»Gen-5« – Fünf generische Superhelden im öffentlichen Auftrag

»Vier von fünf Helden sollt ihr sein!« – Mein neuestes Superhelden-Team kämpft im öffentlichen Auftrag

Für die Freunde von der Open Knowledge Foundation Deutschland [1] durfte ich in den letzten Wochen an einem Projekt mitwirken, das ganz überraschend auch mein Faible für Superhelden-Neuinterpretationen angesprochen hat. Hier oben im Bild also die  »Gen-5« – bestehend aus PLATINUM, LIQUID [METAL], CARBON und COBALT (nicht im Bild: TITAN).

Für eine Informationskampagne der Technologiestiftung Berlin [2] in Kooperation mit der o. g. OKF und der Berliner Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz [3] suchten wir nach Wegen auf spielerische Weise Menschen bewusst zu machen, dass ihre Internet-Nutzungsgewohnheiten – vor allem mobil via Smartphone – gewisse Datenspuren hinterlässt. Dazu wählten wir das sich aus Printzeiten ins Internet-Zeitalter gerettete Format des Persönlichkeitstests à la »Welcher Beatle wärst du gewesen?« und fragten »Was ist deine geheime Identität im Netz?« [4]

Schon vorher war klar, dass wir für unseren Test ganz grob fünf unterschiedliche Internet-Nutzertypen ausmachen würden, die das gesamte Spektrum zwischen Paranoia und und Post-Privacy abdecken würden. Da fiel die Aufteilung auf fünf Superhelden-Charaktere nicht so schwer:

LIQUID – Nutzt das Netz wie niemand sonst – überall und nirgends zu fassen. LIQUIDS Datenspuren sind der Glitter in den sozialen Netzwerken, die ohne sie sonst sinnlos blieben.
COBALT – Tollt nach Lust und Laune durch die Netze. Das Internet hat zuviel zu bieten, um sich heute schon Sorgen um Morgen zu machen.
PLATINUM – Wahrt die perfekte Balance zwischen Chancen und Risiken im Internet. Das Vorbild für alle Helden im Netz.
TITAN – Bestens gerüstet für alle perfiden Attacken von Phishern, Neppern und Identitätsdieben. Doch so manche Gelegenheit auf neue Kontakte und Möglichkeiten wird zu gründlich abgewehrt.
CARBON – Ist für Google & Co. ein schwarzes Loch. Surft wie ein Tarnkappenjäger datenschattenlos durch die Netze – und erkennt sich manchmal selber nicht.
Mit der Superhelden-Metapher konnten wir einerseits eine klar balancierte Empfehlung aussprechen, ohne alle anderen Nutzungsarten zu diskreditieren. Denn in einem Superhelden-Team zählt die Diversität – und alle sind super!
Der kubistisch abstrahierte Illustrationsstil ist mir in jüngster Zeit in vielen Darstellungen rund ums Netz und die digitale Sphäre aufgefallen – z. B. in der Kampagne von Torben, Lucie und die gelbe Gefahr für WIRED Deutschland [5]. Diese »3D-Polygon-Optik« scheint für eine Mainstream-Publikum jetzt die Form von Computerisierung anzuzeigen, für die bis vor einiger Zeit noch die Grob-Pixel-Darstellungen aus Space Invaders herhalten mussten.
Darüberhinaus sind mir viele Umsetzungs-Beispiele auch aus dem Superhelden-Genre auf Pinterest zugeweht [6], so dass ich sehr froh war war, diesen für mich völlig ungewohnten Zeichenstil einmal selbst anwenden zu können. Trotz des hohen Abstraktionsgrads gelingen die Superhelden-typischen Überzeichnungen überraschend einfach. Ich könnet mir sogar vorstellen, das Experiment einer ganzen Geschichte in diesem Stil zu wagen.
Wie die Superhelden u. a. live im Stadtraum der Berliner City-West zum Tragen kommen, der kann in diesem TV-Beitrag des RBB [7] zum Launch der Kampagne einige kurze Eindrücke gewinnen. Ansonsten ist der den Persönlichkeitstest erweiternde »Stadt-Parcours« von »Was ist deine geheime Identität im Netz?« noch bis Donnerstag, den 18. Dezember live zu erfahren. [8]
[1] Open Knowledge Foundation Deutschland
[2] Technologiestiftung Berlin
[3] Berliner Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz
[4] SMARTE BÜRGER – Online-Quiz
[5] Horizont: Launch-Kampagne: WIRED lädt Roboter zur Zwischenmiete
[6] Pinterst: Beispiel für kubistische Superhelden-Illus
[7] RBB Abendschau: Wie gläsern sind Smartphone-Benutzer?
[8] SMARTE BÜRGER – Stadt-Parcours

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»10 Minuten, 90 Grad«

Das wunderbare Kongressthema in der Illustration von abcassirer.de!

Da ich inzwischen ein wenig abgekühlt bin, hier noch ein Nachtrag zu meinem »Sauna-Lighning Talk« beim 5. Weltkongress der Hedonistischen Internationale [1] vor einigen Wochen irgendwo in einem post-sozialistischen Erholungsresort zwischen Hamburg und Berlin.

Ich war einfach spät dran. Meine einzige legitime Möglichkeit an der Veranstaltung noch teilnehmen zu können, war, einen Vortrag einzureichen. Mein Lieblingsthema [2] über das Versagen der Science Fiction riss es dann:

»Science Fiction als literarisches und insbesondere multimediales Genre der Populärkultur in TV, Kino und Computerspielen hat mit der Jahrtausendwende sein gesellschaftspolitisches Momentum verloren. Als Genre bedient die Science-Fiction klar umrissene kommerziell Stereotypen und Topoi, die es als Genre kenntlich machen. Gesellschaftliche Großentwürfe oder negative Dystopien können sich kein Gehör mehr verschaffen. Es ist auffällig, dass literarische Science-Fiction mehr und mehr genre-untypisch als zeitgenössische Belletristik vermarket wird. Was als Ausweis von Akzeptanz im Mainstream verstanden werden könnte, ist aber in meinen Augen eine Marginalisierung. Die SF ist nicht mehr so brisant und gefährlich, dass sie wie im gesamten 20. Jahrhundert länger in den Genre-Grenzen der Popkultur domestiziert werden muss. Ihre Funktion als ‘Trainingsprogramm’ zur Anpassung der Massen an den gesellschaftlichen Wandel hat sie praktisch eingestellt. In der stark beschleunigten digitalen Technosphäre ist die literarische SF zur bloßen ‘Gegenwartsliteratur’ geworden. Viele Zukunftsszenarien rinnen ambitionierten Autoren während des Schreibprozesses unter der Tastatur hinweg. Denn was sind einige Tausend Autoren fiktionaler Narrative gegen die Übermacht der Millionen Autoren von Code, der in Computerprogrammen die Welt in Echtzeit verändert. Das Cyberpunk-Genre hat diese technologische Revolution metaphorisch wie pop-ästhetisch beschleunigt, und dabei die Science-Fiction als Sonde in mögliche Zukünfte ausgelöscht. Was heißt dies für unsere netzpolitischen Debatten? Veraltete Sprachbilder wie ‘Big Brother’ und ’1984′ zeigen wie unzureichend unsere aktuellen Debatten durch vorausschauende Begriffsprägungen der Science-Fiction unterfüttert sind. Brauchen wir – in den Worten von Günter Hack [3] – eine ‘neue’ Science Fiction? Und wie könnte diese aussehen? Wer sie schreiben?«

Die Regeln der Sauna-Talks haben es mir schwer gemacht, das ambitionierte Abstract umzusetzen:

»Neben den bisherigen Vortrags- und Workshopformaten soll es dieses Jahr mit den Lightning-Sauna-Talks eine Weltpremiere geben: Konzept ist 90 Grad, 10 Minuten, 1 Aufguss, 1 Vortrag. Auch hierfür werden noch hitzeresistente Referent:innen mit spannenden, erheiternden und ernsten Kurzvorträgen gesucht – auch spontan vor Ort.«

Ich war nicht hitzeresistent, sondern musste nach fünf Minuten schon einmal für eine Abkühlung im See unterbrechen. Die Teilnehmer sind mit und haben mich der zweiten Halbzeit wunderbar unterstützt.

