“Rockets from Russia” – Science Fiction im Ost-West-Dialog

Spätestens bei diesen Raumanzügen war klar, dass in PERRY RHODAN Skaphander zur Standardausrüstung gehörten. Titel und Szene aus "Planeta Bura" von 1962

Alex Cox vom Guardian nimmt sich mit seinem Artikel “Rockets from Russia” [1] anlässlich der zweiten Saison des Programms Kosmos – A Soviet Space Odyssee des British Film Institute (BFI Southbank) [2] die Rehabilitation des Ostblock-Science Fiction-Films an und zählt einige teils vergessenen Perlen auf.

Oder kanntet ihr den 1924-Stummfilm Aëlita – Der Flug zum Mars? [3] Die polnisch-deutsche Produktion nach Stanislaw Lem Der schweigende Stern (1960) [4] ist da mit Sicherheit schon bekannter – auch wegen seiner interessanten Bezüge zu den späteren PERRY RHODAN-Romanen (z. B. das Raumschiff Kosmoskrator). Während die DEFA-Produktion in einer stark veränderten Fassung für den US-Markt adaptiert worden ist, hat der sowjetische Große Bruder gleich Nägel mit Köpfen gemacht und Lems Vorlage als Planeta Bur 1962 noch einmal verfilmt. [5] Roger Corman kaufte dann die Filmrechte und produzierte ein US-Remake davon – Voyage to the Prehistoric Planet [6], das 1968 noch zu Peter Bogdanovichs Voyage to the Planet of Prehistoric Women weiter verwurstet wurde.

Ich lerne das alles hier in Echtzeit mit und für euch kennen – und werde mir die Filme übers demnächst ansehen. Wikipedia gibt jeweils Download- oder Stream Sources an.

Zu den weiteren russischen Highlights im BFI-Programm, gehören natürlich die beiden SF-Klassiker von Andrey Tarkowskij Solaris [7] und Stalker [8], die die programmatische Gegenposition im BFI-Programmtitel zu Stanley Kubrick rechtfertigen. Wer im August nicht nach London reisen will, kann sich im Rahmen einer Retrospektive Andrej Tarkowskij diese beiden Meisterwerke im Berliner Arsenal-Kino im Sony-Center am Potsdamer Platz geben. [9]

[1] The Guardian: Rockets from Russia by Alex Cox
[2] BIF: Kosmos – A Soviet Space Odyssee
[3] WP: Aëlita – Der Flug zum Mars
[4] WP: Der schweigende Stern
[5] WP Russia: Planeta Bura *Google Chromes automatische Überstetzung funktioniert leidlich.*
[6] WP: Voyage to the Prehistoric Planet
[7] WP: Andrej Tarkowskijs Solaris
[8] WP: Andrej Tarkowskijs Stalker
[9| Arsenal – Insttut für Film und Videaokunst e. V. – Retrospektive Andrej Tarkowskij (August 2011)

Die schönste Risszeichnung aller Zeiten? Joachim Luetkes Saturnraumschiff der Choolks

Seit 1965 werden die PERRY RHODAN-Heftromane durch die “Risszeichnungen” bereichert. Mitte der 1970er Jahre etablierte sich eine New Wave von jungen Zeichnern, die als Fans von den großen Vorbildern Rudolf Zengerle, Bernhard Stoessel und Ingolf Thaler angezeckt worden waren. Unter diesen Newcomern ist Joachim Luetke bis heute ein Enigma geblieben, da es nur die oben abgebildete Arbeit des Saturnraumschiffs der Choolks [1] zu geben schien. Eine RZ, die als “Jahrhundertwerk” Maßstäbe in Sachen Faszination, Fremdartigkeit und zeichnerischer Perfektion gesetzt hat.

Für mich als Einsteiger ins “Perryversum” waren die im jugendlichen Comic-Ableger PERRY – Unser Mann im All [2] zweitveröffentlichten RZs auf hellcyan-farbenen Fond so prägend, dass es auch das Stylesheet dieses Blogs mit prägt. Die ersten Risszeichnungen des Pioniers Rudolf Zengerle waren noch sehr erkennbar kopierte Strichumsetzungen der stilprägenden “Space Race”-Reihe des US-Magazins Colliers [3], die später drei offenkundig professionell ausgebildeten Illustratoren der ersten Dekade emanzipierten sich aber schnell von solchen Vorbildern und prägten die für viele PR-Fans so wichtige visuelle Dimension der “Technosphäre” des Serienkosmos. Ein konzeptionelles Manko vieler der damaligen Risszeichnungen war allerdings, dass die drei Zeichner ihrem jeweiligen individuellen Technikdarstellungsstil verhaftet waren, den sie dem jeweiligen RZ-Sujets aufprägten. Die in der PR-Serie geschilderte Technik des Hilfsvolks der Superintelligenz KAISERIN VON THERM – den Choolks [4] – war allerdings so fremdartig und fortgeschritten, dass die von Joachim Luetke gewählte “metaphorische” Bildsprache in der Technikdarstellung wie auch im teils hyperdetaillierten Zeichenstil eine ganz neue Dimension der PERRY RHODAN-Risszeichnung darstellte.

