RZs trennen 30 Jahre nicht.
Knapp ein halbes Jahr ist es her, dass auf dem PERRY RHODAN-WeltCon Jürgen Rudig als Überraschungsgast auf der Bühne des Panels “Space Design” – Die Risszeichner und ihr Bild vom Perryversum[1] saß und einiges vom Werdegang eines RZ-Avantgardisten erzählte. Auch nach dem WeltCon ist der Kontakt nicht abgebrochen. Und was ich insgeheim erhofft hatte, ist auch eingetreten: Jürgen Rudig hat nach 30 Jahren “Kreativpause” wieder mit dem Risszeichnen begonnen!
Für die Präsentation zum “Space Design”-Panel hatte Jürgen mir ein relativ unscharfes Digitalfoto einer seiner damals nicht verschwundenen oder zerstörten unveröffentlichten Risszeichnungen geschickt – als weltexklusives Schmankerl dem Anlass angemessen: Die RZ der EXCALIBUR, die in irgendeiner Kiste die 80er, 90er und die Jahrtausendwende überlebt hatte!
Für mich war die EXCALIBUR allerdings ein kaum erhofftes Wiedersehen. Denn ich kannte diese RZ noch aus einem Vorstadium ohne Fond und ohne die starken Kontrastierungen, die Jürgen in Anlehnung an seine letzte veröffentlichte Auftragsarbeit bei PERRY RHODAN, das Raumschiff der Namenlosen (PR 1123) [2], gesetzt hat. Nachhaltig beeindruckt hatte mich diese Arbeit beim Risszeichner-Treffen bei Willi Voltz in Heusenstamm im Oktober 1982. Ihr visueller Stil war zu dieser Zeit noch eher eine konsequente Weiterentwicklung des Siganesischer Spezialkreuzer der USO (PR-Magazin 4/1980-Poster) [3] bzw. der hochartifiziellen ‘mœbiuesken’ Innenillustrationen der Willi-Voltz-Fortsetzungsgeschichte Das Weltraumteam[4] (als Supplement im PR-Magazin).
Selbst wenn ihr euch in die obige Abbildung in der hochauflösenden Version gebt, werdet ihr den unglaublich detaillierten Reichtum dieser RZ eher nur erahnen können. Ohne die heutige starke Kontrastierung wirkte die EXCALIBUR damals auf den ersten Blick eher wie eine abstrakte Textur. Erst langsam wurde ich von den Formen und Details in diese Zeichnung hineingezogen. Ich habe den damaligen am Treffen teilnehmenden Redaktionsleiter (und heutigen VPM-Verlagsleiter) Walter A. Fuchs noch im Ohr, dem dies für eine Risszeichnung zu weit ging. Für mich fing es hier erst an.
Cover der Mediascene Ausgabe Januar/Februar 1979, mit einer Farbversion von Moebius’ berühmten Concept Art zu Ridley Scotts Alien. (Quelle: quenched consciousness)
Dreißig Jahre nach Blade Runner kehrt Ridley Scott wieder zur Science-Fiction zurück. Während seine Adaption der Philip K. Dick-Erzählung Träumen Androiden von Elektrischen Schafen ein “Schläfer” blieb, der erst über die Jahrzehnte und diverse Final Cuts und Redux-Versionen zu dem unangefochtenen visuellen Vorbild des hyperurbanen Cyperpunk-Genres heranreifte, war Scotts Alien von 1979 der Startschuss für eines der emblematischsten und klebrig-schleimigsten Hollywood-Franchises, das sich in diversen Exploitations-Iterationen und Crossovers Unsterblichkeit errungen hat.
Die Nachrichtenlage zu Prometheus – Dunkle Zeichen[1] ist im Moment unklar, ob es sich bei dem neuen Film um ein klassisches Prequel zur Alien-Reihe handelt. Zumindest der Trailer gibt klare visuelle Hinweise, die auf mehr hinauslaufen als ein loses shared universe.
Ich empfange auch gerade ein wie auch immer motivierten Buzz über die diversen in diesen Tagen öffentlich gemachten Teaser und Trailer, der auf das nächste Big Thing in Science Fiction seit zumindest Avatar[2] hinauslaufen soll – und den Epic Fail von Disneys John Carter[3] als ideales Kontrastmittel zu nutzen scheint.
Aber irgendwie bin ich misstrauisch, was das bisher bereitgestellte in Stills und Bewegtbild anbelangt. Ich habe das Gefühl, dass da zum Teil noch Pre-Production Animatics hinterschnitten sind, die für eine In-Game-Capture auf Crytek-Niveau okay wären, aber nicht für einen Ridley Scott-Film.
Darüberhinaus ist das in den Ausschnitten zu sehende finale Production Design stilistisch etwas heterogen – ein Best of Cobb, Foss, Gieger und natürlich Moebius. Es gibt klar zuzuordnende visuelle Reenactments des Alien-Originals wie z. B. die Landesequenz des Raumschiffs, das sehr an das der Nostromo angelehnt ist; manches ist aber auch unangenehm grell oder wirkt digitally over defined.
Ein Klassiker ist es natürlich, dass wiederum eine Unterwäschenummer mit einer Working Class Heroin vorkommt – eine Szene, die im Alien-Original auf vielfältigen Ebenen kommunizierte und Sigourney Weaver als Ellen Ripley zu einer “Ikone der Frauenbewegung im Kino” [4] werden ließ.