Danke an alle vor Ort.

[1] Fünfter Weltkongress der Hedonistischen Internationale vom 29. Mai bis 2. Juni 2014
[2]»Das Ende der Science-Fiction« – Reaktionen auf einen re:publica-Vortrag
[3] FAZ: »Wir brauchen eine neue Science-Fiction!«

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“Thor – The Dark Kingdom”

Marvel's Thor: The Dark World: Ohne Loki wäre Thor bloß ein Hammerwerfer

Im Jahr 2011 schaffte Marvels Comic-Held “Thor” mit einem eigenen Film den Sprung auf die große Kinoleinwand, und das unter der Regie von Kenneth Branagh auch recht erfolgreich. Es war nur eine Frage der Zeit, bis es eine Fortsetzung geben würde. Nun ist es endlich soweit, Thor – The Dark Kingdom startet am 31.10. in den deutschen Kinos. Beim aktuellen Sequel durfte Alan Taylor, vor allem bekannt von Game Of Thrones oder Sex And The City, das Regiezepter schwingen.

Asgard: Thor (Chris Hemsworth) hat es als Sohn des übermächtige Allvaters Odin (Anthony Hopkins) nicht leicht. Nachdem der Glaube in allen neun Welten schwindet und es immer mehr Aufstände gibt, muss Thor dort für Ordnung sorgen. Außerdem hat Odin seinem Sohn untersagt, seine große Liebe Jane Forster (Natalie Portman) wiederzusehen. Doch es braut sich noch mehr Unheil zusammen: Die Dunkelelfen wollen unter der Führung von Malekith (Christopher Eccleston) das Universum, samt der neun Welten, zerstören. Doch dies kann nur gelingen, wenn Malekith Jane Forster entführt. Sie trägt durch Zufall eine unheimliche Substanz in sich, welche die Dunkelelfen für ihr Zerstörungswerk brauchen. Um die Dunkelelfen zu stoppen, braucht Thor die Hilfe seines eingekerkerten Bruders Loki (Tom Hiddleston)…

Zu Beginn des Films wird der Zuschauer mitten hinein geworfen in in die Schlacht zwischen den Dunkelelfen unter Führung von Malekith und Odins Kriegern. Schon da zündet Alan Taylor ein wahres Feuerwerk an Spezialeffekten, besonders die Waffen der Dunkelelfen, eine Art Bomben, die schwarze Löcher erzeugen, sind sehr eindrucksvoll. Überhaupt sind die Actionsequenzen ein visueller Hochgenuss, z. B. wenn das gewaltige Schiff der Dunkelelfen auf der Erde landet und den Boden durchpflügt. Was Thor 2 an Effekten auf der Habenseite verbuchen kann, wird allerdings beim Script leider wieder abgezogen. Die Actionsequenzen sehen zwar gut aus aber wirken besonders zum Ende hin zu lange und daher ermüdend. Die Figuren bleiben größtenteils erstaunlich blass. Eine angenehme Ausnahme bildet dabei Tom Hiddleston, der Thors Bruder Loki wieder unvergleichlich zelebriert. Ein Blick, ein Zucken im Mundwinkel und der Zuschauer ist in Lokis Bann. Nicht immer stimmig aber trotzdem lustig sind die Slapstickeinlagen von Dr. Stellan Skarsgard, der als durchgeknallter Kauz im wahrsten Sinne des Wortes alle Hüllen fallen lässt. Chris Hemsworth und besonders Natalie Portman haben nicht viel beizutragen. Ihre Rolle leidet unter dem simplen Drehbuch besonders. So darf sie meist nur verängstigt in einer Ecke stehen und auf Rettung (durch Thor) warten. Hier wurde eindeutig Potential verschenkt. Während des Filmes kann sich der Zuschauer des Eindrucks nicht erwehren, dass Regisseur Taylor (zu) vielen Figuren Raum geben wollte sich zu zeigen. Der mystische Heimdall (Irdis Elba) verliert mit Thor am Tisch sitzend und ein Bier trinkend, jedwede geheimnisvolle Unnahbarkeit, die ihn noch im ersten Thor-Film so bemerkenswert machte.

Taylor verhebt sich weiter: Er “vergisst” einfach die Figuren auch irgendwann zusammen zubringen. So lebt der Film erst dann merklich auf, wenn sich endlich z.B. Thor und Loki gegenüberstehen.

Zugegeben Thor – The Dark Kingdom macht Spass, nicht zuletzt wegen der technisch einwandfreien und visuell eindrucksvollen ausufernden Actionszenen à la Man Of Steel. Wenn sich die Figurenkonstellationen (besonders Loki vs. Thor) erst einmal herausgebildet haben, dann kann der Film durchaus auch mit komischen oder dramatischen Elementen punkten. Aber leider sind diese Momente eher selten. Zu oft stört das unausgegorene Drehbuch mit seinem Mangel an präziser Dramaturgie den positiven Gesamteindruck.

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“Les Aventures Aérostatiques du Monsieur Péregrine Thibaux Rhodan & Compagnie”

Barock-Perry und Bully mit ihrer Strato-Montgolfière POUSSIÈRE DES ÉTOILES – erbaut auf Initiative eines Edelmannes unbekannter Provenienz.

Perry Rhodan, Bully und Atlan als Ballonpioniere im spätbarocken Ancien Régime. Dies ist nach “Steampunk” [1] meine zweite Interpretation eines möglicherweise weiter aufgefächerten PERRY RHODAN-Multiversums.

Mein Dank gilt hierbei Hubert Haensel als Redakteur des PERRY RHODAN-Reports, der vierwöchentlichen Beilage zur Heftserie, der mich ermutigt hat, einige meiner Ideen hierzu zu einer losen Reihe von Report-Titelbildern zu fassen. Während die Report-Titelillustrationen die Motive als S/W-Zeichnungen zeigen (hier das Original [2] aus PRR 269/PR 2720), versuche ich hier im Blog darauf aufbauend euch die farbige Interpretation im Comic-Look zu präsentieren.

Das “Steampunk”-Motiv war mit seinen Zitaten an Jules Vernes Klassiker Von der Erde zum Mond in ein schon etabliertes Sub-Genre der Science Fiction eingebettet, das “Barock”-Motiv erweist Neal Stephensons gleichnamiger Trilogie [3] seine Referenz.

In der Folge der durch die Gebrüder Montgolfier in Frankreich entwickelten “Aerostatischen Maschinen” initiiert Atlan als wohlhabender Edelmann unbekannter Herkunft am Vorabend der Französischen Revolution einen Edelgasballon für den stratosphärischen Einsatz bis an die Grenze des Weltraums. Sein Kalkül ist, die Aufmerksamkeit der automatischer Wachsonden des auf dem Erdmond havarierten Arkonkreuzer AETRON zu erwecken, dessen Erscheinen ihm die Passivorter seiner Tiefseekuppel angekündigt hatten.

Als Edelmann im Ancient Régime ist es Atlan absolut unmöglich selbst an diesem Wagnis teilzunehmen, von welchem ihm sein Logiksektor auch strikt abgeraten hätte. So vertraut er seine fortschrittliche Konstruktion den ihm vom Hofe empfohlenen bürgerlichen Abenteurer Péregrine Thibaux Rhodan und Reginald Bulle an. Beide stecken in wärmenden und luftdichten Atmosphärenanzügen, die die renommiertesten Uniformschneider und Harnischfeger Paris’ den beiden Luftfahrern auf den Leib geschneidert haben.

