“Stahlorchidee” vs. “Iron Orchid”

Inspiration oder Konspiration – Name und Formelemente von Slavinskys "Iron Orchid" korrespondieren mit dem Design der "Solaren Residenz"

Dies ist der Beginn einer seltsamen Detektivgeschichte über Inspiration, Konspiration oder bloßen Zufall. Da ich weiß, wie oft Vorbilder als Trigger für eigenständige Arbeiten fungieren, dachte ich, ich hätte hier einen Scoop gelandet – und die geheimen Quellen zur Gestaltung der “Solaren Residenz” [1] enthüllt.

Beim Rumsurfen bin ich irgendwann einmal auf Dan Slavinskys Blog findingslav – A Series of Drawings from the End of Time Bartlett, London 2010 [2] gestoßen, in dem neben anderen faszinierenden an Lebbeus Woods erinnernde Illustrationen auch eine “Iron Orchid” [3] abgebildet ist, die mir als Vorlage für die “Solare Residenz” gedient zu haben scheint, die in der PERRY RHODAN-Serie sogar vom terranischen Volksmund als “Stahlorchidee” bezeichnet wird.

Gerade da die “Solare Residenz” in der aktuellen ‘klassischen’ PR-Serie ein wichtiger Handlungsschauplatz ist, wollte ich hier einen schönen Post aus der Reihe “Inspired by…” bringen. Doch es kam anders.

Da die Illustrationen Dan Slawinskys Architektur-inspiriert sind (obwohl viele utopisch-technische Gestaltungselemente dort zu bewundern sind), galt meine Frage sofort Risszeichner und Architekten Günter Puschmann, ob er sich vielleicht damals beim Risszeichnungsposter [4] für den PR-Jubiläumsband 2000 zusammen mit Georg Joergens und Oliver Johanndrees (1998/1999) von Dan Slavinsky beeinflussen ließ.

Aber Günter, den ich daraufhin angeschrieben hatte, hat dies klar verneint. Die Entwürfe zur “Solaren Residenz” sind eigenständig entstanden und die Bezeichnung “Stahlorchidee” wurde von PR-Autor Robert Feldhoff geprägt.

Also vielleicht ein klarer Hinweis, dass PERRY RHODAN – die “größte SF-Serie” – nicht nur Einflüsse aus dem weiten Feld der Phantastik aufnimmt, sondern auch anderen eine Inspirationsquelle ist – und das nicht erst in unserer Gegenwart, wie ich demnächst einmal zur Diskussion stellen werde.

[1] Perrypedia: Solare Residenz
[2] findingslav – A Series of Drawings from the End of Time Bartlett, London 2010
[3] findingslav: “Iron Orchid”
[4] RZ-Journal: “Die Solare Residenz” von Georg Joergens, Oliver Johanndrees und Günter Puschmann

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“PERRY Galore!” Das SPRECHBLASEN-Special zu unserem Mann im All

DIE SPRECHBLASE Nr. 223: Ein Muss für PERRY-Fans, aber auch für alle Comics-Afficianados im Allgemeinen!

Angeregt durch meinen letzten Post “Da geht mehr:-)” – PERRY [RHODAN]-Jubiläumsbilder und -dioramen [1] habe ich mir endlich die schon seit einigen Monaten bei mir lauerende Mammut-Spezialausgabe Nr. 223 zu PERRY – Unser Mann im All und seinem Vorgänger PERRY RHODAN IM BILD der SPRECHBLASE [2] zum Lesen geschnappt.

Ich muss hier noch einmal meine nachhaltige Begeisterung und Bewunderung für die akribische Recherche und tolle detailverliebte Machart dieses besondern Beitrags zum letztjährigen Jubiläums von 50 Jahre PERRY RHODAN zum Ausdruck bringen. Ich hatte den Neustart der SPRECHBLASE nicht so auf dem Schirm, schöne Hintergrundinformationen hierzu findet ihr allerdings im Blog von PERRY RHODAN-Autor Michael Marcus Thurner [3].

Ich bin ja durch PERRY zum Rhodan-Leser und Fan geworden. Gerade die in den späten Magazin-Ausgaben (Nr. 106 bis 129) zusammenhanglos mit veröffentlichten Original-Risszeichnungen der Stammserie – freigestellt auf hellcyan-farbenem Fond – haben mich ganz sicherlich auf ewig geprägt. Nicht umsonst ist die Akzentfarbe hier bei PHUTURAMA Cyanblau.

Das Nr. 223-Special “Hinter den Kulissen der PERRY-Comics” ist gleichzeitig ein Beitrag der SPRECHBLASEN-Reihe “Die ialienischen Wurzeln” und wurde von den Autoren Gerhard Förster und Reginald Rosenfeldt in drei Teile gegliedert: “Teil 1: PERRY RHODAN IM BILD”, “Teil 2: PERRY 1-36 – Konventionelle Kost” und “Teil 3: PERRY 37-129 – Von Sex und Pop zum ‘deutschen SF-Magazin'”. Ergänzt wird das Ganze von ausführlichen Zeichnerporträts, Präsentationen der Nebenserien und einem, nein eigentlich zwei, ausführlichen Interviews mit dem Szenaristen Dirk Hess, den ich selber vor einigen Jahren besuchen durfte und der ein extrem interessanter wie angenehmer Gesprächspartner ist.

Da ich mich selber mit dem RISIKOPILOTEN-Projekt an der eigenständigen Interpretation eines PR-Comics versuche, sind für mich gerade die lebhaften Schilderungen aus der italienischen Studio-Szene hochinteressant. Zum Schluss schwirrt einem der Kopf vom ganzen Hin und Her der Zeichner zwischen Eurostudio, Mailand und Studi Giolitti, Rom und der seltsamen Ein-Mann-Agentur namens Quelle Features des Friedrich Wilhelm König, der nach Bekunden aller Beteiligten wohl einen Löwenanteil des Produktionsbudgets für seine reine Go-between-Funktion eingestrichen haben könnte.

Das Special der SPRECHBLASE macht klar, inwiefern die damaligen italienischen Zeichner in die Entwicklung des europäischen Kommerz-Comics involviert waren (siehe oben: “Die italienischen Wurzeln”). Die an PERRY & Co. beteiligten Künstler haben für bekannte Franchises wie Dan Dare (2000 A.D.), Star Trek, Phantom und natürlich die notorischen Italo-Sexploitation-Fumetti wie Diabolik oder Skorpio (Man beachte das ‘böse’ Kappa in den Titeln) gearbeitet.

Für mich am Erhellendsten, dass die künstlerisch eindrucksvollste und eigenständigste Phase der PERRY-Comics auf Drängen von Dirk Hess durch die Lead-Zeichnerin Marina Bucciarelli realisiert wurde. Gerade die späte Magazin-Phase ist von ihrem einzigartigen Stil geprägt worden, während vorher oft Brüche und Ungereimtheiten aufgrund der arbeitsteiligen Studioproduktion (und der fehlenden Absprache durch die Agentur Quelle Features:-) bei Giolitti entstanden waren.

Der offene, fließende Pop-Art-Stil als grundsätzliches Unterscheidungsmerkmal der PERRY-Comics war hingegen schon vom ersten relevanten Relaunch zur Ausgabe 37 verabschiedet worden und von Giorgio Gambiotti auch explizit so angelegt gewesen. Eine Alleinstellung für PERRY im gesamten Comics-Universum: “Ab Nr. 37 (erschienen im August 1970) wurden die Leser mit grafischen Experimenten konfrontiert, wie sie sie in keinem anderen Comics zu sehen bekamen.”

[1] PHUTURAMA: “Da geht mehr:-)” – PERRY [RHODAN]-Jubiläumsbilder und -dioramen
[2] DIE SPRECHBLASE: Offizielle Homepage und Index zur Ausgabe Nr. 223
[3] Michael Marcus Thurner: Sprechblasen

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“Da geht mehr:-)” – PERRY [RHODAN]-Jubiläumsbilder und -dioramen

PERRY – Unser Mann im All #100 trifft PERRY RHODAN 50; Quelle (1): Internet, Quelle (2): Ben Hary (Herzlichen Dank!)

Vor einigen Tagen hat mich der PERRY-RHODAN-Facebook-Account – da steckt höchstwahrscheinlich der KNF dahinter – auf ein verspätetes Jubiläumsgemälde von Ben Hary zum 50. der Serie aufmerksam gemacht, dass einerseits mein Wimmelbild “Familienaufstellung” [1] zitiert, mich andererseits wegen der nur wenigen wirklichen Hauptfiguren an das sicherlich nicht mehr allen präsente Jubiläumsposter aus Band 100 von PERRY – Unser Mann im All erinnerte.

Ben Hary schrieb mir dann via Facebook, dass ihn mein im letzten Jahr im PERRY RHODAN-Report veröffentlichte Bleistiftarbeit der “50 PR-Charaktere aus 50 Jahren” zu seiner farbigen Umsetzung angeregt habe. Ich finde Komposition, Farbgebung und den gewissen PR-typischen “Sense of Wonder” kommen trotz der Defizite in der Figurenzeichnung gut zum Tragen.

Insbesondere die so ähnliche Bespielung des Hintergrunds mit der SOL (bei mir war es die JULES VERNE) und der BASIS mitsamt der Figur von ES, die viel freundlicher und kompetenter ins Bild gesetzt ist als bei mir, frappant. Das gefällt mir.