Seine fremdartigen “Bildmetaphern” für die Choolk-Technologie sind beim näheren Hinsehen allerdings gar nicht so außerirdisch: die Triebwerksprojektoren entstammen dem Biologiebuch, Kapitel “Facettenauge”, Teile des Aggregategewusels sind technischen Handbüchern des Kfz-Gewerbes entnommen, man erkennt einen Ventiltrieb. Die Gesamtkomposition ist durch den steten Wechsel von großzügigen Weißflächen und kleinteiligen Aggregaten durchdrungen. Die realistische Fluchtpunktperspektive der Kugelzelle ist etwas verschoben, aber bedeutete im Vergleich zu den von Berhard Stoesssel weitgehend durchgesetzten iso- bzw. dimetrischen Projektionen einen Gewinn an Lebendigkeit und Anziehungskraft. Der Gipfel der Frechheit: Das Raumschiff heißt ja gerade “Saturnraumschiff” – vom Namen gebenden Ring (einer Antriebsprojektionsfelderscheinung) ist in der eigentlichen RZ (die kleine Beizeichnung aus PR 1. Auflage, Band 827, 1975 [5] ist hier nicht abgebildet) aber nichts zu sehen. Vielleicht war die Risszeichnung ja sogar vor der Exposé-Beschreibung in Arbeit gewesen und wurde erst später dem halbwegs passenden Sujet zugeordnet?

Es bliebe ein Rätsel, wenn ich nicht im Zuge der Vorbereitungen zur “Space Design”-Veranstaltung beim PR-WeltCon 2011 [5] ein wenig nach Joachim Luetke gesucht hätte und wesentlich schneller als erhofft auch fündig geworden wäre. Joachim Luetke ist der Phantastik als Gestalter treu geblieben und hat sich über die Jahrzehnte als ein renommierter Cover-, CD-, DVD-Artist im morbiden Dark Metal-Genre einen Namen gemacht. [6] Als ich seine Bilder, teils in der Tradition H. R. Gigers stehend, sah, war mir sofort klar, dass er der Schöpfer des Saturnraumschiffs der Choolks sein müsste.

Ich habe Kontakt mit Joachim Luetke aufgenommen und hoffe in der nächsten Zeit Antworten auf einige brennende Fragen um diese Arbeit, aber auch um weitere Vorgänger- und Nachfolgewerke zu erhalten.

[1] RZJ: Von Freihand zur Folie, Folge 11 – RZ-Historie von Günter Puschmann, mir und später von Georg Joergens redigiert und fortgesetzt
[2] Perrypedia: PERRY – Unser Mann im All
[3] Der italienische SF-Experte Fabio Feminò über die Colliers-Specials, mit den ursprüngliche Vorbildern der PERRY RHODAN-Risszeichnungen
[4] Perrypedia: Choolks
[5] Materiequelle: Scan der Heftmitten-RZ
[6] YouTube: Joachim Luetkes Kanal Dark Asylum-TV mit weitergehenden Links zu seinen Arbeiten

“Versagensängste in verschiedenen Verkehrssituationen” – Transformers 3: Auf der dunklen Seite des Mondes

Da die Erwartungen aufgrund meiner TV-Erlebnisse mit den vorherigen Transformers-Verfilmungen denkbar niedrig gehalten waren, konnte mich Transformers 3 – Auf der dunklen Seite des Mondes gar nicht mehr richtig enttäuschen. Die teils schweren Totalverrisse z. B. in Fünf Filmfreunde [1] und Spiegel Online [2] lassen einige schöne Aspekte des Films und bemerkenswerte popkulturell-nerdige Anspielungen in den Dialogen (die sogar die deutsche Synchronisation überstanden haben) unberücksichtigt.

So erfahren wir passend zum 50-jährigen Jubiläum der bemannten Weltraumfahrt, dass das ganze “Space Race” der 1960er Jahre zwischen den Großmächten nur der Bergung des gestrandeten cybertronischen Raumers Ark galt. PERRY-RHODAN-Feunde aufgemerkt: jetzt klaut Hollywood uns auch noch den Gründungsmythos unseres Mannes im All! Und aktuell zum Beschluss des Deutschen Bundestags zum vorübergehend finalen Atomausstieg erfahren wir endlich auch, was 1986 wirklich den Tschernobyl-Super-GAU ausgelöst hat: Schlamperei im Umgang mit cybertronischen Energon-Trägern.