Auf der Ballonhülle der Strato-Montgolfière POUSSIÈRE DES ÉTOILES prangen in Gold die Abbildungen des Königspaar Ludwig XVI. und Marie Antoinette – oder sind es etwa Crest und Thora? Und was hat es mit der Kugelraumer-artigen Emblem zwischen den beiden auf sich? Wer erkennt die Kunstwelt WANDERER, die Welt des Ewigen Lebens?

Es ist allerdings reine Spekulation zu glauben, dass die exorbitant kostspielige Expedition des Monsieur Péregrine Thibaux Rhodan & Compagnie an die Grenzen des Weltraums der Auslöser für die Französische Revolution gewesen sei. Richtig aber, dass in Folge der Ereignisse von 1789 nicht ein Korse, sondern ein Luftfahrer Europa und die Neue Welt zu einer universellen Republik unter dem Code Rhodan vereint hat…

[1] PERRY RHODAN-Multiversum: “Steampunk”
[2] “Barock”-Original-S/W-Motiv aus PR-Report 269 (PR 2720)
[3] Wikipedia über Neal Stephensons Barock-Trilogie

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“The Adventures of Perry Rhodan, Gentleman”

PERRY RHODAN Steampunk

Unter dem Eindruck des nachhaltigen Erfolgs von PERRY RHODAN NEO, das in diesen Tagen das erste runde Jubiläum von 50 Ausgaben voll macht, habe ich mir den Spaß erlaubt, das “PERRY RHODAN-Multiversum” weiter aufzufalten – und zwar mit der Launch-Version eines potentiellen PERRY RHODAN-Steampunk-Universums.

Dieses Motiv ist als Cover für den am 12. Juli 2013 erscheinenden PERRY RHODAN-Report 467 (PR I 2708) in Schwarzweiß [1] gedacht gewesen, aber ich finde, eine Farbversion hier im Blog kommt noch schöner.

Als Exposition fürs Steampunk-Perryversum steht auch hier zu Beginn eine erste U.S.-amerikanische Mondexpedition à la Jules Verne im Mittelpunkt. Die STARDUST steht auf einem Dampfkatapultschlitten, der das zusätzlich von Festkörperraketen-Treibsätzen befeuerte Projektil über eine Rampe gen Mond schießen wird. Captain Reginald Bull steht schon in voller Montur bereit, während Perry Rhodan von einem exotischen Gentleman mit überirdisch weißen Haaren zum waghalsigen “Unternehmen STARDUST” gedrängt zu werden scheint. Den “Einsamen der Zeit” mit dem “Erben des Universums” schon zum Start einander nahe zu bringen, ist eine eher kühne Ableitung aus dem klassischen PR-Universum, die die jeweiligen Charaktere der beiden Männerfreunde neu zu interpretieren scheint: Der “Sofortumschalter” Perry ist eher ein Zauderer, dessen faustischer Zug vom nahezu mephistophelisch beseelten Atlan erst geweckt wird.

Wohin das ganze Unternehmen schließlich führen wird, ist im Einklang mit der klassischen PR-Geschichte aufgeführt: Wie Sternengötter bewohnen die außerirdischen Arkoniden Crest und Thora das Firmament mit ihrer AETRON (die Kugelzelle ist nach Vorbild Ingolf Thalers RZ der CREST II [2] gezeichnet, die ursprünglich den auf dem Mond notgelandeten Kreuzer darstellen sollte); ihr eigentliches Ziel – der “Planet des ewigen Lebens” in Form der Kunstwelt WANDERER – zieht für die Arkoniden in weit entrückter Ferne seine Bahn. Ihre Zeit ist abgelaufen.

[1] Das PERRY RHODAN Multiversum: “Steampunk”-Version aus PR-Report 467 (PR I 2708)
[2] PR-Materiequelle – Ingolf Thalers RZ der CREST II (ursprünglich AETRON, PR I 278)

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“Geschichte einer Ablehnung”

Dieser Eröffnungsvortrag zur 1. Spackeriade [1] der “datenschutzkritischen Spackeria” [2] an Bord der c-base im letzten Herbst ist mir beim routinemäßigen Kontroll-Googlen wieder ins Gedächtnis gekommen, und ich möchte ihn hier mit euch teilen. Es gibt keinen besonderen aktuellen Anlass, wenn man mal die Referenz an die edition suhrkamp in den ‘Slides’ und die aktuelle Insolvenzschutzsituation des Suhrkamp-Verlags außer Acht läßt.

“Geschichte einer Ablehnung” von Gregor Sedlag from c-base on Vimeo.

Die ‘Slides’ sind auf Englisch, weil ich diesen Vortrag ursprünglich als Eingangsstatement beim Panel Post Privacy (part 1) beim von Tatiana Bazzichelli kuratierten reSource 001:Trial Crack [3] mit @tante (Jürgen Geuter) und @mspro (Michael Seeman) von reSource transmedial culture berlin genutzt habe.  Hier noch mein Einführungstext zum #Spack1-Vortrag:

Es ist interessant, wie eine selber aus dem gesellschaftlichen Off kommende Untergrundbewegung wie der Chaos Computer Club mit zunehmend gesamtgesellschaftlicher Akzeptanz und Etabliertheit Flanken gegenüber den neuen Fragestellungen von Post-Privacy, Data Love und dem “radikalen Recht des Anderen” (@mspro) aufreissen läßt, deren Legitimität nicht wenigstens einmal als intellektuell inspirierend verstanden werden, sondern in Bausch und Bogen als Angriff und Spaltung der “Netzgemeinde” verstanden werden. Der Tod von Apple-Gründer Steve Jobs im letzten Jahr hat die hippiesken Wurzeln der “kalifornischen Revolution” noch einmal in Erinnerung gerufen, wie sie durch Rainer Langhans wie auch der CCC-Mitbegründer Wau Holland in ihrer speziell bundesrepublikanischen Tradition der weltweiten Alternativbewegungen verkörpert wurde – der erste als Alt-68er, der jüngere Wau Holland als Protagonist der ernüchterten postradikalen 78er-Generation nach dem “deutschen Herbst”. Geradezu postideologisch visionär war Waus Verständnis vom Computer als einem möglichen individuellen Emanzipationsinstrument; galt dieser doch im links-alternativen Mainstream-Milieu zu den Gründungszeiten des CCC im Jahre 1981 noch als Repressionsinstrument von Big Business, Big Government und Big Brother. Es ist somit eine historische Ironie, dass sich die Geschichte einer Ablehnung zu wiederholen beginnt. War das damalige Feindbild des linksalternativen Gefühligkeitshumanismus der Computer an sich, so ist es heute das sich langsam herausbildende und ins Nachmenschliche zu wachsen drohende Potential der universellen Vernetzung der Datenreisenden.

[1] Programm der 1. Spackeriade (2012)
[2] Das Blog der datenschutzkritischen Spackeria
[3] reSource 001: Trial Crack

 

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Ein Traum wird wahr

Rund 21 Jahre brauchte diese RZ zur Vollendung: GREMLIN aka MR. MO und jetzt der "Mondsicheljäger der Oraccameo" als Kooperation zwischen Jürgen Rudig und mir.

Vor rund einem Jahr konnte ich an dieser Stelle berichten, dass der von mir hoch geschätzte Jürgen Rudig nach dreißig Jahren wieder begonnen hat, Risszeichnungen in dem ihm so eigenen Stil anzufertigen. [1]

Zu dieser Zeit hatten Jürgen und ich quasi zu Übungszwecken eine Kooperation vereinbart, dass er eine seit den 1990er Jahren (sic!) brachliegende Bleistiftvorzeichnung von mir im Detail zu Ende zeichnet und abtuscht. Natürlich ein Raumjäger – und deshalb könnt ihr euch gut vorstellen, warum hier ein Traum für mich wahr geworden ist. [2]

Wie stark der “Rudig-Stil” ist, seht ihr oben; denn der GREMLIN aka DR. MO (unsere Arbeitstitel für das Projekt) ist trotz meiner Vorarbeit zuerst und vor allem eine Rudig-RZ geworden!