In dem Kommentar-Thread fragte mich dann auch Matthias Feist, was denn aus meiner versprochenen Farbversion des Wimmelbilds geworden sei. Es gibt eine Farbversion, die ich exklusiv erstmal dem Magazin des Hans Rudi Wäscher Clubs zur Veröffentlichung zugesandt  habe, die aber quasi ein wenig den HR Wäscher-Kolorationsstil nachempfunden ist und mich nach Betrachtung der beiden Arbeiten hier oben nicht mehr so gefällt.

Ich finde das Motiv ist eine wunderbare Gelegenheit einmal meine eigenen malerischen Fertigkeiten ein wenig aufzupolieren. Wenn ich da mit einem für mich befriedigenden Ergebnis zu Rande komme, dann werde ich das an dieser Stelle gerne zeigen.

[1] PHUTURAMA: “Familienaufstellung” – 50 Charaktere aus 50 Jahren PERRY RHODAN in einem Wimmelbild

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“Rudig Reloaded.” 30 Jahre wie 1 Tag

EXCALIBUR und Mini-RZ-Mash-up als Generationenprojekt? Diese zwei Rudig-RZs trennen 30 Jahre nicht.

Knapp ein halbes Jahr ist es her, dass auf dem PERRY RHODAN-WeltCon Jürgen Rudig als Überraschungsgast auf der Bühne des Panels  “Space Design” – Die Risszeichner und ihr Bild vom Perryversum [1] saß und einiges vom Werdegang eines RZ-Avantgardisten erzählte. Auch nach dem WeltCon ist der Kontakt nicht abgebrochen. Und was ich insgeheim erhofft hatte, ist auch eingetreten: Jürgen Rudig hat nach 30 Jahren “Kreativpause” wieder mit dem Risszeichnen begonnen!

Für die Präsentation zum “Space Design”-Panel hatte Jürgen mir ein relativ unscharfes Digitalfoto einer seiner damals nicht verschwundenen oder zerstörten unveröffentlichten Risszeichnungen geschickt – als weltexklusives Schmankerl dem Anlass angemessen: Die RZ der EXCALIBUR, die in irgendeiner Kiste die 80er, 90er und die Jahrtausendwende überlebt hatte!

Für mich war die EXCALIBUR allerdings ein kaum erhofftes Wiedersehen. Denn ich kannte diese RZ noch aus  einem Vorstadium ohne Fond und ohne die starken Kontrastierungen, die Jürgen in Anlehnung an seine letzte veröffentlichte Auftragsarbeit bei PERRY RHODAN, das Raumschiff der Namenlosen (PR 1123) [2], gesetzt hat. Nachhaltig beeindruckt hatte mich diese Arbeit beim Risszeichner-Treffen bei Willi Voltz in Heusenstamm im Oktober 1982. Ihr visueller Stil war zu dieser Zeit noch eher eine konsequente Weiterentwicklung des Siganesischer Spezialkreuzer der USO (PR-Magazin 4/1980-Poster) [3] bzw. der hochartifiziellen ‘mœbiuesken’ Innenillustrationen der Willi-Voltz-Fortsetzungsgeschichte Das Weltraumteam [4] (als Supplement im PR-Magazin).

Selbst wenn ihr euch in die obige Abbildung in der hochauflösenden Version gebt, werdet ihr den unglaublich detaillierten Reichtum dieser RZ eher nur erahnen können. Ohne die heutige starke Kontrastierung wirkte die EXCALIBUR damals auf den ersten Blick eher wie eine abstrakte Textur. Erst langsam wurde ich von den Formen und Details in diese Zeichnung hineingezogen. Ich habe den damaligen am Treffen teilnehmenden Redaktionsleiter (und heutigen VPM-Verlagsleiter) Walter A. Fuchs noch im Ohr, dem dies für eine Risszeichnung zu weit ging. Für mich fing es hier erst an.

(more…)

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“Space Design” – Die Risszeichner und ihr Bild vom Perryversum

"Experimentalraumschiff PHOENIX" oder wie ich sie heute nenne: "Der irre Ständer". Vor 31 Jahren beim ersten WeltCon in Mannheim habe ich diese RZ weniger als phallographisches Manifest denn als eine Fingerübung in Rasterfolien-Semimanifestation verstanden. Dank an Oliver Scholl!

PERRY RHODAN ist im Gegensatz zu Star Trek oder Star Wars ein vorrangig literarisch geprägtes Science-Fiction-Universum. Dennoch durchzieht den graphischen Auftritt des Perryversums ein einzigartiges “Look & Feel”, welches auch dem Uneingeweihten signalisiert, hier nicht irgendeiner beliebigen, sondern der “größten SF-Serie” zu begegnen.

Welche sind aber diese prägenden Bausteine einer “visuellen DNA” des PERRY RHODAN-Universums? Wie haben sie sich über fünfzig Jahre hinweg herausgebildet? Werden sie Bestand haben? Sind es die typischen Kugelraumer, die schnittigen Space-Jets oder die multifunktionalen Shifts? Sind es der Mausbiber Gucky, die weißblonden Mähnen der Arkoniden oder ein doppelköpfiger Zünder-Mutant? Ist es das langjährige Wirken Johnny Brucks, im Verbund mit den einzigartigen Werken der ersten Risszeichnergeneration um Rudolf Zengerle, Ingolf Thaler und Bernhard Stoessel oder haben erst ihre Nachfolger diese Gestaltungsprinzipien verstanden, verstetigt und fortentwickelt?

Das Phänomen der “Risszeichnung” in der PERRY-RHODAN-Serie ist unter den besonderen Bedingungen des Ökosystems “Heftromanserie” in den 60er Jahren zur Blüte gekommen. Die PR-Risszeichnungen sind einzigartig fanatstischen Genre selbst und sind eines der herausragenden Alleinstellungsmerkmale der Serie selbst geworden. Auch wenn “spekulative Technikillustrationen” im Rahmen populärwissenschaftlicher Magazine immer auch eine techno-utopische Aussage beinhalteten, war es die einzigartige institutionelle Einbettung der Risszeichnungen als einem die Handlungswelt vertiefenden und beglaubigenden Romanheft-Extra, das sich über die PERRY RHODAN-Serie hinaus als eine eigenständiges ästhetisches Illustrationsgenre emanzipiert hat. Erst heute im Zeitalter der bildmächtigen globalisierten SF-Imperien gibt es Vergleichbares – und teilweise Besseres – in anderen SF-Welten zu bewundern. Was kann die Risszeichnung heute noch für die PERRY RHODAN-Serie leisten?

Auf Einladung von Klaus N. Frick moderiere ich am Samstagnachmittag, 1. Oktober 2011, 16 Uhr die Veranstaltung Space Design – Die Risszeichner und ihr Bild vom Perryversum [1] im Musensaal des Kongresszentrums Rosengarten in Mannheim.

Auf dem Podium sind PERRY RHODAN-Autor und nebenberuflich offizieller “Risszeichnerversteher” Hubert Haensel [2], Lars Bublitz [3] als Vertreter der aktuellen 3D-Risszeichner-Generation sowie Oliver Scholl [4], der vor über 30 Jahren mit dem Risszeichnen begann und heute als Production Designer für große Hollywood-Produktionen arbeitet – aber auch weiterhin für PERRY RHODAN Titelillustrationen verfertigt.

PHUTURAMA-Überraschungsgast ist Jürgen Rudig [5], der die Gelegenheit des WeltCons 2011 zum Anlass genommen hat, nach beinahe drei Jahrzehnten wieder Kontakt zum Perryversum aufzunehmen. Nachdem er vor einigen Wochen hier im Interview auf PHUTURAMA [6] einiges zum Werdegang des umstrittenen Abfangjäger der neuen “Redhorse”-Baureihe verraten hat, werde ich ihn am Samstag fragen, wie er als Nicht-PR-Fan überhaupt zum Risszeichnen gekommen ist.

Ich bin froh, dass das Thema Risszeichnungen damit wieder auf einer WeltCon-Agenda prominent vertreten ist; der schon anfang des Jahres von Klaus Frick gewählte Titel “Space Design” zeigt, dass ursprünglich auch ein weiter gefasstes Motto angedacht worden sein könnte.

Immerhin können so doch einige Risszeichner mehr die WeltCon-Bühne entern, aber eben nicht alle in Mannheim am Wochenende anwesenden Risszeichner. Da bin ich doch froh, dass ich mit Ausnahme ‘meines’ PHUTURAMA-Überraschungsgastes Jürgen Rudig die Auswahl nicht treffen musste.

[1] Für Detail- nicht für Design-Versessene, das PERRY RHODAN-WeltCon 2011-Programm zum Download
[2] Perrypedia: Hubert Haensel
[3] risszeichnungen.de: Lars Bublitz’ Web-Portfolio
[4] Oliver Scholls Web-Portfolio
[5] Perrypedia: Jürgen Rudig
[6] PHUTURAMA: “Alles nur ein Spaß?” – 30 Jahre Redhorse-Jäger. Ein Interview mit Jürgen Rudig

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“Ein Interview mit ES.” Zur Einstimmung auf Space Design – Die Risszeichner und ihr Bild vom Perryversum

Work in Progress als Blueprint. Die BATTLE-Version des 3D-Korvettenprojekt-Vollkonstruktion für den PERRY RHODAN-WeltCon2011 als klassische Risszeichnung getarnt. Mit freundlicher Unterstützung von Holger Logemann.