Darüberhinaus werden amerikanischen Ur-Traumata von der Ermordung Abraham Lincolns und JFKs (im wiederkehrenden Motiv des Lincoln Continental), der Challenger-Katastrophe bis hin zu den Angriffen des 11. Septembers 2001 abgehandelt. Wesentliche Teile der wichtigsten Action-Sequenzen stellen die Frage: “Was hättest Du gemacht, wenn Du an 9/11 in den Twin Towers gewesen wärst?” Hochsensibel, aber auch etwas perfide die demonstrative Zerlegung Chicagos anstelle des Katastrophenfilm-technisch verbrannten New Yorks.

Das Staraufgebot und das sichtbare Vergnügen der Hollywoodrecken wie John Malkovich, Patrick Dempsey, John Torturro oder – ganz wunderbar – Frances McDormand als eine positive US-Verkörperung des abtrünnigen SMERSH-Führungskaders Rosa Klebb (Lotte Lenya) aus From Russia with Love [3] sind das notwendige Salz in den ständigen Crash-Crescendi dieser digitalen 3D-Stock Car-Battle! Darüberhinaus gibt es noch ein wunderbares Cameo mit Buzz Aldrin als Zeitzeuge des großen Apollo-11-Cover-ups.

“Congratulations, Michael Bay!” [4] Auf Basis einer für Jungen bis 9 Jahren altersgerechten Hasbro-Spielzeugroboter-Franchises, die eine amerikanische Übernahme des japanischen Robot-Animismus (≠ Anime) sind, eine Blockbuster-Serie aufzusetzen, die auf das aus eimergroßen Popcornkübeln mampfende Teenager-Kernpublikum von 16 bis 19 Jahren gerichtet ist und im wesentlichen deren Versagensängste in unterschiedlichen Verkehrssituationen – Sex, individuelle Mobilität und Berufsaufstieg – mit deren testosteron-überbordender Pubertäts-Jungmännlichkeit metaphoriert, finde ich eine handwerklich bemerkenswerte Leistung (Buch: Ehren Kruger).

Leider habe ich noch keine Gender Studies-erprobte Stimme gehört, die mal nach dem Verbleib der TransformerInnen fragt. Ob Autocons oder Decepticons, der Grundkonflikt dieser zwei offenkundig aus post-ideologischen Gründen gegeneinander kämpfenden Robotervölker ist ganz klar ein männlich dominiertes Diskurs-Heat.

Die Kritiker werfen dem Film dann auch noch Ernsthaftigkeit vor, was bedeutet, dass die im Film dargestellten Konflikte tatsächlich durchgekaut werden – bis zu einem gewissen guten Ende. Niemals war übrigens das dramaturgische Stilmittel des Deus ex Machina so zutreffend wie beim finalen Move, der die gute Autocon-Ordnung auf Erden wieder herstellt.”

Das in Wikipedia [5] genannte Budget von $ 195 Mio. nehme ich dem Film übrigens ab – jeder Voxel ein Milli-Cent!

[1] Fünf Filmfreunde: “Aber dank 3D muss sich Bay von seinem üblichen Nahaufnahmen/Wackelcam-Schnittinferno verabschieden und tatsächlich mal zeigen, was eigentlich gerade passiert.”
[2] SPON: “Die humorfreie Blech-Parade erweist sich als absolut unterhaltungsuntüchtig.”
[3] WP: Ian Fleming’s James Bond 007: From Russia with Love
[4] Michael Bays Blog: “Hasbro Thanks Michael Bay in The Hollywood Reporter”
[5] WP: Transformers 3 – Dark of the Moon

Zurück zur BASIS!

Keine "kosmische Spielothek" mehr, sondern fernwandelnder Messestandort. Postermotiv mit farbenfroher Neuinterpretation der legendären BASIS durch Günter Puschmann.

Die runden Hunderter-Jubiläumsbände der PERRY RHODAN-Serie sind die Default-Einstiegsluken für interessierte Draußensteher und abgehängte Wiedereinsteiger. Mit dem dieser Tage noch an den Kiosken lungernden Band 2600 Das Thanatos-Programm [1] von Exposé-Autor Uwe Anton beginnt ein neuer Handlungsabschnitt –auf Perrydeutsch der Der Neuroversum-Zyklus [2] geheißen. Und es gibt aus meiner PHUTURAMA-Sicht eine echte Überraschung – die Rückkehr der BASIS [3] in die Handlung.