Mit Nummerierung und Textlegende versehen, wird die RZ in der PERRY RHODAN-Erstauflage 2683 Galaxis im Chaos von Uwe Anton morgen am 18. Januar 2013 zum aktuellen Zyklus passend als Mondsicheljäger der Oraccameo veröffentlicht werden.

Unser – jetzt also – Mondsicheljäger der Oraccameo hatte zu Beginn des Romans 2660 Die springenden Sterne von Christian Montillon einen kurzen, aber eindrucksvollen Auftritt.

Ich habe noch keine Belegexemplare des fertigen Drucks, bin aber sehr gespannt, ob es diesmal gelungen ist, die A2 große superfeine Strichzeichnung, die ich über eine Autotrace-Funktion vektorisiert habe, auch als solche reproduziert zu bekommen. Der Hintergrund dieser Befürchtung ist, das oftmals EPS- bzw. PDF-Daten unnötigerweise bei VPM aufgerastert werden.

Da viele Risszeichner  ihre farbigen Vektorillustrationen leider als Graustufenpixeldateien exportieren, ist inzwischen das Aufrastern samt dem damit verbundenen “Grauschleier-Effekts” zum suboptimalen Risszeichnungsstandard geworden.

Da Jürgen den analogen Zeichenstil von vor dreißig Jahren beibehalten hat, müssen wir jetzt die abgewickelte, früher selbstverständliche Repro-Kompetenz einer Großdruckerei zeichnerseitig kompensieren und das auch noch ins digitale PrePress-Zeitalter beamen.

Ich freue mich sehr, dass Jürgen Rudig bei diesen Sachen meinen Rat und Hilfe in Anspruch nimmt, und dankbar, dass ich als Fan dabei helfen darf, seine fantastischen RZ-Visionen in der ihnen angemessenen Form zu reproduzieren – nämlich auf Qualitätsniveau der späten 1970er und frühen 1980er Jahre.

Während ich diese Zeilen in Erwartung des Druckergebnisses von Band 2683 schreibe, überlege ich mir, wie die fantastische jüngste Exposé-Arbeit von Jürgen Rudig, die er auf A1 gezeichnet hat, in ähnlicher Weise übertragen werden kann.

Ich schwanke zwischen der Vektorisierung seines HiRes-Scans der RZ wie hier aktuell beim Mondsicheljäger oder der Konvertierung in ein superhochauflösendes Bitmap für die direkte Strichausgabe. Dies ist die Elementarphysik der digitalen Druckvorstufe – ich muss mich zwischen Welle- und Teilchencharakter der Darstellungsmodelle entscheiden.

Update: Beim Abdruck in PR 2683 ist das PDF wie gewünscht in Wellenform (= Vektoren) belichtet worden – die RZ ist gestochen scharf! 

[1] PHUTURAMA: “Rudig Reloaded.” 30 Jahre wie 1 Tag
[2] PHUTURAMA: “Alles nur ein Spaß?” – 30 Jahre Redhorse-Jäger. Ein Interview mit Jürgen Rudig

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Daily Perry #100 – Ein Interview mit Lars Bublitz

"To boldly go, where no Perry has gone before..." Einhundert Tage Daily Perry

Glückwunsch Lars, Dein Daily Perry hat es jetzt auf einhundert Beiträge in den letzten hundert Tagen gebracht.

Danke für den Glückwunsch!

Was hat Dich auf die Idee zu einem regelmäßigen PERRY RHODAN-Cartoon gebracht – und dann auch noch täglich, sieben mal die Woche?

Das habe ich eigentlich gar nicht geplant. Es ist einfach so passiert. Nach dem ersten Daily Perry sind mir immer wieder Ideen zu weiteren Cartoons gekommen, die ich dann gleich umgesetzt habe. Als es dann soweit kam, dass ich die Ideen aus Zeitgründen nur noch hinkritzeln konnte, habe ich beschlossen den Perry Cartoon fortan täglich zu bringen.

Beeinflusst hat mich dabei auch das Buch “The Daily Zoo” von Chris Ayers, dass mir meine Frau zu Weihnachten geschenkt hat.

Über die Konsequenzen habe ich dabei überhaupt nicht nachgedacht. Es ist schwer rational zu erklären. Ich musste es einfach tun. Bisher habe ich meine kreative Energie immer in enge Bahnen gelenkt. Beim Daily Perry jedoch folge ich einfach meinen Ideen und tue was mir mein Gefühl sagt. Einzige Bedingung: es muss unterhaltsam sein.

Das Ganze regelmäßig im Web und über die sozialen Netzwerke wie Facebook und Twitter zu veröffentlichen, war von Anfang an die Idee?

Ja das war von Anfang an meine Idee. Da ich für meine Risszeichnungen auch eine eigene Facebook-Seite habe, bot sich das ja an. Es ist die Interaktion mit den Facebook-Nutzern, die die Cartoons kommentieren, die mir wirklich gut gefällt. Manche Themen wie z. B. der Fellaktivator wären ohne die Kommentare bei Facebook nie entstanden.

Im Gegensatz zu den Risszeichnungen, von denen ich ja höchstens 2 bis 3 Stück pro Jahr mache gibt es beim Daily Perry viel mehr zu posten.

Der erste Daily Perry ist ja im Grunde genommen kein Daily Perry sondern ein Cartoon, mit dem ich erklären wollte was ein Risszeichner ist. Als ich dann im PERRY RHODAN-Forum die Frage “Wo ist Atlan?” sah und die Lösung dazu zeichnete war der erste offizielle Daily Perry geboren.

Ist täglich nicht tödlich? Am Anfang war ich schon skeptisch, wie Du einen täglichen Cartoon das durchhalten willst. Wie machst Du das?

Jeden Tag einen Daily Perry zu machen, das ist keine Herausforderung! Als kreativer Mensch ein stabiles Leben zu führen (schließlich habe ich Frau und Kinder) das ist die eigentliche Herausforderung! Die [aktuellen] Daily Perrys habe ich noch vor meinem Herbsturlaub bis zur Nummer 102 fertig gemacht. D.h. letzte Woche habe ich immer zwei Daily Perrys am Tag gemacht. Also – geht doch!

Es hilft natürlich, wenn man seine Umgebung beobachtet und selbst bei den einfachen Dingen des Alltags überlegt wie diese im Daily Perry Universum aussehen könnten. Auch spreche ich viel mit meiner Frau über meine Ideen zu neuen Cartoons und im Dialog ergeben sich dann wieder weitere neue Ideen. Insbesondere die “Miniserien” mit zwei bis drei Cartoons zum selben Thema entstehen oft auf diese Weise. Kommentare auf Facebook sind eine weitere Quelle, die mich zu neuen Ideen anregen. Es gibt aber auch Leute, die mir direkt Ideen z. B. per Mail zusenden.

Langsam kristallisieren sich spezielle eigene Daily Perry Meme wie z. B. das Hamstern der Osram-Glühlampen durch Deinen Perry heraus; andererseits bist Du oft tagesaktuell mit den Ereignissen in unserem Universum. Wann entscheidet sich, was Du am nächsten Tag bringst?

Tagesaktuelle Themen bringe ich nur dann, wenn mir auch etwas Witziges dazu einfällt und das Thema sich dazu eignet. Die Darstellung von Sex und Gewalt ist dabei tabu. Aber man kann harte Themen ja auch auf hintergründigere Weise angehen und durch den Humor entschärfen.

Das Hamstern der Glühbirnen zieht sich inzwischen wie ein roter Faden durch das Daily Perryversum. Es werden mit der Zeit noch weitere dazukommen. Die Yps-Hefte mit den Urzeitkrebsen, Raider und Drei-Wetter-Taft haben es ja auch schon in die Daily Perry Welt geschafft.

Wie zeichnest Du die Cartoons? Format, Stifte, digitale Nachbearbeitung? Verfügst Du schon über vorgefertigte digitale Schablonen Deiner Figuren, die Du nur noch geringfügig anpasst?