Zum eher unspektakulären 45-jährigen Bestehens der PERRY RHODAN-Serie hat der frühere Verlagsleiter Eckhard Schwettmann im Jahre 2006 ein dafür um so spektakuläreres Coffee-Table-Buch namens All-Mächtiger! Faszination Perry Rhodan – Hintergründe aus 45 Jahren Perry Rhodan. (Hannibal, Höfen (A) 2006, ISBN 978-3-85445-259-1)  herausgegeben, in dem sehr viele Facetten des Phänomens PERRY RHODAN beleuchtet wurden. Auch einige der für die Serie tätigen Illustratoren wurden hierzu interviewt. Mein Gespräch mit Eckhard Schwettmann (“ES”) gibt einige Hintergrundinformationen zum Thema Risszeichnungen preis, von denen ich überzeugt bin, dass sie auch heute noch zutreffen.

Am kommenden Samstag, den 1. Oktober 2011 habe ich die Freude während des WeltCons 2011 ein Podiumsgespräch zum Thema RZs bei PERRY RHODAN moderieren zu dürfen. [1] Als Einstimmung auf Space Design – Die Risszeichner und ihr Bild des Perryversums habe ich dieses Interview von vor fünf Jahren ausgegraben und dank der großzügigen Unterstützung von Holger Logemann darf ich diesen Beitrag mit der exklusiven Vorabschau auf die jüngste Work-in-Progress-Zusammenstellung seines Korvettenprojekts [2] illustrieren.

Holger hat auf der ersten PHUTURAMA-Veranstaltung – dem Salon Talk während der transmediale.10 FUTURITY NOW! seine Arbeit am Korvettenprojekt schon einmal vorgestellt [3]. Am Samstag wird das Risszeichnen in 3D durch Lars Bublitz repräsentiert, der im Unterschied zu Holger gewissermaßen virtuelle Schnittmodelle konstruiert und darüberhinaus nicht die klassische PR-Referenztechnik , sondern meist exotische extraterrestrische Raumschiffe aus den unendlichen Weiten des Perryversums zu seinem Thema gemacht hat. [4]

Im folgenden mein “Interview mit ES”:
Wann hattest Du das erste Mal Kontakt mit PERRY RHODAN? Erinnerst Du Dich noch an Deinen ersten Roman?
Als Kind in den 1970er Jahren bin ich durch die psychedelisch-bunten PERRY – Unser Mann im All-Comics zum ersten Mal mit PERRY RHODAN in Berührung gekommen. Mein erster Roman war in der 3. Auflage Band 190 “Admiral Gecko”. Sicherlich ein glücklicher Einstieg mit Clark Darlton. Der faszinierendste Satz war die nonchalant hingeworfene Bemerkung über den “anderthalbmillionenfachen Überlichtfaktor” des Lineartriebwerks des am Mereesgrund geparkten Mausbiberkreuzers TRAMP – übrigens als 60-Meter-Kugelraumer der Risszeichnungs-Klassiker schlechthin! [Siehe oben!]
Wann hast Du damit begonnen, technische Zeichnungen zu machen, insbesondere Raumschiffe? Worin gründet sich Deine Faszination für Risszeichnungen?
Die ersten technischen Zeichnungen waren “Eigenkonstruktionen” gespeist durch die Früh-Siebziger TV-Ausstrahlungen von Raumschiff Enterprise und Raumpatrouille. Mit den PERRY-Comics kam dann auch die Faszination für die Risszeichnungen, die es in dieser Form und Tradition nur bei PR gibt.
Was war dann Deine erste Risszeichnung, die in PERRY RHODAN veröffentlicht wurde?
Willi Voltz hatte irgendwann im Jahre 1981 ein Einsehen, nachdem ich ihn mehrfach mit großformatigen Risszeichnungen immer neuer 60 Meter-Korvetten-Baumuster bombardiert hatte, und er veröffentlichte eine dann allerdings wesentlich kleiner dimensionierte KOGGE der Kosmischen Hanse auf der Leserkontaktseite.
Wieviele Risszeichnungen hast Du denn bis heute gemacht und welche davon ist Dir die Liebste? Nikki Frickels SORONG von 1987?
Die Anzahl der Arbeiten weiß ich selber nicht so genau, vielleicht ein Dutzend. Die SORONG ist dann doch zu “essayistisch”, um mein Favorit zu sein. Meine Lieblings-RZ möchte ich eigentlich erst noch zeichnen.
Von Dir und Günter Puschmann gibt es ja auch eine schöne Abhandlung über die Geschichte und Entwicklung der Risszeichnung. Seit dem 1965 in PERRY RHODAN-Heftroman Nr.192  das legendäre Beiboot vom Typ “Kaulquappe” als erste Risszeichnung von Rudolf Zengerle erschienen ist hat sich ja einiges gewandelt, optisch wie technisch. Wie war die Entwicklung und was kommen da noch für Innovationen auf uns zu?
Die Risszeichnungen stellen eine eigene Form der graphischen Kunst dar. Kein Illustrator, Titelbildgestalter oder Designer wird auf Anhieb eine richtige RZ wie in PERRY RHODAN hinbekommen. Und dies nicht nur aus handwerklichen Gründen, mangelnder Geduld oder schlechtem räumlichen Vorstellungsvermögen. Wie Arthur C. Clarke in seinem “dritten Gesetz”  (aus: Profiles of The Future) schon 1961 formulierte, “any sufficiently advanced technology is indistinguishable from magic”, so benötigt eine gelungene Risszeichnung einen gewissen Zauber, der die Illusion einer Blaupause aus der Zukunft zum Leben erweckt.

Da es eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit ist, die “Magie” des zukünftigen technischen Fortschritts realitätsgetreu zu phantasieren, flüchteten die Zeichner sich in die zweckfreie Schönheit der Technik selbst: Die Risszeichner strebten nach “Aggregate-Ästhetik”, nach komplexen, flirrenden und ineinander verwobenen Formen, die auf einer Symbolebene das behaupteten, was doch niemals einzulösen ist. Viele Anregungen aus der “realen” Kunstgeschichte wurden dabei verarbeitet, so dass Spielarten wie “Konstruktivismus”, “Pop-art” und “Minimalismus” identifiziert worden sind.

Auf der “semantischen” Ebene zerflossen phantastische 6D-Technologien zu “Zahnpastaaggregaten”, und die Kosmokratentechnik bekam im wahrsten Sinne des Wortes einen “Zauberhut” aufgesetzt. Auf der “silistischen” Ebene wurde der Zeichenstrich selbst expressionistisch, weniger technisch und fast comic-artig, um anzudeuten: “Wir wissen es auch nicht!” Heute ist die Situation der RZs unübersichtlicher. Haben früher alle Zeichner im Prinzip das selbe Handwerkszeug benutzt, so hat sich die Szene in den letzten Jahren aufgespalten: Es gibt noch einige “Nostalgiker” die mit analogen Techniken des mittleren 20. Jahrhunderts arbeiten; andere, die Hybridwege zwischen klassischer Bleistiftvorzeichnung und “elektronischem Abtuschen” eingeschlagen haben (was den Vorteil der nachträglichen Kolorierung beinhaltet) Und es gibt die “3D-Risszeichner”, die nicht mehr zweidimensionale Zeichnungen anfertigen, sondern virtuelle Konstruktionen. Bei letzteren gibt es wiederum Mischformen.

So “klinken” einige Zeichner einen konventionell gezeichneten 2D-Aufriss perspektivgenau in das gerenderte Still ihres dreidimensionalen Raumschiffkörpers. Andere arbeiten wie die Set-Designer im Hollywoodfilm: sie statten nur die “Räume” ihrer 3D-RZ mit Technik aus, die in der Schnittebene liegen — “Potemkinsche Raumer” also. Und es gibt die “Vollkonstrukteure”, die mit State-of-the-Art CAD/CAM-Systemen die fiktiven PERRY RHODAN-Raumer fast bis zum letzten Interkom-Anschluss durchkonstruieren, so dass man die Datei nur noch an die lunaren Raumwerften schicken müsste, um in Produktion zu gehen.