In den letzten Jahren sind diese Jubiläumsbände wirklich sehr einsteigerfreundlich gewesen und lieferten eine starke Exposition für den gesamten darauf aufbauenden Zyklus. In Band 2300 Vorboten des Chaos lieferte der leider 2009 verstorbene Robert Feldhoff sein Meisterstück in Sachen hochdramatischen Einstiegsroman ab – Auftakt für ein vierjähriges Doppelzyklus-Spektakel um das drohende Entstehen einer Negasphäre in der unmittelbaren kosmischen Nachbarschaft. Frank Borschs Über-Jubiläumsband 2500 Projekt Saturn brachte einen ausreichend großen Zeitsprung und mit der Entdeckung des Polyport-Netzes den so PERRY RHODAN-typischen “Sense of Wonder” zurück – kein Wunder bei den vielen Anleihen an den legendären Meister-der-Insel-Zyklus aus der Anfangszeit der Serie.

Mit nur sechs Jahren Zeitsprung zum abschließenden Band 2599 des Stardust-Zyklus und der wiederum indirekt auf ES hinweisenden Handlungsmotive – das Auftauchen des “Chronisten” Delorian – fällt für mich jetzt bei Band 2600 der Neubeginn nicht so heftig aus. Mehr Kontinuität, denn Disruption.

Zur Kontinuität gehört auch, dass Perry Rhodans langjähriges, zwischenzeitlich zum Casino-Raumer runtergewirtschaftetes Fernraumschiff BASIS wieder in Betrieb genommen wird.  Allerdings eher als Marketing-Gag à la “Gorch Fock” (inklusive negativer Schlagzeilen), um Allan D. Mercants neugegründete intergalaktische Außenhandelsorganisation “Polyport-Konsortium” zu promoten. Mit der Wiedereinbringung der BASIS lag die Idee nahe, RZ-Altmeister und SOL-Gestalter Günter Puschmann ein Farbposter des Giganten für den Jubiläumsband als Goodie beitragen zu lassen. Günter war so nett mir exklusiv eine runtergerechnete Datei für diesen Beitrag zuzusenden!

Mir gefällt die Modernsierung sehr gut. Die Details auf der Schiffshülle haben den expressionistischen Strich eines John Berkey [4] des digitalen Zeitalters, während die kosmische Hintergrundexplosionen an Johnny Brucks größte All-Tapeziereien erinnern. Dass ein Risszeichner die Form der überarbeiteten BASIS gekonnt zu interpretieren weiß, war klar. Doch ist dies kein Grund für den Uwe Anton auf jedwede BASIS-spezifische Interior-Beschreibungen im Roman zu verzichten. Dies gilt für die Besonderheit der dekonstruktiv zusammengeschachtelten Deckstrukturen, wie sie Oliver Scholl der verblüfften Rhodan-Gemeinde erstmals 1980 auf dem ersten PR-WeltCon in Mannheim mit seiner Jahrhundert-RZ [5] präsentiert hat.

Was die oft stiefmütterliche Behandlung der BASIS anbelangt, steht Uwe Antons Auslassung in gewohnter Kontinuität – die spezifischen platzoptimierten gravogeschleusten Deckstrukturen wie von Kurt Mahrs in PR 868 Aufbruch der BASIS eingeführt, werden wie in den Jahrzehnten zuvor nicht erwähnt.

[1] Informationen auf der PR-Website zum Gratis-Download des Romans als Hörbuch
[2] Zum Neuroversum-Zyklus auf der PR-Website
[3] Perrypedia: BASIS
[4] WP: John Berkey
[5 ] Scan des Risszeichnungposters aus PR 1100

PERRY RHODAN #2600 Launches Open Access to all the Series’ Pages Ever Published

It is to be the “largest e-book project in the world”: Together with its technical partner book wire GmbH [1] the PERRY RHODAN editors are planning to make all previously released 200,000 pages of the series completely available for download – “a world record attempt,” as the publisher VPM [2] tells.

The attempt launches with the new “Jubillee” issue 2600 “Das Thanatos-Programm” of the weekly series, followed by the Silver Bands, and all other off-series paperback novels. The project is starting on 17 June with the launching very number 2600 of the world’s largest science-fiction novel series, which runs now for nearly 50 years and will celeberate this event in the end of September with a special world convention in Mannheim – WeltCon2011 [3] – an special event I am happy to contribute to in form of the “Space Design” panel. [4]

The e-Pub formatted files won’t be free of charge (€ 1,59), but they won’t be burdenend by any Digital Rights Management foo “to run on all e-reader platforms.” [5]

[1] Official book wire GmbH web site
[2] Official PERRY RHODAN web site
[3] Special WeltCon2001 themed web site by PERRY RHODAN
[4] PHUTURAMA > EVENTS
[5] buchmarkt.de reports “PERRY RHODAN zum Jubiläum kostenlos zum Download”

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