Ich skizziere die Daily Perrys mit Bleistift in ein A5-Heft, das immer griffbereit in meiner Nähe auf weitere Eingebungen wartet. Allerdings schaffe ich es manchmal nicht bis zum Skizzenheft, dann muss auch ein Kugelschreiber und ein Notizblatt reichen.

Wenn ich mehrere Ideen auf einmal habe skizziere ich sehr grob. Das ist dann für Aussenstehende kaum zu erkennen. Ich nenne es mal “Grafisches Steno”. Es hilft mir mein Gedächtniss zu entlasten, damit die nächsten Ideen nicht zu lange warten müssen. Nichts ist schlimmer, als einen wirklich witzigen Daily Perry zu vergessen, weil das Kurzzeitgedächtnis nur 7 Plätze frei hat und ein Telefonanruf oder der Paketbote Deine Aufmerksamkeit einfordert.

Dann scanne ich die Skizze mit 300 dpi als Graustufenbild ein und zeichne am Computer den Cartoon fertig. Ich arbeite unter dem Betriebssystem Ubuntu mit der Software MyPaint und Gimp.

Anfangs habe ich für jeden Cartoon alles wieder neu gezeichnet. Das ist überwiegend immer noch so. Allerdings habe ich inzwischen z. B. für Perrys Büro eine Vorlage.

Als Risszeichner für PERRY RHODAN sind Deine Arbeiten mit am technisch fortgeschrittensten; Du erstellst quasi virtuelle Schnittmodelle mit allen Details als 3D-Objekte und renderst von einem von Dir gewählten Blickwinkel eine am Ende die fast wieder wie gezeichnet wirkende Risszeichnung aus. Ist “Daily Perry” für Dich der Kontrast zur langwierigen und fummeligen RZ-Arbeit?

Absolut! Obwohl ich Zeichentablet und Computer benutze zeichne ich ja meine Handskizzen nach. Oft fallen mir dabei noch Kleinigkeiten ein, die ich dann mit in den Daily Perry aufnehme. So unterscheidet sich der endgültige Cartoon also immer von der Skizze und das Zeichnen am PC bringt mir dadurch noch zusätzlichen Spaß. Dadurch ist auch das “Osram-Thema” entstanden. Denn ich hasse es ja zwei Dinge auf die gleiche Weise zu tun.

Mir wird schnell langweilig. Und – nun ja – die eigene Bleistiftskizze nochmal abzuzeichnen, ist schon so ein langweiliger Moment, der durch die Osram-Kiste, die ich dem Perry dann unter den Arm klemme entschwindet.

Wie sind die Reaktionen der PERRY RHODAN-Fans auf Daily Perry? Und wie ist das Feedback von Seiten der PR-Redakteure?

Also ich kann nur etwas zu den Reaktionen auf Facebook sagen, da die dortigen Nutzer sehr aktiv sind. Die Meisten reagieren sehr positiv und lassen sich von der Welt des Daily Perry einfangen. Und das sind nicht alles nur eingefleischte PERRY RHODAN-Fans.

Am meisten beeindruckt mich immer wieder, wie die Leute eigene Ideen entwickeln oder darüber diskutieren, wie es in der jeweiligen Situation, die im Cartoon dargestellt wird weitergehen könnte. Auch gibt es viele Vorschläge, was Perry neben den Osram-Glühbirnen noch so alles in seinem geheimen Vorratslager horten könnte.

Es gibt aber auch Leute, die den Humor der Daily Perrys nicht verstehen oder teilen. Der Daily Perry Humor ist eben nicht jedermans Sache.

Von der PERRY RHODAN-Redaktion und den Autoren (zumindest denen die auf Facebook aktiv sind) gibt es bisher nur positive Reaktionen. Wenn ich ehrlich bin habe ich bei der Redaktion bisher nie direkt nachgefragt. Das steht noch auf meiner Liste. Von der PERRY RHODAN himself jedenfalls teilt bisher täglich den Daily Perry.

Wie geht es in den nächsten Wochen und Monaten mit Daily Perry weiter?

Es ist verrückt. Inzwischen existiert eine komplette Daily Perry Welt in meinem Kopf und Perrys Abenteuer gehen immer weiter …

Allein die Reisen durch das aufblasbare Instant-Portal in fremde Universen (z. B. das Star Wars-Universum) eröffnen ungeahnte Möglichkeiten.

Ich bin übrigens seit 25 Jahren ein Fan der PERRY RHODAN-Serie. Und so entfalten die Daily Perrys nur dann ihre volle Humorkraft wenn man sich im Grunde eben nicht über PERRY RHODAN lustig macht.

Nur in dem Spannungsverhältnis zwischen dem ernsthaften Held der PERRY RHODAN-Hefte und den absurden Situationen, in die sich mein Perry immer wieder bringt liegt die Kraft der Daily Perrys.

“To boldly go, where no Perry has gone before…”

Danke schön, Lars für dieses E-Mail-Interview zu Daily Perry #100 und viel Spaß für die nächsten Wochen und Monate mit den gesitern, die Du gerufen hast.

PERRYMANIA – Die offizielle Website für Daily Perry
Daily Perry
auf Facebook
Risszeichnungen.de – Lars’ RZ-Site
@bubelix – Lars Bublitz auf Twitter

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30 Jahre PERRY RHODAN-Risszeichner™

Meine Bewerbung fürs PERRY RHODAN-Profi-Risszeichner-Team im Jahre 1982: Kombi-RZ in A1 mit Experimental-Kugelraumer und Satelliten-Plattform im Vordergrund, nie vollendet.

Vorgestern vor 30 Jahren, am Samstag, den 16. Oktober 1982, bin ich quasi offiziell ins Team der ‘professionellen’ Risszeichner der PERRY RODAN-Serie aufgenommen worden. Zumindest habe ich die Einladung zu einem Risszeichner-Treffen bei PR-Exposé-Autor Willi Voltz in Heusenstamm – vermittelt durch Günter Puschmann – als einen solchen Ritterschlag empfunden.

Kurz erwähnt hatte ich dieses für mich so einschneidende Treffen schon in meinem Post zu Jürgen Rudigs RZ EXCALIBUR “Rudig Reloaded.” 30 Jahre wie 1 Tag [1]. Mit drei Veröffentlichungen von Leser-RZs in PR und ATLAN-Leserkontaktseiten und meiner Mitarbeit im “Rißzeichner-Club Deutschland” (RZCD) war ich bei Willi schon mehr oder weniger wohlgelitten. [2] Die oben gezeigte freie Arbeit einer Kombinations-RZ in zwei unterschiedlichen Maßstäben in Hinter- und Vordergrund hätte absolutes Neuland im Bereich der RZs geboten und zeigte unter dem Einfluss der Wirkung des Redhorse-Jägers [3] einen deutlichen Entwicklungssprung zu meinen Amateur-RZs bis dato.

Das ganze DIN A1-Blatt wäre hier schwer zu erkennen gewesen, deshalb die zwei getrennten Scans vom selben Bogen. Ein Click auf die hinterlegte HiRes-Version und Reinzoomen lohnt! Einige werden die spätere Verwendung der Satelliten-Plattform in der Datenblattreihe Die Explorerflotte des Solaren Imperiums Folge 2 “Wartungskommando der EX-4323/C-2 und interstellare Beobachtungs- und Messplattform” (PR IV 535) wieder erkennen. Die Kugelraumerzelle oben – damals unter heftigen Einfluss der Arbeiten von Paul Gillon in Die Schiffbrüchigen der Zeit – habe ich noch nie öffentlich gemacht.