Das ist natürlich die Zukunft. Denn als die ersten Risszeichnungen 1965 in PR veröffentlicht worden sind, waren sie auf der Höhe der Zeit der damaligen Technischen Visualisierung, was man beim Stöbern in alten Auto- und Flugzeugzeitschriften sehen kann. Heute veröffentlicht ein Automobilhersteller ein speziell ausgerendertes “Röntgenbild” seiner 3D-Konstruktionsdaten in photorealistischer Perfektion. Mit den aufwendigen Arbeiten der “Vollkonstrukteure” wird das wieder möglich sein. Doch wo sollen diese Arbeiten überhaupt angemessen veröffentlicht werden? Ist im Heftroman für diese Art von Technischer Visualisierung überhaupt die richtige Plattform?
Vor ein paar Jahren haben wir uns in Berlin getroffen und Du hattest mir die c-base gezeigt, ein Gebäude, das fest in der Hand von Computer-Freaks war. Dort gab es ja auch mal eine PERRY RHODAN-Veranstaltung und die rz-c-onference. Worum handelt es sich bei der c-base [5] genau?
Da ist ein geheimer Wunsch von mir wahr geworden: Ein Haufen hochbegabter, verrückter Science Fiction- Fans habe ihre Version eines zukünftigen Raumstation in die erlebbare Realität umgesetzt. Waren meine Zeichnungen vorher nur in 2D, so ist die c-base eine “Risszeichnung” in sieben Dimensionen – Raum und Zeit, das fiktive c-base Universum drumherum, die “reale” Gemeinschaft im Verein und viele Projekte quer durch alle künstlerischen und kulturellen Disziplinen dazu, wie z.B. die Zusammenarbeit mit dem befreundeten Chaos Computer Club, der sich ja selbst als Gemeinschaft “galaktischer Datenreisender” versteht.
Auf dem PERRY RHODAN-WeltCon in Mainz [1999] hast Du neben Deiner ersten Farb-Risszeichnung auch die Pilotgeschichte einer PERRY RHODAN-Comic-Adaption präsentiert. Wie kam es denn dazu?
Ich bin über die PERRY-Comics “sozialisiert” worden, darüberhinaus mag ich die amerikanischen Superhelden-Comics, so dass ich dies dem Perryversum wieder zurückgeben möchte – mit all den zeichnerischen Ideen und Fertigkeiten, die ich schon in meinen Risszeichnungen und Datenblättern entwickeln konnte. Allerdings ist der Schritt zu einem wirklich professionellen Comic schwer – alle Comicfans unter den PR-Lesern werden das bestätigen können. Die angesprochenen Pilotgeschichte konnte ich [damals] nicht realisieren. Aber ich arbeite gerade jetzt wieder [an einer Comic-Adaption] , um dieser Idee endlich Gestalt zu geben.
Beruflich bist Du ja im grafischen Bereich tätig. Bei der Gestaltung der SOL, dem Mitgliedermagazin der PERRY RHODAN-FanZentrale, warst Du ja anfangs auch dabei. Wie kam das?
Klaus Bollhöfener hat mich anlässlich der ersten rz-c-onference in Berlin einfach gefragt!
Was macht für Dich die Faszination der PERRY RHODAN-Serie aus?
Es ist meine Heimat.
[1] PHUTURAMA: Events
[2[ Holger Logemanns
Korvettenprojekt
[3[ transmediale.10 FUTURITY NOW! Salon Talks: PHUTURAMA Sub-Conference
[4] risszeichnungen.de: Lars Bublitz’ Web-Portfolio
[5] c-base e. V. Raumstation unterhalb Berlin

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“Wer ist eigentlich dieser Perry Rhodan?” André Schäfers Dokumentarfilm über ‘unseren Mann im All’

Drehbuchverfasser und PERRY RHODAN-Autor Hartmut Kasper macht Maske, Quelle: Florianfilm

Zum 50-jährigen Jubiläum von PERRY RHODAN – “Die größte Science-Fiction-Serie” sind eine Menge Dinge auf den Weg gebracht worden. Inhaltlich am Interessantesten der Launch eines alternativen literarischen Parallelkosmos namens PERRY RHODAN NEO [1], das eigentlich nur an der indiskutablen visuellen Aufmachung scheitern könnte. Im Transmitterfeld der öffentlichen Aufmerksamkeit auf das Jubiläum ist auch ein Dokumentarfilm [2] realisiert worden, der mit viel Sorgfalt und Zuneigung versucht, die Komplexität des “diskreten Massenmediums” PERRY RHODAN und seiner Anhänger- und Mittäterschaft allgemeinverständlich zu erzählen.

Und dies ist schwierig, denn PERRY RHODAN als popkulturelles Phänomen sah sich seit der 68er-Zeit einer als unfair empfundenen verleumderischen Presseberichterstattung [3] ausgesetzt, die in ihrer Reflexartigkeit der heutigen immer wieder aufgefrischten “Killerspiel-Debatte” gegenüber der Computerspiel-Industrie ähnlich ist. Im Schatten dieser das Romanheftgenre abgelösten Gefährdung der Jugend erscheint PERRY RHODAN als “Pulp Fiction” heutzutage in einem schon fast romantisch verklärten Spätnachmittagsglanz einer untergehenden Gutenberg-Galaxie, die einen Film wie Perry Rhodan – Unser Mann im All als öffentlich-rechtlich unterstützte ARTE-Filmproduktion in Kooperation mit WDR und ZDF erst ermöglicht hat.

Fast tröstlich, dass da jemand bei der renommierten Hamburger Wochenzeitung Die Zeit die journalistischen Beissreflexe aus der Gewohnheit des Archiv-Palimpsests heraus nicht unterdrücken konnte und dem Autor Johannes Thumfart die Filmrezension zu einer veritablen Publikumsbeschimpfung gegenüber Machern und Lesern der PERRY RHODAN-Serie als Kleinbürger-Vorhöllenbewohnern ausartete. Im Internet-Zeitalter kam das in Zusammenspiel mit der üblichen “Hitler”-Referenz beim kreativen Headline-Basteln einer Einladung zum “Shitstorm” durch das Fandom gleich, dem zumindest die inkriminierte Schlagzeile auf Zeit Online weichen musste. Die Rezension ist trotz ihres aggressiv-überheblichen Tonfalls lesenswert und nicht grundfalsch in einigen Beobachtungen des PR-Soziotops. [4]

Die Drehbuchautoren Claudia E. Kraszkiewic und Hartmut Kasper (unter dem Pseudonym Wim Vandemaan [5] einer der interessantesten und lesenswertesten aktuellen PR-Autoren) und Regisseur André Schäfer (u. a. Lenin kam nur bis nach Lüdenscheid [6]) versuchen der Vielfalt des Serien- und Vermarktungs- und Publikumskosmos über eine gleichermaßen vielfältige visuelle Metaphorik auf den Grund gehen zu wollen. So dient als Vorspann eine eindrucksvolle CGI-/SFX-Odyssee der SOL aus Michael Peters und Dirk Schulz’ Renderfarm, die sich aus kosmischen Weiten den niederrheinisch-irdischen Gegebenheiten nähert (und einer ähnlich angesiedelten Title Sequence in der aktuellen Green Lantern-Verfilmung kaum nachsteht). Es gibt den auralen Erzählstrang, in dem dem Zuhörer die literarische und ethische Qualität einiger ausgewählter kanonifizierter PERRY RHODAN-Textpassagen durch die Hörbuchstimme Josef Tratniks nahe gebracht werden.

Und es gibt Autor Hartmut Kasper als Michelin-Männchen-artiges Raumfahrer-Teletubby, der die immerwährende kosmische Entrückung des Intensiv-Serienlesers im auffäligsten Kontrast zur schnarchnasigen bundesrepublikanische Tristesse im Nachkriegswiederaufbau-zerstörten der heutigen “heiligen Stadt Köln” nachstellen kann; sich im weiteren Verlauf der Schnittfassung aber in seiner wunderbar gelungenen Pseudo-Variablen Kokonmaske [7] als Heinrich Böll unterschiedliche Gesprächspartner und Situationen durchläuft – am Unterhaltsamsten im Vurguzz-seligen Zusammentreffen mit ARD-Literaturpromoter Denis Scheck (druckfrisch!) und visuell am Eindrucksvollsten mit Risszeichner und Production Designer Oliver Scholl [8] beim Besuch eines Flugzeugfriedhofs in der kalifornischen Mojave-Wüste, der in seiner melancolischen Skurrilität selbst fast eine Szene aus einem William-Voltz-Roman hätte stammen können (“Terrapatrouille”).

Und um die eingängig archaische Figurenkonstellation der Serien-Frühzeit (siehe auch dann PR NEO) mit dem naiven Blick der damaligen jugendlichen Rezeption kurzzuschließen, erleben wir Hartmut Kasper darüberhinaus im Dialog mit einem Jung- und Idealleser vorm Modellbau-Diorama mit den Spielfiguren-Set des durch VPM löblicherweise geschassten HJB-Verlags (wegen “Kaiserfront”- nicht Kaiserkraft-tümelnden Proto-Nazi-SF-Gebarens, vielleicht deshalb auch die Satire [?] auf PERRY RHODAN-Chefredakteur Klaus N. Frick).[9]

Diese Aufzählung macht das Dilemma augenfällig, ein so komplexes Thema, das auf den ersten Verdacht hin doch reichhaltige visuelle Anknüpfungspunkte zu bieten scheint, in eine persistente Bildsprache zu überführen. Ansatzweise gelingt dies durch die Wahl der Gesprächsschauplätze, die die Extremsituationen der Serienprotagonisten zitieren: die Einöde fremder Wüstenplaneten, die Eishöllen sonnenferner Schauplätze, die Hinterlassenschaften weltkriegerischer Abgründe – ironischerweise philosophieren die beiden österreichischen Autoren auf der Flakbunker-Plattform des ehemals großdeutschen Wiens über die Annäherung ans Piefketum via PERRY RHODAN. Seltsam die hermetisch metallisch vom Tageslicht abgeschnittene Atmosphäre bei den sehr kurzen Interview-Anteilen mit Klaus N. Frick bei VPM in Rastatt. Was wollen die Bilder hier uns suggerieren – eine Raumschiffleitzentrale zur Steuerung der umfangreichen Franchise-Systeme oder doch ein Hauch von Führerbunker?

Hier scheitert Regisseur André Schäfer grandios, dem es mit seinem preisgekrönten Lenin kam nur bis nach Lüdenscheid gelungen ist, die universelle Geschichte der deutschen Nachkriegslinken aus der Super-8-Nahperspektive einer Familienarchäologie heraus zu erzählen. Der Film ist unentschieden hinsichtlich seines Anliegens: Geht es um die Weltraum- und Science-Fiction-Thematik als eskapistisches Alltags- und jugendliches Ohnmachtsvehikel? Geht es wie eingangs des Films kurz und hoffnungsvoll aufscheinende Erzählperspektive darum, die bundesrepublikanische Mentalitätsgeschichte ungefiltert im populärindustriellen Massenmedium zu rekonstruieren? Geht es um die fünfzigjährige Geschichte dieser literarischen Singularität und ihrer keineswegs alleinstehenhenden Fankultur? Geht es um die seltsame Diskrepanz der Autoren zwischen bürgerlich-kleinstädtischer Lebensentwürfen und kosmologisch raumgreifenden Allmachtsphantasien?