Hier einer der internationalen Trailer, der auch über den am Ende dramatisch sich aufschaukelnden Scream-Score zu gewinnen weiß:
"Startnummer 0." Es ist ein Gerücht, dass Nissan für The Dark Knight Rises ein Batmobile in Schlumpfhausen hat entwickeln lassen. Via IEDEI bzw. l’endurance.
“Win on Sunday, sell on Monday,” lautet die Goldene Regel des Motorsport-Marketings. Nissans Nennung für die 24 Heures du Mans 2102 wird dem wohl nicht ganz gerecht werden, auch wenn dieses Dragster-artige Geschoss sicherlich schon jetzt ein konkurrenzloser Gewinner der Herzen ist.
In meinem automobilen Lieblingsblog IEDEI [1] gibt es noch weiteres interessantes Material zu diesem fahrdynamisch kühn wirkenden Fahrzeug, das allerdings in den dort verlinkten Videos durchaus zeigt, dass es zackig um die Ecken zu schwirren weiß.
Wie es sich für einen japanisch-französischen Multi gehört, findet sich auf deren eigenen Seiten keinerlei Informationen über dieses Projekt, während ansonsten alle üblichen motorjournalistischen Quellen darüber berichten. Klar auch heise.de [2] weiß um die frappierenden Designanleihen irgendwo zwischen Lockheed SR-71 und Batmobile; die Originalquellen zum Projekt werden aber auch hier nicht genannt.
Ich bin trotzdem vom außergewöhnlichen Gesamtpaket überzeugt und halte den DeltaWing für einen Concorde Moment. Wenn es denn dem Team gelingen sollte, die angekündigte Performance in Le Mans selbst nur in den Trainings aufblitzen zu lassen.
Diesmal zu den Sternen! Wenn es nur nicht die Iso-Zen sind, würden wir, seine Adepten, Mœbius in den Abstraktraum folgen, um diesem sinnentleerten luftdichten Phantomschmerz zu entgehen. (Sauce: quenched consciousness)
Das Werk von Mœbius aka Jean Giraud [1] ist ein beständiges ästhetisches Hintergrundrauschen eines gewaltigen zeichnerischen Urknalls, dessen heiße expansive Phase von Mitte der 1960er bis Ende der 1980er dauerte. Der Strahlungsschock hat das gesamte Genre der spekulativen, fantastischen und utopischen Bilderwelten in Comics, Film und Games für alle Zeiten gezeichnet.
Für mich hier in PHUTURAMA war Mœbius so omnipräsent, das ich bisher gar keinen eigenständigen Post zu ihm schreiben musste – und sich mir aufgrund der ausufernden Vielfalt seines Werks auch keine umfassende thematische Klammer aufgedrängt hätte. Um sein allgegenwärtiges Genie trotzdem zu würdigen, hatte ich in letzter Zeit mehrfach das Moebiusband einfach gewendet und gebootlegte Arbeiten von ihm via quenched consciousness[2] zur Illustration der Themen verwandt, die keinen eigenen visuellen Trigger im PHUTURAMA-Sinne aufzuweisen hatten.
So hatte ich letzte Woche unter der Bildunterschrift “Die sozialen Netzwerkgiganten: Halb ziehen sie uns, halb steigen wir zu ihnen auf” eine mir passend erscheinende Zeichnung von Mœbius zur Illustration meines Beitrags “Digitaler Phantomschmerz.” Mein Abschied von Google+ [3] zweckverwandt. Seit heute gibt es in diesem Blog die Kategorie Mœbius / Jean Giraud, wo auch unter anderem dieser Einsatz seiner Illustrationen aufgelistet ist.
Unter dem Eindruck seines Tods und der schon dazu geschriebenen Beiträge wurde mir bewusst, dass die ausgewählte Seite aus Upon A Star[4] für den Google+ Beitrag auf besondere Art prophetisch gewesen ist. Jean Giraud Mœbius verläßt – gefolgt von all seinen Bewunderern und Adepten, also uns! – diesen Planeten (Auch als Anspielung auf Jean Girauds zehnjährige als beinahe bedingungslos beschriebene Gefolgschaft in der New-Age-Erlösungssekte des Jean-Paul Appel-Guéry aka Ios. Diesmal illustriert also Mœbius hier sich und sein Schicksal selbst:
“… and the Living Starcraft embraces them all for the Journey to come.” [5]
"Captcha!" Träumen SEO-Manager von Artificial Eyeballs? Generation-Nexus-6-Replikant Roy Batty macht der Aufmerksamkeitsökonomie schöne Augen (Quelle: Blade Runner)
Letzte Woche habe ich anläßlich, aber nicht unbedingt ursächlich des Inkrafttretens der neuen diensteübergreifenden Datenschutzrichtlinie meinen Google+ Account gelöscht. Ich habe darüber hier [1] und hier [2] zwei Posts verfasst. In den darauf folgenden Gesprächen sind mir aber noch ein paar Gedanken durch den Kopf geschossen, die ich hier einmal mit dem eigentlich nicht zwingend damit verbundenen 30. Todestags Philip K. Dicks [3] und des anstehenden 30. Jubiläums der bedeutendsten filmischen Adaption eines seiner Werke, nämlich Blade Runner (1982) [4] von Ridley Scott nach Dicks Erzählung Do Androids Dream of Electric Sheep?[5] montiert habe.