Zurück zum RZ-Treffen vom 16. Oktober 1982 in Heusenstamm. Da die eigenen Erinnerungen so täuschen können, habe ich einen anderen Zeugenbericht dazu ausgemacht. Heiner Högel schrieb in der von ihm verantworteten Ausgabe des Rißzeichnerjournals des RZCD 10/82 auf den Seiten 2 und 3:

“Am 16. 10. [1982] trafen sich einige Rißzeichner bei Willi Voltz in Heusenstamm. Gekommen waren Günter Puschmann, Oliver Scholl, Hans Knößlsdorfer, Heinz Haßfeld, Gregor Sedlag, Jürgen Rudig und meine Wenigkeit. Willi hatte von Seiten des Verlags Walter A. Fuchs mitgebracht. Unser vordringliches Anliegen war zunächst die leidige Honorarfrage.

Die derzeitige Honorarspanne bei PR bewegt sich zwischen 150 DM für [Datenblätter] und 350 DM für Spitzen-RZs. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern, während wir für die ATLAN-Serie durchsetzen konnten, daß künftig statt des bisherigen (lächerlich geringen) Pauschalhonorars je nach Qualität der RZs auch mal etwas mehr gezahlt wird. Insgesamt aber wird das Honorarniveau bei ATLAN immer deutlich unter dem der PR-Serie liegen, da die Auflagen zahlen doch zu unterschiedlich sind.

Das Problem mit den Nachdruckhonoraren ist jetzt auch geklärt: Willi wird in halbjährigen Abstand an alle betroffenen Rißzeichner einer Liste aller RZ-Veröffentlichungen innerhalb der Rhodan-Auflagen II bis IV verschicken. Daraus kan dann jeder Zeichner selbst ablesen, ob und wieviel Nachdrucke es im letzten Jahr von ihm gegeben hat. Für jeden Nachdruck darf er dem Verlag 50 DM in Rechnung stellen.

Am vierten RZ-Sammelband, der im Herbst 1983 erscheinen wird, werden die PR-Rißzeichner in irgendeiner Form beteiligt werden (außer durch die RZs natürlich!). Möglicherweise wird Willi die ein- und überleitenden Texte zu den einzelnen Kapiteln von jeweils einem Zeichner gestalten lassen. Das Titelbild könnte von Oliver Scholl kommen.

Ein Appell Willis an alle: Zeichnet mehr über Themen der Alltagstechnik! Auch in den DBs ist dafür sicherlich Platz.

Ich selbst habe Willi den Vorschlag für eine größere technologische Neuerung in der PR-Handlung gemacht, d. h. es wird eigentlich keine neue Technologie, sondern ein neuartiger Einsatz vorhandener Technologien angestrebt. Es geht darum, die Aufgaben, die bisher von oberflächengebundenen Raumhäfen erfüllt wurden, zukünftig auf weltraumgestützte Einrichtungen zu übertragen.

Damit möchte ich einem über 1000 Bände lang praktizierten Unfug aufräumen: Die in der PR-Serie beschriebenen Bodenstarts und Atmosphärenmanöver der Raumschiffe würden die betroffenen Planeten und deren Gashüllen im Nu ruinieren! Schon der Start eines 100-m-Kreuzers in der üblichen Manier reichte aus, einen halben Ozean zu verdampfen. Die physikalischen Größen, die man nach einer geeigneten Rechnung erhält, haben wirklich Weltuntergangscharakter.

Deshalb sollen künftig alle größeren Raumschiffe – zumindest im Normalfall – aus den Atmosphären verbannt werden, was natürlich die Einrichtung großer Orbitstationen erforderlich macht, über die der Warentransport zur Planetenoberfläche beispielsweise durch Transmitterbrücken erfolgen könnte.

Die Details der Angelegenheit stehen allerdings noch lange nicht fest. Willi hat mir quasi freie Hand gegeben, ein brauchbares Konzept zu entwickeln, das er dann evtl. ab PR-Band 1200 in die Serie einbringen will. Ich könnte mir vorstellen, daß vielleicht der eine oder andere unter euch eigene Vorstellungen und Ideen zu diesem Thema hat. Daraus ließe sich bestimmt ein Diskussionspunkt für den Con beim Gregor machen.”

Dieser Con fand dann auch im November des gleichen Jahres in meinem Elternhaus statt, aber das ist dann vielleicht schon wieder eine andere Geschichte.

Im Webarchiv des RZJ [4] sind einige der RZCD-internen Ausgaben aus der Frühzeit zu finden, die hier zitierte Ausgabe von Heiner Högel it noch nicht darunter.

[1] PHUTURAMA: “Rudig Reloaded.” 30 Jahre wie 1 Tag
[2] Perrypedia: Gregor Sedlag: Leserrisszeichnungen
[3] PHUTURAMA: “Alles nur ein Spaß?” – 30 Jahre Redhorse-Jäger. Ein Interview mit Jürgen Rudig
[4] RZJ – Das Rißzeichnungsjournal

 

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“Analog is the new digital” – Ein Fünkchen Zukunft für Frankfurt

Britta Friedrich von der Frankfurter Buchmesse und Veranstalterin der die Messe begleitenden StoryDrive-Konferenz hat zusammen mit newthinking-Projekt-Mastermind Andreas Wichmann 22 Personen, die etwas mit Medien machen, aus der Zukunft des Jahres 2022 heraus befragt – darunter auch mich.

Da dies naturgegeben technisch schwierig ist, haben unsere “Messages from the future” [2] einen spekulativen Blaustich und anachronistische Fehlübertragungen aus anderen Zeitlinien (Modem-Einwahlgeräusche).

Ob meine Zeitkapsel unter der illustren Schar von Medienmenschen – u. a. Günter Dueck, Markus Beckedahl oder Kristian Costa-Zahn – mithalten kann, sei mal euch überlassen, zumindest habe ich mit der steilen Ansage “Analog is the new digital” die kürzeste These überhaupt vertreten.

Ich habe mir alle 22 Beiträge angeschaut und finde das Projekt trotz der etwas formal einengenden Zukunftsmetapher gut, da hier einige auf den ersten Blick weitreichendere Science-Fiction-Szenarien zur Medienentwicklung ausgebreitet werden.

Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Kampagne im Vorfeld und als Countdown zur Buchmesse bei Teilen des konservativeren Publikums dort als “avantgardistisch” verstanden werden [3] – und was vielleicht nicht immer als Kompliment gemeint war.

Ich bin im Rahmen dieses Projekts auch am Samstag, den 13. Oktober 2012 ab 13.30 auf der Frankfurter Buchmesse als Teilnehmer beim StoryDrive Festival-Workshop “Ideenreich Zukunft: Das Morgen im Heute” anzutreffen. [4]

[1] Message from the future #6 – “Anlog ist new digital” inklusive Background-Interview
[2] #FBM12 StoryDrive “Messages from the future”
[3] Facebook-Post von Andreas Wichmann
[4] StoryDrive Festival-Workshop “Ideenreich Zukunft: Das Morgen im Heute”

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“Silent Running” beim #ILATweetup

Risszeichner trifft Raumfahrer: André Kuipers, ESA-Astronaut mit PERRY RHODAN-Vergangenheit, brachte ein kosmisches Strahlen zurück zur Erde (Photo courtesy Andreas Schepers, ESA).

Am Freitag, dem 14. September 2012 war ich von Andreas Schepers (ESA) zum #ILATweetup [1] eingeladen worden, hatte die Veranstaltung dankbar unter der Rubrik “Mostly harmless” verbuchen wollen und freute mich vor allem auf das ILA-Programm im Static wie im Flying Display.

Es sollte anders kommen. Mit seinem Kollegen Marco Trovatello (DLR) haben die beiden zusammen mit ihrem Team einen so dicht gepackten Event samt komfortablen Shuttle-Transport von Berlin Hbf zum ILA-Gelände Schönefeld [2] und zurück organisiert, dass ich mich für die wenigen Highlights des Flugprogramms (Eurofighter Typhoon, MiG-29) aus “Room Bravo” regelrecht davonstehlen musste.