Ich weiß es nicht. Für alle wichtigen Einzelaspekte des großen Mosaiks des Phänomens PERRY RHODAN werden im Laufe des Films Zeugen vorgestellt: die Autoren, die Sammler, die Leser, die Redakteure, die Literaturkritiker, die Sprecher, die Risszeichner, die Modellbau-Freaks, die Forscher und Astronauten, die Hinterbliebenen der “Gründerväter”, der U-Boot-Kommandant. Je länger der Film läuft, desto ratloser aber werde ich und gleichzeitig sympathischer wurden mir all die Menschen, die in diesem großen Gewebe mitwirken und gestalten.

So ist auch ein hintergründiges Kompliment für die PERRY RHODAN-Serie, wenn es klugen und erfahrenen Filmemachern nicht gelingt, die Einzigartigkeit und Magie dieser Serie einzufangen: PERRY RHODAN – Der Erbe des Universums ist so viel größer als Lenin. Oder in den Worten des ungenannten Frankfurter Buchmesse-Cosplay-Mädchens im Abspann – und damit schulterzuckendes Eingeständnis des eigenen Scheiterns an der Materie: “Wer ist eigentlich dieser Perry Rhodan?”

[1] PHUTURAMA: “Möchten Sie das Universum jetzt neu starten?” Fünf gute Gründe für PR NEO
[2] Die offizielle Website zu Andrè Schäfers Perry Rhodan – Unser Mann im All
[3] YouTube: Ein Monitor-Original-Beitrag aus dem Jahr 1969 über PERRY RHODAN
[4] ZEIT ONLINE: PERRY RHODAN – Der Weltraum als Modelleisenbahn-Keller (war: Der Ersatz-Hitler aus dem All)
[5] Perrypedia: Wim Vandemaan
[6] Die offizielle Website zu Andrè Schäfers Lenin kam nur bis Lüdenscheid
[7] Perrypedia: Vario-500 bzw. Pseudo-Variablen Kokonmaske
[8] Web-Portfolio von Oliver Scholl
[9] Nur vollständigkeithalber: HJB_Verlagsankündigung zu Ronald M. Hahns Captain Enfick, Temponaut, in: Die STAHLFRONT-Akten

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“Familienaufstellung” – 50 Charaktere aus 50 Jahren PERRY RHODAN in einem Wimmelbild

"Der Erbe des Universums" im NEO-Schein. Mein Geburtstagsgeschenk an alle PERRY RHODAN-Freunde.

“»Perry Rhodan […] führt hinein in die vor uns liegenden Jahrtausende und über Abgründe hinweg zu Sternenreichen, die seit Millionen von Jahren auf uns warten. Er führt in eine Zeit, in der die Nachkommen der Menschen von der Erde nur noch wie von einem Mythos reden und ein vereinsamter Planet um eine längst erloschene Sonne kreist, die einst Mittelpunkt des Universums war.« [1]

So lautete der Vorspann zu PERRY RHODAN #1 Unternehmen “Stardust” [2] [3], mit dem heute auf den Tag genau vor 50 Jahren das Perryversum mit einer geradezu spektakulären Exposition explodierte: Bodenständige noch Nahezu-Science-Fiction über die Möglichkeiten der damals 1961 gerade erst von John F. Kennedy proklamierten ersten bemannten Mondladung traf auf eine hochspekulative Space Opera, in der kühn nichts weniger als die kosmologischen Grundannahmen zu Bühnenelementen eines nicht risikofreien kosmischen Erbantritts werden.

Im Laufe der Expansion dieses Perryversums [4] hat sich gezeigt, dass diese Vision des ersten Hefts, im bis Band 1000 durchgehaltenen Claim “Der Erbe des Universums” auch angezeigt, handlungsbestimmend war – ein “Zwiebelschalenmodell” kosmischer Evolutionsstufen und ein Großsteuerungssystem namens Moralischer Code bilden einen weitaufgefächerten kosmischen Hintergrund, vor dem sich die Schicksale und Geschichten um die Protagonisten entspinnen.

Aber der wahre Clou ist, dass das Storyuniversum durch eine Identifikationsfigur des 20. Jahrhunderts initiiert ist, durch den der Leser diese ferne Zukunft immer auch mit heutigen Augen betrachten kann.

Ein ganzer Figurenkosmos hat diesen Haupthelden Perry Rhodan und seinen Buddy Bully inzwischen durch die Jahrzehnte und Jahrtausende der Hefthandlung begleitet. Und nach Vorbild der großen Superhelden-Dioramen wie z. B. von Alex Ross’ DC-Serie Kingdom Come [5] habe ich hier zum 50. Geburtstag meine ganz persönliche Auswahl von fünfzig für mich das Perryversum repräsentierender Figuren getroffen (HiRes nach dem Klick aufs Bild oben).

Vieles, wie die “fünf Säulenheiligen” (Chefredakteur Klaus N. Frick) ist selbsterklärend, aber eine Menge der Figuren, die nicht so eindeutig kostümiert sind wie im üblichen Superhelden-Comicgewerbe, werden selbst für “terkonitstählerne” Hardcore-PR-Fans nicht auf Anhieb zu entziffern sein.

In diesem Bild hat der Zeichner also versteckt (Mehrfachnennungen sind möglich):

  • 50 Charaktere aus 50 Jahren PERRY RHODAN
  • 19 Zellaktivatorträger/Innen — mit einer Ausnahme aus kosmokratischen bzw. den Beständen von ES
  • 17 Terraner/Innen, darunter ein Pseudo-Neanderthaler
  • 9 Mutant/Innen — 6 davon Angehörige des Terranischen Mutantenkorps, davon ein Halbcyno
  • 5 generische Angehörige extraterrestrischer Völker
  • 5 Angehörige der arkonidischen Oberschicht, einer davon ein “Sternenbastard”
  • 4 Roboter bzw. Androiden, einer davon aber ursprünglich als Mensch geboren
  • 4 Umweltangepasste terranischer Abkunft
  • 3 Arkoniden-Abkömmlinge, aber einer davon bloß als Maske
  • 2 von Perry Rhodans Söhnen und eine seiner beiden Töchter
  • 2 Halbmutanten/Innen, einer davon ist Gefühlsmechaniker und Cappin-Spürer
  • 2 Höchstedle des Großen bzw. des Göttlichen Imperiums der Arkoniden
  • 2 Kosmokraten/Innen bzw. deren Inkarnationen
  • 1 ehemaliger Sotho der Milchstraße in Tarnidentität
  • 1 ehemaliger Mächtiger in Gestalt eines Puppenspielers
  • 1 Restsubstanz von supraheterodynamisches Wesen
  • 1 Superintelligenz bzw. deren Inkarnation

Wer alle Figuren errät (halbintelligente Zier- und Haustiere gelten nicht), die Liste einfach via Kommentarfunktion an mich schicken. Ich gebe die mögliche Fehlerquote bekannt. Der erste komplette Vorschlag erhält das dann farbige Diorama als Ausdruck in Schön zugesandt. Wer einen Fehler in dieser Tipp-Aufstellung entdeckt und belegen kann, natürlich auch.

Lösungshinweis I: Figuren mit starken gemeinsamen Bezügen stehen meist beieinander – in einem Fall könnte dies aber zu einem Fehlschluss verleiten.

Lösungshinweis II: Wenn Figuren durch klar zuzuordnende Kostüme oder Zubehör in der Serie charakterisiert wurden, hoffe ich, das auch berücksichtigt zu haben.

Bonus-Aufgabe: Benennt die 5 im Bild dargestellten bedeutenden PERRY RHODAN-Raumfahrzeuge des klassischen Perryversum sowie das des NEO-Universums mit Namen (wer hier alles richtig hat, kann oben eine fehlende Figur kompensieren):

  • Beiboote gelten nicht
  • Es sei denn, das Beiboot hätte sich selbst einen Namen gemacht
  • Ein 7. der ‘Raumfahrzeuge’ hat in der realen Welt an der Grenze zum Weltraum gekratzt – es sollte auch im fiktionalen Perryversum einmal von Perry Rhodan geflogen sein (Stichwort: Risikopiloten)

[1] Das in späteren Nachauflagen ‘unterdrückte’ Vision Statement aus PR I/1, zitiert nach Wikipedia
[2] Karl-Herbert Scheers PERRY RHODAN #1 Unternehmen “Stardust” in einer Flash-Datei. Hm, seltsam, aber so steht es geschrieben.
[3] Eine metikulöse Original-1961-vs.-Reprint-1988-Gegenüberstellung von Unternehmen “Stardust” für Sammlernazis]
[4] PERRYPEDIA: Perryversum (Liste der Exzellenten Artikel). Ein Lob dem PERRY RHODAN Online Club für diese Plattform, ohne die diese “Familienaufstellung” nicht möglich gewesen wäre.
[5] Alex Ross’ Offizielle Website

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“Alles nur ein Spaß?” – 30 Jahre Redhorse-Jäger. Ein Interview mit Jürgen Rudig

Die beste RZ aller Zeiten? Terranische Raumschiffe: Abfangjäger der neuen "Redhorse"-Baureihe, Rudig 1981; Source: PR I, Band 1059 Fels der Einsamkeit

Als ich mir im Spätherbst 1981 an einem üblichen Dienstagmorgen vor Schulbeginn PERRY RHODAN 1. Auflage Band 1059 Fels der Einsamkeit am Kiosk kaufte, war ich wie alle vier Wochen insbesondere auf die neue Risszeichnung gespannt. Noch vor Ort schlug ich mit klopfenden Herzen die Heftmitte auf – und sofort wieder zu! Mein Leben war von diesem Augenblick an ein anderes. Noch nie in meinem Leben hatte ich etwas Seltsameres und Fremdartigeres gesehen als Jürgen Rudigs Abfangjäger der neuen “Redhorse”-Baureihe.