Während des ‘Löschens’ – ich gehe hier eher von einer Form des ‘Auskommentierens’ aus – meines Google+ Accounts hat das System noch einmal ausdrücklich erklärt, dass alle meine Posts, Shares Beiträge Dritter sowie alle akkumulierten +1 aus dem System entfernt werden. Diese Konsequenz fand ich interessant. Ehrlich gesagt, hatte ich beim ‘Löschen’ meines Accounts mir nur vorgestellt, dass die von mir gebildeten Kreise entfallen, meine Präsenz in den Kreisen von anderen entfällt, sowie alle nicht-öffentlichen Beiträge oder Shares. Da ich Google+ überwiegend als öffentliche Plattform genutzt hatte, war ich so naiv, zu glauben, dass meine bisherigen Beiträge als Teil einer generell öffentlich zugänglichen Google+ Almende auch erhalten bleiben mögen.
In meinem blinden Fanatismus, Mountain View es jetzt aber mal richtig zu geben, wollte ich den Gedanken, den Google+ Account einfach stehen zu lassen gar nicht an mich heranlassen. So halte ich es mit einem comdirect-Konto, über das ich in 13 Jahren keinerlei Umsätze getätigt habe, und von dem mir regelmäßig per Post der Saldo € o,00 mitteilt wird. Im Sinne einer erweiterten Spackeria-Perspektive [6] habe ich mich sogar eines “Datenverbrechens” schuldig gemacht, wie mspro in seinem zur Open Mind 2010 gehaltenen Vortrag Das radikale Recht des Anderen[7] schreibt:
“Nein, hier wird für den Anderen entschieden und zwar ohne Kenntnis seines Interesses, seiner Filter und seiner Kompetenz.”
OK, ich habe mspros radikale Queryology, die das universale Quellenverständnis eines Historikers aus der methodologischen Forschung in die Gegenwart der persönlichen Alltagskommunikation überführt und radikal aktualisiert, bisher immer mehr als theoretisch mögliches Ideologiekonstrukt von erheblicher Abstraktionshöhe aufgefasst; diesmal aber habe ich bewusst wahrgenommen, dass mspros Proklamation dieses “radikalen Recht des Anderen” aktuelle Gültigkeit besitzt.
Mit der Löschung meines Google+ Accounts habe ich Dritten – und natürlich auch dem Systembetreiber Google als meinem direkten “Vertragspartner” – im Rahmen der Aufmerksamkeitsökonomie einen zwar kleinen, aber doch substanziellen Wertverlust beigefügt. Menschen posten mehr oder weniger interessante Dinge, die von ihnen und ihren beteiligten Verkehrskreisen als relevant (oder nur lustig) angesehen werden. Mit der sorgfältigen Setzung eines Links, eines erklärenden Textes dazu, der Kommentierung eines schon bestehenden anderen Beitrags und dessen etwaigen +1 Auszeichnung wird Arbeit im sozialen Netzwerk geleistet. Diese Arbeit wird in gegenseitig anwachsender Vernetzung, Weiterleitung und Auflistung der +1 Aktionen akkumuliert und stellt ein – mit gewissen Aufwand auch in konventionellen ökonometrischen Kategorien zu fassendes – ‘Vermögen’ dar.
In meinem Fall – und ich war am 29. Februar 2012 vielleicht gar kein Einzelfall – wurden meine gesamten Shares und alle getätigten +1 Belohnungen den anderen Google+ Teilnehmern wieder entzogen. Dieses Vermögen wurde vernichtet. Das tut mir leid! Wenn ich die Verbindung zur ‘realen Welt’ ziehe, finde ich den aufscheinenden blinden Fleck in der sich manifestierenden “Eyeball Economy” bemerkenswert:
Stellt euch vor, mit der Löschung meines Sparkassen-Girokontos würde ich rückwirkend auf Jahre alle getätigten Überweisungen widerrufen und den Begünstigten damit entziehen – ohne dass diese Beträge bei mir oder sonst wem wieder auftauchen würden. Deflation galore!
Epilog:
Philip K. Dick starb vor 30 Jahren am 2. März 1982, Ridley Scotts Adaption von Dicks Erzählung kam als Blade Runner am 25. Juni 1982 in die US-Kinos (Deutschland-Start war im Oktober 1982). In einer der eindrucksvollsten Szenen der Filmgeschichte (“Perhaps the most moving death soliloquy in cinematic history”)[8] sagt Rutger Hauer als charismatischer Anführer Roy der vergeblichen Replikanten-Aufbegehrens, der im Sterben das (Weiter-)Leben seines Widersachers Deckard ermöglicht – und damit den Claim des Replikanten-Herstellers Tyrell Corp. “Menschlicher als der Mensch” noch überbietet:
„Ich habe Dinge gesehen, die ihr Menschen niemals glauben würdet. Gigantische Schiffe, die brannten, draußen vor der Schulter des Orion. Und ich habe C-Beams gesehen, glitzernd im Dunkeln, nahe dem Tannhäuser Tor. All diese Momente werden verloren sein in der Zeit, so wie Tränen im Regen. [Pause] Zeit zu sterben.“
“I’ve seen things you people wouldn’t believe. Attack ships on fire off the shoulder of Orion. I watched C-beams glitter in the dark near the Tannhauser Gate. All those moments will be lost in time like tears in rain. [Pause] Time to die.”
