monochrom’s ISS über Berlin: Mehr Lokalisation wagen!

Schwerelose Diskurshoheit im Orbit über Berlin. monochrom's ISS Crew hier in Episode 3 "Graveyard Orbit"; Foto: Johannes Grenzfurthner

Johannes hatte mit Freikarten für die Donnerstags-Premiere Episode 6 “In Space No One Can Hear You Complain About Your Job” der ISS-Impro-Sitcom im Berliner Ballhaus-Ost geworben. Es sind dann nur ermäßigte Karten bei herausgekommen, so dass ich als zahlender Gast jetzt die ganze Wahrheit sagen darf.

monochroms englischsprachige Performances haben es in Berlin schwer, denn trotz aller Internationalität ist das Publikum eher deutschsprachig. Der Humor ist sehr auf einer akademisch geschulten Metaebene angesiedelt, die Shows gleichzeitig ausufernd und aggressiv dilettantisch. So manche kluge Anspielung bleibt “lost in translation,” während der Klamauk als Oberflächenphänomen die Diskurshoheit übernimmt. Wenn, wie gestern, eine eingeschworene Peer Group das Ganze begleitet, kommt auch dabei Stimmung auf. Aber ich habe monochrom schon Mainhalls leer performanzen sehen, weil sie nicht zum Ende kommen wollten.

Vorbild von monochrom’s ISS [1] ist das Sitcom-Format, so dass dies die Endlos-Überdehnung der Aufmerksamkeitsspanne des Zuschauers im erdnahen Orbit verharren läßt. Johannes Grenzfurthners und Roland Gratzer rahmen als bekannt monochromisierende Conferenciers die durch professionelle Schauspieler besetzte ISS-Crew-Handlung ein. Das trashige Bühnenbild kommt den bekannten Fernsehbildern erstaunlich nah. Die Darstellung der Schwerelosigkeit ist eine Disziplin, die der Hälfte der Crew fast perfekt gelingt. Was aber den scharfen Kontrast zur irdischer agierenden anderen Hälfte der ISS-Besatzung hervorhebt und ein wesentliches Merkmal der Illusionsmaschine Theater verpuffen läßt.

Natürlich ist monochrom’s ISS Konzeptkunst [2] als gespielter Witz erst einmal bestechend: Die Sitcom als Wohnzimmerformat nimmt sich des globalisierten aller Arbeitsplätze an, der International Space Station, um an ihrer Crew zeitgenössische Kapitalismuskritik zerschellen lassen zu können. Dennoch ist die Gloablisierung nicht so weit, dass man in einem Austro-internationalisierten Off-Kulturformat, dass im US-akademischen Milieu durch den Strangeness-Faktor gewinnen mag, unlokalisiert rückübertragen kann.

Ein Wort noch zum Spielort Ballhaus Ost: [3] Persönlich durch die c-base Raumstation unterhalb Berlin [4] sozialisiert und selbstkritisch hinsichtlich des räudigen Charmes sogenannter Off-Locations, bin ich doch entsetzt, wie sperrmüllig diese Spielstätte, die früher als großartige Indie-Club- und Konzertvenue funktioniert hat, jetzt daherkommt. Vielleicht hätte monochrom’s ISS eine glamourösere Spielstätte auf gleichsam internationalem Niveau besser getan.

Und jetzt reingehen oder nicht? Ja, unbedingt und den monochromaten heute Freitag, den 24. Juni oder Samstag, den 25. Juni im Ballhaus Ost eure Meinung sagen. Kostet unermäßigt 13 EUR.

UPDATE: Schöner Tweet von @johannes_mono dazu: [5]

@gregorsedlag: Harmlos! Ist ja ein public recording für HD-Video… schon deswegen ist mir die deutsche Theater-Scholle wurscht. ;) #iss2011

[1] monochroms Website mit aktuellem Pressespiegel zur Berliner Premiere der Bühnenfassung
[2] monochrom’s ISS Projektseite mit den Videos
[3] Website Ballhaus Ost
[4] c-base – Raumstation unterhalb Berlin
[5] https://twitter.com/#!/johannes_mono/status/84273822064320513

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