Zu dieser Zeit hatte ich schon erste Veröffentlichungen meiner eigenen Risszeichnungen als “Leser-RZ” erlebt, aber mir wurde in diesem Moment schlagartig klar, dass ich meinen Zeichenstil komplett umstellen müsste, um wirklich die Risszeichnungen anzufertigen, die ich mir bis dahin aber nur vage vorzustellen gewagt hatte.

Das ist jetzt beinahe 30 Jahre her, und im Zuge der Wiederbelebung dieses Blogs und des bevorstehenden WeltCons in Mannheim zum 50-jährigen Jubiläum der PERRY RHODAN-Serie, hielt ich es für eine gute Idee, Kontakt mit Jürgen Rudig zu suchen, um ihn selber zu fragen, wie er das damals erlebt hat.

Wir haben kurz miteinander telefoniert und dann das folgende Interview per E-Mail geführt.

Jürgen Rudig ist Jahrgang 1958, verheiratet, hat zwei halbwegs erwachsene Kinder, ist seit fast 30 Jahren im öffentlichen Dienst, inzwischen Schulleiter einer weiterführenden Schule irgendwo im Hinterland von Aachen. Er hatte seit vielen Jahren kaum noch Kontakt mit PERRY RHODAN und dem SF-Fandom; um so mehr freut es mich, dass er hier Rede und Auskunft stand.

Wie kam es zum “Redhorse-Jäger” – einer Risszeichnung, die auch im Vergleich zu Deinen vorhergehenden Veröffentlichungen heraussticht?

Vor über 30 Jahren stand ich mitten im Studium in Aachen – Kunst und Deutsch –  und wollte eventuell Lehrer werden. Mittelprächtig begabt, hatte ich neben dem Studium schon etliches verkaufen können und verdiente für einen Burschen von Anfang Zwanzig gar nicht mal schlecht damit: Ölportraits nach Vorlage, Buchillustrationen für kleine regionale Verlage, Raumabwicklungen für Architekten, und – ja, klar –natürlich diese Risszeichnungen. Wie ich dazu kam, ein andermal. Es soll hier und heute ja vornehmlich um diesen vermaledeiten “Redhorse-Jäger” gehen, der wohl einigen Staub aufgewirbelt hat und mehr oder weniger das Ende meiner kurzen „Karriere“ als Risszeichner einläutete.

Der “Redhorse-Jäger” war ja eine typische freie Arbeit, die mit dem “Perryversum” nur über die Namensgebung verbunden war, aber sie war nicht im luftleeren Raum entstanden?

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass ich das Ding bei Jim Burns abgekupfert haben soll – oder zumindest davon motiviert gewesen wäre. Da ist sogar ein bisschen was dran, obwohl ich beim Zeichnen dieses Jägers – soweit ich das in der Erinnerung noch zusammenbekomme –  schwer unter dem Eindruck von einer anderen illustren Größe der damaligen Zeit stand: Möbius.

Brian Lewis' "Gaussi-Jäger" aus MECHANISMO. Die RZs darin (es gibt noch eine des Robots im Vordergrund) sind über Chris Burns' Bilder gedubbt. Source: RZJ und Sky-Ffy

Das nehme ich Dir sofort ab. Die beiden verdutzten Piloten vorm Jäger könnten direkt aus Der hermetischen Garage gesprungen sein!

Über die ersten Hefte von Metal Hurlant – “Schwermetall” – stolperte ich beim Stöbern im Katalog des Volksverlages, das muss 1979 gewesen sein. Die Möbius-Storys haben mich umgehauen – so locker, so dermaßen gekonnt, erkennbar mit einem Filzer hingeworfen … In einer Rezension las ich dann, dass Möbius angeblich einfach drauflos zeichne, ohne konkreten Plan, ohne Vorzeichnung, eben einfach mit dem Filzer. Das wollte ich unbedingt auch versuchen, mit eigenen Comics, aber eben auch mit Risszeichnungen. Ich malte und zeichnete zu der Zeit sowieso sehr viel, probierte nun auch in dieser Richtung herum, entwarf großformatige Arbeiten – halb Comic, halb Risszeichnung –, kombinierte die Rotring-Feder mit dem Edding 3000. Die Ergebnisse waren eher zwiespältig und liegen zum Teil heute noch in meiner Sammlung vergraben.

Das ist eine gute Nachricht!

Ich nicht weiß, warum es eine gute Nachricht sei soll, dass ich noch alte RZs irgendwo vergraben habe. Ist es gut, dass die noch da sind? Oder ist es gut, dass sie so tief vergraben sind?

Spaß beiseite – ungefähr zur gleichen Zeit war ich dann mal wieder zu Besuch bei Willi Voltz zu Hause, um eine eher übliche Risszeichnung – ich weiß nicht mehr welche – abzuliefern, sauber eingerollt in eine Papprolle und fast 300 Kilometer im klapprigen Käfer meiner Freundin transportiert. Willi Voltz fand die RZ prima und nahm sie sofort, und dann schenkte er mir etwas: Die beiden Bände Mechanismo und Planeten Story – beide Bücher habe ich heute noch.

Ich will nicht abstreiten, dass Jim Burns auf mich Eindruck machte (wie gesagt: ein bisschen was mag dran sein, dass der Gaussi-Jäger meinen “Redhorse” beeinflusste), aber  – großes Aber!  – siehe oben: Zu dem Zeitpunkt waren meine Ideen von halbschrottigen Raumschiffen, die von skurrilen Typen mehr improvisiert als geflogen wurden, von Raumfahrzeugen, denen man einen harten Arbeitsalltag ansah und die mit lockerer Hand eher hingeworfen als durchkonstruiert schienen, schon sehr weit gediehen.

OK, aber eine Risszeichnung ist zuerst einmal keine Comic-Illustration. Gewisse “Freiheiten” hattest Du Dir in Deinen Arbeiten bis dahin immer herausgenommen, aber eben auch durch Deine handwerklichen Qualitäten z. B. beim Setzen von Schraffuren so geschickt kaschiert, dass der Eindruck der technischen “Blaupause” immer erhalten geblieben ist. Beim “Redhorse-Jäger” hatte ich den Eindruck, dass Du uns sagen wolltest: “Das mache ich jetzt extra schief und absurd!” Damit keiner mehr auf die Idee kommt, das Ding könnte es wirklich mal geben.

Ich war den von mir zumindest so empfundenen Bierernst der Szene um die Rhodan-Serie eigentlich satt. Als begeisterter, kritischer Leser von Lem, den Strugatzkis u. a. hatte ich den Hype (so würde man heute wohl sagen) um diese Weltraumserie sowieso nie ganz begriffen. Auch wollte ich eigentlich weg von der ganzen Matrosen-Ästhetik mit “Decks”, “Geschützpforten”, “Kommandoständen”, “Außenschotts”  etc. Ich war immer der Meinung, Raumschiffe – und die Typen, die sie fliegen – sehen in zweitausend Jahren ganz anders aus als für uns vorstellbar. Raumschiff Orion mit seiner ganz eigenen Ästhetik imponierte mir z. B. viel mehr als der ganze Star Wars-Kram.

Also, langer Rede kurzer Sinn: Es musste mal was Spaßiges, was Anderes her, und zudem lebte ich in dem Gottvertrauen darauf, dass man mir auch “so was” im wahrsten Sinne des Wortes abkaufen würde, vielleicht sogar Verständnis dafür hätte, mich unterstützen würde …  Ansonsten konnte ich ja noch genug alte Omas und Kommunionskinder in Öl produzieren.

Interessant, dass Du doch deutlich in Distanz zu PERRY RHODAN gehst – gerade, wenn man Deine urtypisch “rhodanesken” Arbeiten Shift und Korvette (Neukonstruktion) aus den PR-Sonderheften betrachtet.

Ich hatte meinen Adlatus Ralf, einem Freund aus der Abi-Zeit, der mir als verschworener Rhodan-Freak von Anfang an immer gerne die notwendigen Daten lieferte. So  entwarf ich also an einem Nachmittag den “Redhorse- Jäger” (und ich meine ehrlich, ich hatte da den Gaussi- Jäger zumindest bewusst schon wieder vergessen oder verdrängt). Hatte ich bisher immer sorgfältig tagelang mit Bleistift vorgezeichnet und dann Stück um Stück mit Rotring nachgearbeitet, so warf ich jetzt nur die Perspektive und ungefähre Abmessungen Freihand mit Bleistift aufs A2-Papier, um dann sofort mit Rotring und Edding loszulegen. Wobei diese Kombination im Original nie besonders gut aussah, denn der Rotring trocknete tiefschwarz, der Edding eher matt und gräulich.

Schade, dass bei dieser “integrativen” Zeichentechnik im Gegensatz zur “klassischen” Methode mit dem Abtuschen auf Transparentpapier die oft sehr ausdrucksstarke Bleistiftvorzeichnung vernichtet wird.