"Absolut modern." Der slicke Look der 'mittleren' Trilogie der Lucas'schen Merchandising-Monstrosität hat überhaupt nichts Märchenhaftes an sich – dank Ralph McQuarrie.
Am 3. März 2012 ist Ralph McQuarrie verstorben, von dem gesagt wird, dass seine bahnbrechende Concept Art wesentlich zum Erfolg der Star Wars-Filmreihe beigetragen hat – indem er nämlichdurch seine visionären Production Paintings die erste Folge IV A New Hope überhaupt die Pre-Production-Phase überstehen half.
Sein Wirken in der Pitching-Phase eines solchen Projekts wie Krieg der Sterne hat dazu geführt, dass Concept Art für ein bestimmtes Genre Film – nämlich S/FX-geladene Science Fiction, Fantasy und Horror – zu einem absoluten Muss in der Konzeptionsphase geworden ist. Schön, dass das obige emblematische Motiv des Dogfights zwischen X-Wing-Fighter und imperialem Tie-Fighter noch diese kleine Differenz im Detail zwischen Production Painting und späterer Modellbauarbeit fürs Filmset zeigt: Die einzelnen halbkreisförmigen ‘Luftansaugöffnungen” des X-Wing-Fighters, die bei zugeklappter Flügelstellung ein konventionell geformtes turbinen-artiges Triebwerk ergäben, haben es nicht in den Filmmodelle geschafft.
Beim Harmonisierungsfuror, der die späteren Digitalversionen der ‘mittleren’ Trilogie ihrer zeitgenössischen Authentizität beraubt haben, hatte ich schon befürchtet, dass es diese ursprüngliche Conceptual Art McQuarries gar nicht mehr im Netz zu sehen gibt. Aber dieses vernachlässigbare Detail eines “Split-Intakes” ist gleichzeitig auch eine Beispiel gelungenen “symbolischen Designs” im phuturistischem Sinne: Ralph McQuarrie gibt in diesem Still, das ja die SF/X-Action einer der den Film so prägenden Bewegtbildsequenzen vorausahnen läßt, entscheidende visuelle Hinweise auf die filmdramaturgischen Qualitäten des X-Wing-Fighter-Entwurfs: Er kann seine Flügel spreizen!
Klar, die in den späteren Tricksequenzen genutzten Modelle zeigen diese Eigenschaft direkt; fürs visionäre, die Vorstellungskraft der Entscheider anspringende Visualisierung in dem einen entscheidenden Production Painting ist dieser Designtrick, der die dynamische Potential des X-Wing-Fighters damit subkutan transportiert, ein Ausweis der Klasse Ralph McQuarries als Concept Designer, die weit über seine unbestrittenen malerischen und illustratorischen Fertigkeiten hinausweist.
Ralph McQuarrie ist damit der Erfinder der Concept Art geworden. Schande über mich, dass ich mich, einfach, weil er immer seit Star Wars immer da war, nie mehr so eingehend mit ihm und seinen Arbeiten beschäftigt habe. René von nerdcore war da natürlich weiter. [1] Auf Ralph McQuarries Website [2] selbst gewinnt man darüberhinaus einen guter Überblick, wie groß sein Einfluss jenseits von Star Wars gewesen ist – wie z. B. Battlestar Galactica, E.T., Star Trek und vielen weiteren SF-Klassikern.
Die sozialen Netzwerkgiganten: Halb ziehen sie uns, halb steigen wir zu ihnen auf. (Quelle: Mœbius aka Jean Giraud † 11. März 2012 via "quenched consciousness")
Gestern hatte ich mich spontan auf Grund der veränderten einheitlichen Datenschutzrichtlinie Googles hinreissen lassen, meinen Google+ Account [1] zu löschen. Mir gefiel die damit heraufziehende Problematik ganz und nicht, dass diese Dienste übergreifende Integration zu viel Wissen über mich über sehr unterschiedliche Nutzungsanlässe hinweg zusammenbringt und möglicherweise von Google gegen meine Interessen verknüpft wird.
Spätestens seit sich Googles Geschäftsmodells als das eines “Reclamebureaus” heraus kristallisiert hat, habe ich mich der weiteren Dienste eher selten und in der Regel anonym bedient (Maps, Docs etc.). Die dieser Tage oft angesprochene und zur Löschung empfohlene individuelle Web-History hatte ich nie aktiviert, so dass alle möglichen Einträge nur gerätebezogen und damit weniger valide auf mich rückbezogen werden können </naiv>. Googles Ökosystem zentriert sich um die für uns Nutzer unangenehme Frage, wie Mountain View seinen werbetreibenden Kunden diese à point zuliefern kann. Dabei haben sich so interessante Spezialdienste wie Real-time-bidding[2] etabliert, die für mich nach dermaßen abgefahrener Science Fiction klingen, wie es sich nicht einmal William Gibson vorzustellen vermocht hatte. In dieser allgemeinen “If You’re Not Paying for It; You’re the Product”-Geschäftsmodellwelt tut sich eine immer weiter klaffende Schere zwischen unseren Nutzeransprüchen und der notwendigen Refinanzierungsstrategie der Anbieter auf, so dass ich einmal fragen möchte: Warum will Google (Twitter, Facebook etc.) mich denn nicht als (zahlenden) Kunden?