Als eigentlich bloß gelegentlicher Hörer von Raumzeit, des gemeinsamen Podcasts von DLR und ESA mit Tim Pritlove [3], war ich dennoch schon bestens ins Themenspektrum eingeführt, um die nachfolgende Kaskade dicht gepackter aktueller Weltraumforschungsvorträge gelassen zu überstehen. Auch wenn die Vorlaufzeiten der einzelnen Missionen der ESA sich manchmal über Jahrzehnte hinziehen, hat die europäische Weltraumorganisation inzwischen eine beeindruckend dicht gepackte Pipeline von hoch interessanten Projekten in allen Bereichen der Weltraumfahrt versammelt.

Höhepunkte sind sicherlich die kommenden Erkundungen der geologisch hochinteressanten Jupiter- und Saturnmonde, die in vielerlei Hinsicht Ähnlichkeiten mit unserer Erdvergangenheit aufweisen (z. B. der JUICE – Jupiter Icy Moons Explorer [4]).

(more…)

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“Stahlorchidee” vs. “Iron Orchid”

Inspiration oder Konspiration – Name und Formelemente von Slavinskys "Iron Orchid" korrespondieren mit dem Design der "Solaren Residenz"

Dies ist der Beginn einer seltsamen Detektivgeschichte über Inspiration, Konspiration oder bloßen Zufall. Da ich weiß, wie oft Vorbilder als Trigger für eigenständige Arbeiten fungieren, dachte ich, ich hätte hier einen Scoop gelandet – und die geheimen Quellen zur Gestaltung der “Solaren Residenz” [1] enthüllt.

Beim Rumsurfen bin ich irgendwann einmal auf Dan Slavinskys Blog findingslav – A Series of Drawings from the End of Time Bartlett, London 2010 [2] gestoßen, in dem neben anderen faszinierenden an Lebbeus Woods erinnernde Illustrationen auch eine “Iron Orchid” [3] abgebildet ist, die mir als Vorlage für die “Solare Residenz” gedient zu haben scheint, die in der PERRY RHODAN-Serie sogar vom terranischen Volksmund als “Stahlorchidee” bezeichnet wird.

Gerade da die “Solare Residenz” in der aktuellen ‘klassischen’ PR-Serie ein wichtiger Handlungsschauplatz ist, wollte ich hier einen schönen Post aus der Reihe “Inspired by…” bringen. Doch es kam anders.

Da die Illustrationen Dan Slawinskys Architektur-inspiriert sind (obwohl viele utopisch-technische Gestaltungselemente dort zu bewundern sind), galt meine Frage sofort Risszeichner und Architekten Günter Puschmann, ob er sich vielleicht damals beim Risszeichnungsposter [4] für den PR-Jubiläumsband 2000 zusammen mit Georg Joergens und Oliver Johanndrees (1998/1999) von Dan Slavinsky beeinflussen ließ.

Aber Günter, den ich daraufhin angeschrieben hatte, hat dies klar verneint. Die Entwürfe zur “Solaren Residenz” sind eigenständig entstanden und die Bezeichnung “Stahlorchidee” wurde von PR-Autor Robert Feldhoff geprägt.

Also vielleicht ein klarer Hinweis, dass PERRY RHODAN – die “größte SF-Serie” – nicht nur Einflüsse aus dem weiten Feld der Phantastik aufnimmt, sondern auch anderen eine Inspirationsquelle ist – und das nicht erst in unserer Gegenwart, wie ich demnächst einmal zur Diskussion stellen werde.

[1] Perrypedia: Solare Residenz
[2] findingslav – A Series of Drawings from the End of Time Bartlett, London 2010
[3] findingslav: “Iron Orchid”
[4] RZ-Journal: “Die Solare Residenz” von Georg Joergens, Oliver Johanndrees und Günter Puschmann

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“PERRY Galore!” Das SPRECHBLASEN-Special zu unserem Mann im All

DIE SPRECHBLASE Nr. 223: Ein Muss für PERRY-Fans, aber auch für alle Comics-Afficianados im Allgemeinen!

Angeregt durch meinen letzten Post “Da geht mehr:-)” – PERRY [RHODAN]-Jubiläumsbilder und -dioramen [1] habe ich mir endlich die schon seit einigen Monaten bei mir lauerende Mammut-Spezialausgabe Nr. 223 zu PERRY – Unser Mann im All und seinem Vorgänger PERRY RHODAN IM BILD der SPRECHBLASE [2] zum Lesen geschnappt.

Ich muss hier noch einmal meine nachhaltige Begeisterung und Bewunderung für die akribische Recherche und tolle detailverliebte Machart dieses besondern Beitrags zum letztjährigen Jubiläums von 50 Jahre PERRY RHODAN zum Ausdruck bringen. Ich hatte den Neustart der SPRECHBLASE nicht so auf dem Schirm, schöne Hintergrundinformationen hierzu findet ihr allerdings im Blog von PERRY RHODAN-Autor Michael Marcus Thurner [3].

Ich bin ja durch PERRY zum Rhodan-Leser und Fan geworden. Gerade die in den späten Magazin-Ausgaben (Nr. 106 bis 129) zusammenhanglos mit veröffentlichten Original-Risszeichnungen der Stammserie – freigestellt auf hellcyan-farbenem Fond – haben mich ganz sicherlich auf ewig geprägt. Nicht umsonst ist die Akzentfarbe hier bei PHUTURAMA Cyanblau.

Das Nr. 223-Special “Hinter den Kulissen der PERRY-Comics” ist gleichzeitig ein Beitrag der SPRECHBLASEN-Reihe “Die ialienischen Wurzeln” und wurde von den Autoren Gerhard Förster und Reginald Rosenfeldt in drei Teile gegliedert: “Teil 1: PERRY RHODAN IM BILD”, “Teil 2: PERRY 1-36 – Konventionelle Kost” und “Teil 3: PERRY 37-129 – Von Sex und Pop zum ‘deutschen SF-Magazin’”. Ergänzt wird das Ganze von ausführlichen Zeichnerporträts, Präsentationen der Nebenserien und einem, nein eigentlich zwei, ausführlichen Interviews mit dem Szenaristen Dirk Hess, den ich selber vor einigen Jahren besuchen durfte und der ein extrem interessanter wie angenehmer Gesprächspartner ist.

Da ich mich selber mit dem RISIKOPILOTEN-Projekt an der eigenständigen Interpretation eines PR-Comics versuche, sind für mich gerade die lebhaften Schilderungen aus der italienischen Studio-Szene hochinteressant. Zum Schluss schwirrt einem der Kopf vom ganzen Hin und Her der Zeichner zwischen Eurostudio, Mailand und Studi Giolitti, Rom und der seltsamen Ein-Mann-Agentur namens Quelle Features des Friedrich Wilhelm König, der nach Bekunden aller Beteiligten wohl einen Löwenanteil des Produktionsbudgets für seine reine Go-between-Funktion eingestrichen haben könnte.

Das Special der SPRECHBLASE macht klar, inwiefern die damaligen italienischen Zeichner in die Entwicklung des europäischen Kommerz-Comics involviert waren (siehe oben: “Die italienischen Wurzeln”). Die an PERRY & Co. beteiligten Künstler haben für bekannte Franchises wie Dan Dare (2000 A.D.), Star Trek, Phantom und natürlich die notorischen Italo-Sexploitation-Fumetti wie Diabolik oder Skorpio (Man beachte das ‘böse’ Kappa in den Titeln) gearbeitet.

Für mich am Erhellendsten, dass die künstlerisch eindrucksvollste und eigenständigste Phase der PERRY-Comics auf Drängen von Dirk Hess durch die Lead-Zeichnerin Marina Bucciarelli realisiert wurde. Gerade die späte Magazin-Phase ist von ihrem einzigartigen Stil geprägt worden, während vorher oft Brüche und Ungereimtheiten aufgrund der arbeitsteiligen Studioproduktion (und der fehlenden Absprache durch die Agentur Quelle Features:-) bei Giolitti entstanden waren.