Nun, wie dem auch sei: das Ding wurde sehr schnell fertig, sah im Original ulkig und gar nicht mal schlecht aus. Und Ralf konnte mich nur mit Mühe davon abhalten, noch mehr Blödsinn einzubauen. Er prophezeite mir weise vorausschauend, ein schlimmes (Risszeichner)-Ende. Aber ich war nicht mehr zu halten: Das Ding musste auf den Postweg, mal gucken wie der Verlag reagiert … Ich könnte ja auch gerne wieder, falls gewünscht, was “Normales” zeichnen, dachte ich ganz naiv damals.

Als ob Deine anderen RZs jemals “normal” gewesen wären …

Tja, das “Ding” wurde dann tatsächlich also gedruckt, ohne vorher mal nachzufragen, ob ich noch alle Tassen im Schrank hätte, oder ohne das “Ding” einfach kommentarlos zurückzuschicken mit der freundlichen Bitte, mich erst mal gründlich auszuschlafen und dann noch mal anzurufen … Ich hätte es verstanden. Den Mut des nun Verantwortlichen in der Redaktion – ich habe heute keine Ahnung mehr wer das war – bewundere ich ehrlich, die “etablierten” Rhodan- Leser mit dieser “ernstgemeinten Spaßnummer” von einem Raumvogel zu düpieren. Immerhin war ich bis dahin nur im PERRY RHODAN-Magazin gedruckt worden.

Also meines Wissens war Willi Voltz doch zu dieser Zeit der dafür Verantwortliche. Ich kann mich an ein Risszeichnertreffen im Oktober 1982 bei Willi in Heusenstamm erinnern – für mich damals ein Ritterschlag, dabei sein zu dürfen – , bei dem Du auch gewesen bist und noch faszinierendere Arbeiten präsentiert hast.

Aber neben diesem Gag und all dem Spaß, den Ralf und ich damit hatten, bleibt für mich bis heute der durchaus ernst zu nehmende Hintergrund und Anlass für diese Zeichnung, das eigentliche Unvermögen, sich wirklich vorzustellen, wie solche Fahrzeuge in ein- oder zweitausend Jahren aussehen und funktionieren mögen. Wer sich einen Raumjäger als perfektionierten Düsenjäger vorstellt und einen Raumkreuzer als Weltkriegsschlachtschiff mit Laserkanonen und großen Heckflossen, begeht m. E. den gleichen Fehler wie die phantastischen Autoren des 18.  bzw. 19.Jahrhunderts, die auch nur ihre Kenntnisse von Technik lediglich in die Zukunft umsetzten. Wobei Jules Verne der Sache noch am nächsten kam, aber letztlich ja auch der Ästhetik seiner Zeit verhaftet blieb.

In diese Kerbe haut auch das Leitmotiv dieses Blogs: “Any sufficiently advanced technology is indistinguishable from magic.” (Arthur C. Clarke)

Aber andere – und vielleicht bessere – Risszeichner als ich erkannten das ja auch, setzen diesen Gedanken aber vielleicht etwas “sozialverträglicher” (sprich “serienverträglicher”) um.

Jedenfalls war meine kurze Karriere als “Shooting-Star” der RZ-Szene (vom “technisch und zeichnerisch höchst begabten Leser”, siehe PERRY RHODAN-Sonderheft Nr.1, hin zum Sündenfall der Szene mit anschließendem “Rauswurf”) damit im Großen und Ganzen beendet. Eine Zeichnung konnte ich noch – ohne großen Erfolg offensichtlich – unterbringen (Raumschiff der Namenlosen, PR 1123); der RZ-Zeichnerclub reagierte, soweit ich mich erinnere, gar nicht mehr auf mich bzw. ließ mich ab da links liegen … Dann war’s das für mich wohl gewesen mit PERRY RHODAN.

Ich kann nicht bestätigen, dass Du wegen des “Redhorse-Jägers” auf eine schwarze Liste gekommen wärest. Im übrigen war der der Konsens schon ab Mitte 1983, dass diese RZ ein wichtiger Meilenstein für das Genre gewesen ist – vielleicht vegleichbar mit dem Punk-Klassiker Never Mind the Bollocks der Sex Pistols.

Viel mehr bleibt nicht zu sagen – dass der gute alte “Redhorse-Jäger” offensichtlich eine sehr kontrovers geführte Diskussion auslöste, finde ich im Nachhinein – ich erfuhr erst Jahre später zufällig davon, als mich das alles längst nicht mehr interessierte   – eigentlich gar nicht schlecht.

Irgendwann in diese Zeitspanne fiel – soweit ich es erinnere – der für mich und wohl auch viele andere unerwartete und sehr bedauerliche Tod meines Mentors Willi Voltz. Er war ein sehr sympathischer, zurückhaltender und intelligenter Mann, den ich damals sehr mochte und bewunderte.

Aber zu dem Zeitpunkt lockten schon ganz andere Aufträge und – im wahrsten Sinne – neue “Perspektiven”.

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“Möchten Sie das Universum jetzt neu starten?” Fünf gute Gründe für PR NEO

Jetzt ein Erbe des Multiversums? In den Pop-Comics des Studio Giolitti gelang schon einmal die transuniversale Migration zwischen den Genres. Source: "Die Millis kommen" Seite 18 der Ausgabe 38 von "PERRY - Unser Mann im All" (1969), bereitgestellt von Stephan Koenig via comicartfans.com

Nach einigem Geraune und Gerüchten über das “Geheimprojekt X” löste die PERRY RHODAN-Redakteurin Elke Rohwer über das Logbuch der Redaktion [1] doch überraschend schnell auf, was es mit der am 30. September startenden neuen 160-Seiten-Taschenheft-Serie auf sich haben würde: Es ist ein Reboot der klassischen PR-Exposition im Jahre 2036 unter der Tagline: “Die Zukunft beginnt von vorn.”

Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Serie und der am gleichen Wochenende stattfindenden PERRY RHODAN-WeltCons [2] in Mannheim wäre jede andere denkbare Möglichkeit nach Offenlegung des Formats des “Geheimprojekt X” nicht realistisch gewesen. Es erscheint mir die richtige Entscheidung, auch wenn damit die in den Textformaten mehr oder minder durchgehaltene fiktionale Kontinuität des einen “Perryversums” im Kernbereich der Marke – dem Romanheft – durchbrochen wird. Diskontinuitäten des jetzt sich wahrhaftig zu einem Multiversum auffaltenden PERRY RHODAN-Kosmos gab es unter der Hand schon dadurch, dass die Handlungselemente der eingestellten Nebenserie ATLAN so gut wie keinen Niederschlag in der Haupthandlung verursachen durften, was auch für die über viele Jahre als Hors-Serie gelaufenen “Planetenromane” galt, die aber zumindesst den Anspruch erhoben im “kanonischen” Perryversum zu spielen.

Offene Brüche in der Kontinuität gab es im Bereich der Comic-Reihe PERRY – Unser Mann im All, in der verschiedene Charaktere der Romanhefte in eine für den damaligen Stand der Serie weit entfernte Zukunft entführt neu zusammen gewürfelt wurden. Auch die legendäre Italo-Verfilmung der PR-Exposition SOS aus dem Weltraum [3] bediente sich sehr frei der Motive der Romanvorlage.

Welche Vorteile bringt der Reboot des PERRY RHODAN-Kosmos mit NEO?

1. “Back to the Roots” und Komplexitätsreduktion: Die starke Exposition der Serie, dass ein privilegierter, aber doch normaler Mensch durch den Kontakt mit technologisch hochentwickelten Außerirdischen zum Handlungsträger und Menschheitsbevollmächtigten aus eignem Recht wird – und nicht zum Unterworfenen –, hat großen Anteil am Mythos der Serie. Diese klassische und originelle Alien Encounter-Story kann jetzt wieder erzählt werden, ohne dass Neueinsteigern die ganzen aufgelaufenen Widersprüche zum heutigen Realuniversum erläutert werden müssen. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass man schon an dieser Stelle viele Gutwillige verprellt, die darüberhinaus durch die Komplexität des späteren Perryversums überfordert sind. Die kurzlebige, in der klassischen Kontinuität angesiedelte PERRY RHODAN-ACTION-Serie hatte dies schon versucht – ich fand allerdings allein die Titelgestaltung im Vergleich zur Hauptserie  schon sehr trashig und wenig anziehend für eine “Premium-Pulp-Marke”.

2. “Beyond Pulp”: Handlung, Personen, Setting, Near-Future-Technologien können jetzt zeitgemäßer und qualitativ hochwertiger in Stil und nach heutigen Erkentnissen und Lesegewohnheiten noch einmal erzählt werden – wichtig in Bezug auf Frauengestalten, Multikulturalität und Anti-Militarismus. Das deutsche Publikum ist mit solchen Reboots durch die ständigen Superhelden-Comic-Neuverfilmungen auch inzwischen viel vertrauter und wissen um den Reiz einer solchen Neuinterpretation, was früher nur im Feuilleton den Regietheaterfürsten bei der Neuinszenieung des Faust zugestanden wurde.

3. Sorgfaltspflicht: Die frühen PR-Romane waren Wegwerfliteratur – trotz weit gespannter Zukunftsszenarien (“Der Erbe des Universums”) ganz dem Hier und Jetzt verpflichtet. Die neue Generation der NEO-Autoren wird in dem Bewusstsein schreiben, dass ihre Texte auch in gar nicht mal so fernen 25 Jahren noch Bestand haben sollten. NEO spielt in 2036 – im Übrigen auch das 100. Geburtsjahr des fiktionalen Perry Rhodan des nun “Classic Universe”.