Der gestrige “Downgrade” meines Google-Accounts hat mich nachdenklich werden lassen ob des “digitalen Phantomschmerzes”, den ich mir jetzt mit dem endgültigen Verlust meiner akkumulierten Google+ Einträge aus immerhin einem halben Jahr eingehandelt habe. Google+ war für mich nur ein lauwarmer sozialer Zweitspielplatz, der mich zunehmend belastet hatte, aber wie abhängig bin ich dann vom wirklich intensiv genutzten Twitter? Es ist immer nur halb im Scherz gesprochen, wenn ich beim Evangelisieren sage: “Twitter hat mein Leben geändert.”
Gestern wollte ich mit Google Schluss machen (es hat nur zu Google+ gereicht – aus Gründen) – und trotzdem hatte ich den Anflug einer (natürlich auch narzisstisch geprägten) Depression wie nach einer echten Trennung. Juristen kennen in ihrer formalen Kategorisierung die besondere Problematik von Dauerschuldverhältnissen wie Miete, Ehe, Arbeit (für die es zum Teil spezialisierte Gerichtsstände gibt), Versorgern wie Kabel-TV-Anbietern, Gas-, Wasser, Stromlieferanten, Telefon- und Internet-Providern, Banken und Versicherungen oder von Kindheit oder Jugend an organisierten Partei- oder Religionszugehörigkeiten, aber inzwischen gehört auch die Integration in ein sozialen Netzwerk wie Facebook, Twitter oder Google+ in diese Kategorie. Es hat damit eine existenzielle “Stickiness” erreicht, die ich für mich persönlich erst gar nicht für möglich gehalten hätte.
Das heißt, diese sozialen Netzwerke sind mir sehr wichtig, wichtiger als viel andere Dinge, für die ich regelmäßig Geld zahle, und wahrscheinlich geht es vielen so. Warum also die Verhältnisse nicht vom Kopf auf die Füße stellen und Kunde werden – und nicht deren Produkt bleiben? Dafür müssen die marktbeherrschenden Gratisdienste ihre unentgeltlichen Leistungen einschränken (oder vielleicht sogar von Staatswegen dazu gezwungen werden) und attraktive Kunden-Upgrades anbieten, die mich von der ganzen persönlichen Entäußerung gegenüber Dritten frei stellen und mir für faires Geld die von mir wirklich gewünschten Dienstleistungen wie Suche, Routen, Netzwerkkommunikation liefern.
Eine Kontigentierung von Leistungen könnte darüberhinaus das angemessenes Preisbewusstsein auf der Nutzer-/Kundenseite für die gebotenen Dienste wiedererwecken. Denn jetzt sind die Carbon-Footprints einer jeden Suchanfrage, einer jeden abgeschickten E-Mail oder einesjeden Facebook-Likes nur virtuelle Erinnerungsposten in den Schlechtes-Gewissens-Bilanzen der Öko-Lobbys. Die vermeintliche Gratisnetzkultur, die uns Nutzer im Moment auf unheimliche Weise hinterrücks in Rechnung gestellt wird, operiert damit doch zu weiten Teilen nach Dumping-Prinzipien, die in der “Realwirtschaft” schon zum Teil seit über einhundert Jahren als gegen die guten Sitten, gegen den lauteren Wettbewerb und gegen den Verbraucherschutz verstoßend geächtet und sanktioniert werden.
Darüberhinaus erzielen die sozialen Netze eine täglich routiniertere Loyalitätspraxis, die die mich umgebenden staatlichen Instanzen, die (Stichwort: E-Government) als Verwaltungsapparate auch zügig zu IT-Infrastrukturdiensten mutieren werden, gar nicht mehr aufzubringen vermögen. Die Herausforderung der konventionellen nationalstaatlichen Bindungskräfte durch die Macht der sozialen Netze ist gar nicht deren aktuelle Organisationsmacht für zivilgesellschaftliches Aufbegehren wie im Arabischen Frühling, sondern ihr Potential, neue transnationale Loyalitätsgemeinschaften von politischer Wucht zu etablieren, die mich historisch an die Rolle der katholischen Kirche (Stichwort: Kulturkampf) bzw. später der internationalen Arbeiterbewegung und – tagesaktueller – an die den multinationalen Konzernen zugesprochene Machtfülle erinnern.
Der Film 8th Wonderland[3] hat dieses Unbehagen ebenso aufgezeigt wie die jüngst wohl von Facebook selbst (meiner völlig ungestützten Vermutung nach) unterbundene Aktion von Tobias Leingruber in Kooperation mit Supermarkt Berlin, Facebook ID-Cards [4] auszugeben. Das soziale Netzwerk möchte sich lieber unterm Radarschirm der politischen Aufmerksamkeit bewegen.
Hier der Trailer, den ich für ganz schön schmissig halte und nach den ganzen Wikileaks- und Anonymous-Kämpfen für mich fast schon authentisch wirkt:
The Long Good Bye eines utopischen Versprechens von universeller Güte. Illustration von Deth P. Sun (dethpsun.com)
Ich nehme die von Google jetzt proklamierte Vereinheitlichung der Datenzugriffs einmal als Gelegenheit war, mein Google-Konto aufzulösen und damit mich auch aus diesem sozialen Netzwerk zu verabschieden.