Der offene, fließende Pop-Art-Stil als grundsätzliches Unterscheidungsmerkmal der PERRY-Comics war hingegen schon vom ersten relevanten Relaunch zur Ausgabe 37 verabschiedet worden und von Giorgio Gambiotti auch explizit so angelegt gewesen. Eine Alleinstellung für PERRY im gesamten Comics-Universum: “Ab Nr. 37 (erschienen im August 1970) wurden die Leser mit grafischen Experimenten konfrontiert, wie sie sie in keinem anderen Comics zu sehen bekamen.”

[1] PHUTURAMA: “Da geht mehr:-)” – PERRY [RHODAN]-Jubiläumsbilder und -dioramen
[2] DIE SPRECHBLASE: Offizielle Homepage und Index zur Ausgabe Nr. 223
[3] Michael Marcus Thurner: Sprechblasen

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“Da geht mehr:-)” – PERRY [RHODAN]-Jubiläumsbilder und -dioramen

PERRY – Unser Mann im All #100 trifft PERRY RHODAN 50; Quelle (1): Internet, Quelle (2): Ben Hary (Herzlichen Dank!)

Vor einigen Tagen hat mich der PERRY-RHODAN-Facebook-Account – da steckt höchstwahrscheinlich der KNF dahinter – auf ein verspätetes Jubiläumsgemälde von Ben Hary zum 50. der Serie aufmerksam gemacht, dass einerseits mein Wimmelbild “Familienaufstellung” [1] zitiert, mich andererseits wegen der nur wenigen wirklichen Hauptfiguren an das sicherlich nicht mehr allen präsente Jubiläumsposter aus Band 100 von PERRY – Unser Mann im All erinnerte.

Ben Hary schrieb mir dann via Facebook, dass ihn mein im letzten Jahr im PERRY RHODAN-Report veröffentlichte Bleistiftarbeit der “50 PR-Charaktere aus 50 Jahren” zu seiner farbigen Umsetzung angeregt habe. Ich finde Komposition, Farbgebung und den gewissen PR-typischen “Sense of Wonder” kommen trotz der Defizite in der Figurenzeichnung gut zum Tragen.

Insbesondere die so ähnliche Bespielung des Hintergrunds mit der SOL (bei mir war es die JULES VERNE) und der BASIS mitsamt der Figur von ES, die viel freundlicher und kompetenter ins Bild gesetzt ist als bei mir, frappant. Das gefällt mir.

In dem Kommentar-Thread fragte mich dann auch Matthias Feist, was denn aus meiner versprochenen Farbversion des Wimmelbilds geworden sei. Es gibt eine Farbversion, die ich exklusiv erstmal dem Magazin des Hans Rudi Wäscher Clubs zur Veröffentlichung zugesandt  habe, die aber quasi ein wenig den HR Wäscher-Kolorationsstil nachempfunden ist und mich nach Betrachtung der beiden Arbeiten hier oben nicht mehr so gefällt.

Ich finde das Motiv ist eine wunderbare Gelegenheit einmal meine eigenen malerischen Fertigkeiten ein wenig aufzupolieren. Wenn ich da mit einem für mich befriedigenden Ergebnis zu Rande komme, dann werde ich das an dieser Stelle gerne zeigen.

[1] PHUTURAMA: “Familienaufstellung” – 50 Charaktere aus 50 Jahren PERRY RHODAN in einem Wimmelbild

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“Auf der dunklen Seite …”

"Wie viel Nazi steckt in Dir?" Crowdfinde es heraus mit Iron Sky, der "Dark Science Fiction Comedy" von Timo Vuorensola, Photo courtesy Berlinale 2012

Die finnisch-deutsch-australische “Dark Science Fiction Comedy” Iron Sky ist das Posterchild der noch jungen Crowdsourcing-Branche. Insbesondere in den nerd- und geek-affinen Kreisen wurde die Persiflage auf bestehende Verschwörungsszenarien um ein zur dunklen, ewig der Erde abgewandten Seite des Mondes geflohenes letztes Aufgebot der Nazis mit leicht gruselig-verbotenem Enthusiasmus aufgenommen.

Welche Faszination üben die Nazis und ihr kulturelles Erbe überhaupt auf die Science-Fiction-affinen Netz-, Nerd- und Geekkulturen aus? Anders als andere totalitäre Herrschaftssysteme ist die NS-Ideologie mit ihrem systematisch in die Tat gesetzten Holocaust gegen die europäischen Juden und anderer als “lebensunwert” betrachteter Gruppen auf der Achse des Bösen ein singuläres Phänomen geblieben. Aber damit ein überzeitlicher Referenzpunkt für zivilisatorische Abgründe schlechthin.

Schon der ersten Generation der damals noch ganz jungen, meist aus New Yorker jüdischen Verhältnissen stammenden Superhelden-Comicschöpfer hatte sich aufgrund der Erfahrungen der in die USA geflohenen europäischen Verwandtschaft in den 30er Jahren das NS-Regime als das logische Raison d’être für ihre Heldengeschichten aufgedrängt. Marvels frühe “Golden Age”-Superhelden kämpften damit propagandistisch vor allem an der Heimatfront, um den isolationistisch geprägten und auch nicht gerade von antisemitischen Ressentiments freien WASP-Mainstream für einen Kriegseintritt der USA gegen Nazi-Deutschland zu gewinnen.

Nach dem Sieg über die Nazis, der mit Hilfe der von vielen europäischen Emigranten bereicherten Hollywood- und US-Kulturindustrie getragen wurde (z. B. war Casablanca ein zeithistorisch topaktueller Film des Jahres 1942, in dem der Sieg der Alliierten überhaupt noch nicht entschieden war!) galt die ideologisch-propagandistische Unterstützung – auch unter dem massiven Druck des McCarthy-Ausschusses gegen “unamerikanische Umtriebe” – zuerst einmal der Abwehr der kommunistischen Bedrohung im Kalten Krieg.

Doch mit der globalen “Kulturrevolution” des Jahres 1968 kam mit New Hollywood eine ganz neue Generation Filmautoren zum Zuge, die die historische und ästhetische Faszination der Nazi-Bedrohung mit den als faschistoid verstandenen Repressalien des US-Establishment gegenüber den Hippie- und Gegenbewegungen zu instrumentalisieren wusste.

Welchen Einfluss zum Beispiel Leni Reifenstahls Propagandafilme für die pop-kulturelle Großerzählung unserer Generation – Star Wars – einnimmt, zeigt die triumphalistische Siegesfeier der Rebellen-Allianz zu Ende von Episode IV: A New Hope, die wesentliche Inszenierungsmerkmale aus der Riefenstahlschen Reichsparteitags-Trilogie zitiert.  Und hinter dem ganzen Star Wars-Universum lauert die Figur des “Dunklen Vaters”, der Samurai-Rüstung mit Totenkopf-SS-Gestaltung Achsenmächte-gerecht in sich vereinigt.

Was auf der Bildebene so prächtig funktionierte, löste George Lucas in der Star Wars-Prequel-Trilogie, die dem “Downfall” des jungen Anakin gewidmet war, dramaturgisch nicht ein. Und dennoch: der preisgekrönte VW-Spot zeigt: Wir würden alle gerne ein wenig auf der dunklen Seite der Macht wandeln – gemeinsam mit unserem “inneren Nazi”, der ein ziemlicher Kindskopf ist: “Kraft durch Freude!”

 

 

Die Faszination der Nazis liegt in ihrer anscheinend organisatorischen Überlegenheit, ihrem radikal-modernistischen revolutionärem Furor, ihrer Attitüde des Anti-Establishments. Sie verbinden, wie der Begriff “Nationalsozialismus” selbst, linke wie rechte Auflehnungsmuster. Sie sind natürlich der Feind, aber auch die Projektionsfläche der eigenen bitter vermisster Stärke auf Seiten der Opfer.

Spätestens hier steht die immer währende Option zur Verführung zur “dunklen Seite der Macht” als moralischer Topos des Nerd- und Geek-Universums auf der Tagesordnung. Er kommt auch in Googles “Don’t be evil”-Statement zum Ausdruck.

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