Redundancy is not a crime
Google+ hat für mich in Verbindung mit Twitter und Facebook keinen feststellbaren Mehrwert entfaltet. Praktisch niemand, den ich als sozialen Netzwerkpartner schätze, wird dadurch meiner Aufmerksamkeit entgehen. Aber alles doppelt und dreifach durch zu scrollen ist ja Zeitverschwendung. Dafür ist das Internet nicht gemacht.
Don’t be evil
Generell zu Googles bekannter Aussage “nichts Böses im Schilde zu führen”: Meine Lebenserfahrung lehrt mir, dass jemand. der eine solche Aussage schon als Disclaimer vor sich her trägt, natürlich und vor allem nur Ungutes im Sinn hat. Da ist mir eine Arschlochfirma wie Facebook, die wenig tut, um ihre eigennützigen bis ethisch fragwürdigen Aktivitäten zu kaschieren, im Endeffekt als das kleinere Übel fast schon sympathisch. Und als quasi-etabliertes Event-Registrierungssystem hat Facebook leider den Zwangsverpflichtungscharakter, den Google+ eben nicht besitzt. Das Datenschutzding ist für mich eher der Auslöser, um dieses mehrmonatige Experiment jetzt zu beenden. Nur weil ich finde, dass die Spackeria die richtigen Fragen stellt, muss ich mir persönlich Datenfrechheiten ja trotzdem nicht gefallen lassen.
Clustering
Google wird trotz des Scheiterns von Google+ im Netz weiterhin ein relevanter Player sein, aber die Chance einen eigenständiges soziales Netzwerk aufzusetzen ist vertan. Und das ist gut so – Google plus Facebook in einem Unternehmen gebündelt, bedeutete ein ungutes Klumpenrisiko für das Netz wie jeden Einzelnen. Einzelne ohne Google-Konto verfügbare Dienste werde ich weitehin gerne nutzen, wo es sich für mich anbietet – z. B. Chrome. Doch insgeheim freue ich mich gerade wie in einer donaldistischen Verschwörung gerade eine Suchmaschine namens Duck Duck Go als per Mundpropaganda rund geht – das erinnert an 1998 (oder 1999) als da diese minimalistische studentische Suchmaske auftauchte.
Google Docs war nie mein Ding, darauf kann ich gut verzichten, ebenso wie auf die Google Mail-Adresse. Ich habe mich während des Google+Profillöschvorgangs von Googles Autorität so einschüchtern lassen, dass ich mein Rumpf-Konto doch beibehalten werde. Ich bin jetzt ein “Downgrader”. [1]
Style does matter? Not.
Seit rund vierzehn Tagen bin ich auf Facebook aktiv und Google+ hat sich als hervorragendes Bootcamp für meine Anpassung auf das ungeliebte Fratzenbuch erwiesen. Klar, im Vergleich zu Facebook in seinem Windows 3.11-Style hat Google+ einige Eleganz und Aufgeräumtheit, aber eben ohne einen klaren Produktvorteil langt das nicht. Im Gegenteil Facebook hat inzwischen fast so einen rumpeligen Alltagscharme einer digitalen Berliner Pilsstube.
"1970s-Jet-Set-Stadion-Rock-Sticker" Ein authentischer (?) makelloser Aufkleber auf einem abgerockten Flight Case? Backstage beim Aufbau von The Joshua Light Show im HKW, transmedial 2k+12
Weil ich zu The Joshua Light Show[1]und dem “Krautrock-Pionier” Manuel Göttsching (As Ra Tempel) [2] im letzten Beitrag praktisch nichts darüber geschrieben habe, hier noch etwas zu diesem transmediale 2k+12 Highlight:
Ich kannte The Joshua Light Show bis dato überhaupt nicht, aber trotz einiger stilistischer Zweifelhaftigkeiten und generellem Hippietum hat mich die Show jenseits des historischen Psychedelic Reenactments aus ganz praktischen Gründen beeindruckt. Die Joshua Light Show ist HiRes für die Netzhaut: Es ist praktisch das reine analoge Licht – insbesondere in der Rückprojektion.
Selbst bestes Cinemascope ist dagegen nur ein körniger Abklatsch; von den üblichen HD-Beamer-Projektionen, die heute in Video- und Medienkunstinstallationen dominieren, darf man hier gar nicht reden. Es sei denn, man wäre Pixelzähler.
Wenn Medienarchäologie so aussieht, dann ist es im höchsten Maße erhellend.
"Absolut in/compatible:" Joshua Light Show featuring Manual Göttsching (Ash Ra Tempel, ashra.com) – Highlight der erfolgreichen Festivalkooperation von tm2k+12 und CTM.12 und mit besonderem Engagement von der tm-Performance Kuratorin Sandra Naumann begleitet, CC: Kimberley Bianca (transmediale)
Der Glamour der vergangenen Berlinale verstellt schon fast wieder die Rückschau auf die diesjährige 2k+12 transmediale – festival for digital art and culture berlin [1], die zum ersten Mal unter der neuen künstlerischer Leitung von Kristoffer Gansing nicht nur ein atmosphärisch vernehmlicher Erfolg gewesen ist.
Selbst tief und bisweilen mit DIY-Speditionstätigkeiten mit dem inzwischen beinahe traditionellen c-base Partner Event [2] verstrickt, kann ich vom Festival mit seinen immerhin sechs Programmsektionen (Ausstellung, Videoprogramm, Konferenz, Performance-Programm, “reSource”-Initiative für “transmedial culture” und der Retrospektive in eigener Sache: “25 Jahre transmediale”) nur einige wenige Eindrücke vermitteln. Aber da geht es mir wie den Machern selbst. Da ich freundlicherweise am Donnerstag, den 23. Februar zu einer transmediale-Ausklangfeier in der Weddinger Panke [3] vom Team eingeladen war, ergab sich aber die gute Gelegenheit, die individuellen Erfahrungssplitter zu einem größeren ganzheitlichen Narrative zu fügen.
Grundsätzlich ist dies der zweite große Wechsel in der künstlerischen Leitung nach Andreas Broeckmann zu Stephen Kovats, den ich bei der transmediale aus der partnerschaftlichen Halbdistanz als c-base conceptioneer miterleben durfte. Was ich mit dem Einstand des neuen künstlerischen Leiters Kristoffer Gansings verbinde, ist, dass das Festival der digitalen Lebenswirklichkeit des Publikums näher gekommen ist, wie ich zumindest die Auftaktperformance QTzrk von jon.satrom [4] verstehe, die aus dem üblichen Reigen einer Eröffnungszeremonie seamlessly in den alltäglichen Inkompatibilitätswahnsinn der inzwischen ubiquitär mehrheitsfähigen MacOS-Benutzeroberfläche transgredierte.
Anstelle gern überstrapazierter künstlerischer Praxis synästhetischer Disruption und avantgardistischem Überwältigungsfuror mit oft medientechnologisch meist überholten Stilanachronismen, die lautstark “Hier, ich bin Medienkunst!” riefen (ASCII-Art, OCR-Typo, 8-Bit-LowRes-Pixelartefakte FTW) ist der neue Ansatz, medienkünstlerische Positionen aus der digitalen Sphäre der glitzernden App Economy und der längst ubiquitären Cloud abzuleiten, sehr wohltuend und kritisch aktuell.
Dieser Ansatz spiegelte sich auch in den viel beachteten grafischen Auftritt des Festivals von Manuel Bürger, Timm Häneke und Till Wiedeck mit Goldspiegelfolie, einem iPhone-App-geshapten Rahmenelement völliger Inhaltsleere und dem häufigen Einsatz blauweißem Himmelsgewölks auf der insbesondere dem Festivalmotto “in/compatible” mimetisch nacheifernden Website.
Eine generelle Rückbesinnung scheint mir zu sein, dass §Medienkunst wieder formal definiert ist als künstlerische Auseinandersetzung mit den spezifischen Gegebenheiten des Ausdrucksmaterials und nicht in erster Linie als themenspezifisch inhaltliche Kategorie, wie es Stephen Kovats gefördert hat, der damit bewusst das Risiko von Flops (Deep North, 2009) und Tops (Futurity Now!, 2010) in der Gesamtausrichtung eingegangen ist.
Mir scheint dies in Abgrenzung zu den traditionellen am Kunstmarkt und in der Museumslandschaft wesentlich etablierten Kunstbereichen wie Malerei, Graphik oder Bildhauerei ganz konsequent: Medienkunst macht halt was mit Medien.
Disclaimer: Ich war nicht nur über die c-base Kooperation dieses Jahr mit dem Festival verbunden gewesen, sondern als “Adludicator” für die von Mark Butler geleitete Veranstaltung Zombie Play in the Ludic Salon: reSourcing an Exquisite Media Corpse am Sonntag, 5. Februar 2012 von der reSource-Kuratorin und Programmverantwortlichen Tatiana Bazichelli eingeladen worden. Herzlichen Dank dafür, dies war eine sehr schöne Veranstaltungin der besonderen Form des “Presentation Flows”nach Vorbild des Cadavre Exquis:
“Exquisite corpse, also known as exquisite cadaver (from the original French term cadavre exquis) or rotating corpse, is a method by which a collection of words or images is collectively assembled.”(WP)
Zum Ausklang hier ein Ausschnitt vom Auftritt der Joshua Light Show ft. Manuel Göttsching vom Samstag, den 4. Februar 2012, von dem auch das obige Aufmacher-Foto von Kimberley Bianca stammt (mehr auf flickr.com):
POSTED BY Gregor Sedlag AT February 27th 2012 0 Comments
"It is also about the disappearance of our own memories and data, things that we wanted to keep forever but which will, because of technological progress, the aging of a technique, or the self-destruction of a supporting system, soon no longer exist." The Ghost Off The Shelf, Exhibition CTM.12 – SPECTRAL
Heute vormittag fand die gemeinsame Pressekonferenz der seltsam verschwisterten Festivals transmediale 2k+12 in/compatible – festival for digital art and culture berlin [1]und CTM.12 SPECTRAL – Festival for Adventurous Music and Related Arts[2] im Haus der Kulturen der Welt statt. Da der CTM schon heute abend, Montag, den 30. Januar 2012 offiziell mit einer Aufführung eines Werks der französischen Elektro-Avantgarde-Komponistin Eliane Radigue [3] im Berliner Hebbel am Ufer 1 (HAU 1) beginnt, versuche ich hier schon einige Eindrücke vom geplanten Programm und von der schon seit Freitag im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien zusammenzufassen.
Jan Rohlfs, neben Oliver Baurhenn und Remco Schuurbiers die verantwortlichen Köpfe des aus einem begleitenden “Club Transmediale” hervorgegangenen Festivals für Wagnismusik und damit verwandte künstlerische Positionen, formulierte in der Pressekonferenz ein sehr umfassendes kuratorisches Statement [4], das im Wesentlichen um das wachsende Unbehagen am “Kontrollverlust” (diesen Begriff hat er nicht gebraucht) der in den exponentiell wachsenden digitalisierten “Anarchiven” verborgenen Nicht-Wissens (im Sinne eines Rumfeldschen “unknown Unkonwns”) drehte:
“Er gewinnt Form in Gestalt von Heimweh, Transzendenzsehnsucht oder Retromanie und gerät umso stärker, je eindringlicher die technologische Enteignung und Delokalisierung erfahren wird.” [5]
Die von Thibaut de Ruyter kuratierte Ausstellung “The Ghost Off the Shelf” wie das Gesamtfestival widmen sich also der spürbaren Faszination und Beschäftigung mit (vorgeblich?) nicht hintergehbarer, materieller Restanzen der Produktions-, Aufführungs- und Speicherungprozesse, die in der vordigitalen Ära dem jeweiligen Medium auf den Leib geschrieben waren und als nun als “Phantomeffekte” (wie in Phantomschmerz) eine tiefenhermeneutisch zu erschließende Bedeutungsebene versprechen, der die CTM-Projekte sogar bis in die Halbleiter-Molekülketten der Medienapparate nachzusteigen bemüht sind (“The Crystal World Open Laboratory”):
“Das ist kein absichtsvolles künstlerisches Programm. Vielmehr ist es feinnerviges, arbeitsames, mal dunkles, mal fröhliches Experimentieren mit Unheimlichem, Verstaubtem und Trash, der Rückgriff auf Vergangenes und Verworfenes bis hin zur Archaik, die Lust am Verformen, Verhallen, Verrauschen und Verflüssigen, Aufbrechen, Verkleben und Verspleißen; geradezu die letzten Mittel, die eingesetzt werden, wo ein Masterplan zwangsläufig fehlen muss.” [5]
Nach dem Tod Conrad Schnitztlers [6] im letzten Jahr passt in diese Auseinandersetzung auch die Archäologie des West-Berliner Zodiac Free Arts Lab [7], einem Hackerspace avant la lettre für elektronische Musik in den 1960er Jahre, der für die spätere Krautrock-Bewegung bestimmend war, was mit der CTM-Spielstätte HAU 2 quasi am Originalort (heute sehr profan das WAU – Wirtshaus am Ufer) nachvollzogen werden kann.
Glazialvisuals in Minimal-Beat-Blöcken, "Random Seed" by stickman (im Dunkeln)
c-base die Raumstation unterhalb Berlins hat mit Hilfe des Künstlerkooperation Stickman[1], Entlet[2] und Fauxtone Collective [3]eine temporäre synästhetische Holodeck-Upgrade erfahren.
Als Teil des gemeinsamen “Vorspiels” der beiden Geschwisterfestivals transmediale 2k+12 in/compatible – festival for digital art and culture berlin[4] und des CTM.12 SPEKTRAL – Festival for Adventurous Music and Related Arts[5] sind die diesjährigen c-base Partneraktivitäten zur transmediale unter dem Motto “be future in/compatible” [6] mit den drei Auftritten des Improvisations-Theatergruppe Improbanden und der oben genannten 3D-Echtzeit-Bild- und Klanginstallation gestartet.
„Random Seed“ – an audiovisual beat sculpture: Live performance & audiovisual installation by Stickman feat. Fauxtone Collective Berlin-based multi-instrumentalist and producer Stickman teams up with the Fauxtone Collective to bring an immersive audiovisual experience to the stage, exploring synergies and interactions of tones and photons.
Von c-base Seite aus hat Thomas Goltz [7] als Teil der Künstlergruppe sein 3D-Knowhow in das gemeinsame Projekt geworfen, das in nur drei Monaten mit einer Menge performance-kritischen, weil Echtzeit benötigenden Coding-Aufwands realisiert worden ist. Ohne die großartige Unterstützung durch transmediale-Leiter Kristoffer Gansing und den Technikpartner des Festivals serve-u [8] wäre c-base nicht in der Lage gewesen, den beteiligten Künstlern diese Plattform für ihre Arbeit zu geben.
Einen guten Eindruck der Random Seed-Installation vermittelt schon einmal das unten folgende Video vom Freitag. An den zwei Folgetagen des Vorspiel-Wochenendes wurden weitere Photonen-Module der Installation freigeschaltet.
Als Kontrast zur hermetisch-minimalistischen Percussion-Clustern der “beat sculpture” steht das housige Live Set von Stickman und Entlet, das die Holodeck-Installation in einen Clubkontext transponiert. In dieser Zusammensetzung Sonntagabend, den 29. Januar 2012 das letzte Mal live an Bord der c-base zu erleben.