4. “Rücksturz zur Erde”: Ich meine damit, dass unsere Gegenwart sich in den alltäglichen Lebensbelangen schon fast viel futuristischer gebärdet als die gesamten rhodanesken Space-Opera-Genreversatzstücke zusammen leisten können: Cyberspace, Gen- und Nanotechnologien, die Singularität. Gerade die Geschichte der damaligen ersten 20 Bände könnte in der NEO-Reihe intensiviert werden – vergleichbar der TV-Serie Smallville, in der sich das insgesamt ja ziemlich überkandidelte DC-Multiversum um Superman/Clark Kent langsam und TV-Konsumenten-verträglich aufspannt.

5. Internationale Vermarktung: Die Ursprungsgeschichte und Exposition für all die faszinierenden PR-Handlungselemente waren nach 1969 für Film- oder TV-Umsetzungen fürs große Mainstreampublikum nicht mehr vermittelbar. Und so gab es für die Marke keine Möglichkeit an den Boom der konkurrierenden visuellen SF-Universen aus Hollywood in adäquater Form anzuknüpfen. Roland Emmerichs Independence Day war in diesem Sinne unter diesen Beschränkungen die bestmögliche PERRY RHODAN-Verfilmung überhaupt. Mit dem Neustart als PERRY RHODAN NEO könnte dieser ‘strukturelle Flaschenhals’ beseitigt werden. Man wird sehen, wie NEO andere Vermarktungshindernisse für den wichtigen US-Markt umgehen wird: Ein aus höherer kosmischer Einsicht desertierender US-Major wird wenig Chancen beim amerikanischen Publikum haben. Sollte das Setting für Rhodans nächste Mondlandung aber einen bösen globalen Privatkonzern oder aber eine korrupte internationale “UN Space Administration” umfassen, könnte es schon besser aussehen.

Alles in allem also ein gutes und längst überfälliges Projekt, um die Marke für die nächsten 50 Jahre fit zu machen. Ich bin sehr gespannt auf den Neustart, und ob es sich neben der Hauptlinie, deren aktueller Neuroversum-Zyklus schwach gestartet ist, etablieren wird oder ob NEO bloß ein “Pocket-Universum” bleiben wird.

[1] Der Logbuch-Eintrag vom 4. August 2011 von PERRY RHODAN-Redakteurin Elke Rohwer zu PERRY RHODAN NEO
[2] PHUTURAMA: Event WeltCon-Panel “Space Design”
[3] WP: PERRY RHODAN, Abschnitt über SOS aus dem Weltall

Der Link zur Comic-Seite aus PERRY – Unser Mann im All:
http://www.comicartfans.com/GalleryPiece.asp?Piece=404428&GSub=63504

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“Rockets from Russia” – Science Fiction im Ost-West-Dialog

Spätestens bei diesen Raumanzügen war klar, dass in PERRY RHODAN Skaphander zur Standardausrüstung gehörten. Titel und Szene aus "Planeta Bura" von 1962

Alex Cox vom Guardian nimmt sich mit seinem Artikel “Rockets from Russia” [1] anlässlich der zweiten Saison des Programms Kosmos – A Soviet Space Odyssee des British Film Institute (BFI Southbank) [2] die Rehabilitation des Ostblock-Science Fiction-Films an und zählt einige teils vergessenen Perlen auf.

Oder kanntet ihr den 1924-Stummfilm Aëlita – Der Flug zum Mars? [3] Die polnisch-deutsche Produktion nach Stanislaw Lem Der schweigende Stern (1960) [4] ist da mit Sicherheit schon bekannter – auch wegen seiner interessanten Bezüge zu den späteren PERRY RHODAN-Romanen (z. B. das Raumschiff Kosmoskrator). Während die DEFA-Produktion in einer stark veränderten Fassung für den US-Markt adaptiert worden ist, hat der sowjetische Große Bruder gleich Nägel mit Köpfen gemacht und Lems Vorlage als Planeta Bur 1962 noch einmal verfilmt. [5] Roger Corman kaufte dann die Filmrechte und produzierte ein US-Remake davon – Voyage to the Prehistoric Planet [6], das 1968 noch zu Peter Bogdanovichs Voyage to the Planet of Prehistoric Women weiter verwurstet wurde.

Ich lerne das alles hier in Echtzeit mit und für euch kennen – und werde mir die Filme übers demnächst ansehen. Wikipedia gibt jeweils Download- oder Stream Sources an.

Zu den weiteren russischen Highlights im BFI-Programm, gehören natürlich die beiden SF-Klassiker von Andrey Tarkowskij Solaris [7] und Stalker [8], die die programmatische Gegenposition im BFI-Programmtitel zu Stanley Kubrick rechtfertigen. Wer im August nicht nach London reisen will, kann sich im Rahmen einer Retrospektive Andrej Tarkowskij diese beiden Meisterwerke im Berliner Arsenal-Kino im Sony-Center am Potsdamer Platz geben. [9]

[1] The Guardian: Rockets from Russia by Alex Cox
[2] BIF: Kosmos – A Soviet Space Odyssee
[3] WP: Aëlita – Der Flug zum Mars
[4] WP: Der schweigende Stern
[5] WP Russia: Planeta Bura *Google Chromes automatische Überstetzung funktioniert leidlich.*
[6] WP: Voyage to the Prehistoric Planet
[7] WP: Andrej Tarkowskijs Solaris
[8] WP: Andrej Tarkowskijs Stalker
[9| Arsenal – Insttut für Film und Videaokunst e. V. – Retrospektive Andrej Tarkowskij (August 2011)

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Die schönste Risszeichnung aller Zeiten? Joachim Luetkes Saturnraumschiff der Choolks

Seit 1965 werden die PERRY RHODAN-Heftromane durch die “Risszeichnungen” bereichert. Mitte der 1970er Jahre etablierte sich eine New Wave von jungen Zeichnern, die als Fans von den großen Vorbildern Rudolf Zengerle, Bernhard Stoessel und Ingolf Thaler angezeckt worden waren. Unter diesen Newcomern ist Joachim Luetke bis heute ein Enigma geblieben, da es nur die oben abgebildete Arbeit des Saturnraumschiffs der Choolks [1] zu geben schien. Eine RZ, die als “Jahrhundertwerk” Maßstäbe in Sachen Faszination, Fremdartigkeit und zeichnerischer Perfektion gesetzt hat.

Für mich als Einsteiger ins “Perryversum” waren die im jugendlichen Comic-Ableger PERRY – Unser Mann im All [2] zweitveröffentlichten RZs auf hellcyan-farbenen Fond so prägend, dass es auch das Stylesheet dieses Blogs mit prägt. Die ersten Risszeichnungen des Pioniers Rudolf Zengerle waren noch sehr erkennbar kopierte Strichumsetzungen der stilprägenden “Space Race”-Reihe des US-Magazins Colliers [3], die später drei offenkundig professionell ausgebildeten Illustratoren der ersten Dekade emanzipierten sich aber schnell von solchen Vorbildern und prägten die für viele PR-Fans so wichtige visuelle Dimension der “Technosphäre” des Serienkosmos. Ein konzeptionelles Manko vieler der damaligen Risszeichnungen war allerdings, dass die drei Zeichner ihrem jeweiligen individuellen Technikdarstellungsstil verhaftet waren, den sie dem jeweiligen RZ-Sujets aufprägten. Die in der PR-Serie geschilderte Technik des Hilfsvolks der Superintelligenz KAISERIN VON THERM – den Choolks [4] – war allerdings so fremdartig und fortgeschritten, dass die von Joachim Luetke gewählte “metaphorische” Bildsprache in der Technikdarstellung wie auch im teils hyperdetaillierten Zeichenstil eine ganz neue Dimension der PERRY RHODAN-Risszeichnung darstellte.

Seine fremdartigen “Bildmetaphern” für die Choolk-Technologie sind beim näheren Hinsehen allerdings gar nicht so außerirdisch: die Triebwerksprojektoren entstammen dem Biologiebuch, Kapitel “Facettenauge”, Teile des Aggregategewusels sind technischen Handbüchern des Kfz-Gewerbes entnommen, man erkennt einen Ventiltrieb. Die Gesamtkomposition ist durch den steten Wechsel von großzügigen Weißflächen und kleinteiligen Aggregaten durchdrungen. Die realistische Fluchtpunktperspektive der Kugelzelle ist etwas verschoben, aber bedeutete im Vergleich zu den von Berhard Stoesssel weitgehend durchgesetzten iso- bzw. dimetrischen Projektionen einen Gewinn an Lebendigkeit und Anziehungskraft. Der Gipfel der Frechheit: Das Raumschiff heißt ja gerade “Saturnraumschiff” – vom Namen gebenden Ring (einer Antriebsprojektionsfelderscheinung) ist in der eigentlichen RZ (die kleine Beizeichnung aus PR 1. Auflage, Band 827, 1975 [5] ist hier nicht abgebildet) aber nichts zu sehen. Vielleicht war die Risszeichnung ja sogar vor der Exposé-Beschreibung in Arbeit gewesen und wurde erst später dem halbwegs passenden Sujet zugeordnet?

Es bliebe ein Rätsel, wenn ich nicht im Zuge der Vorbereitungen zur “Space Design”-Veranstaltung beim PR-WeltCon 2011 [5] ein wenig nach Joachim Luetke gesucht hätte und wesentlich schneller als erhofft auch fündig geworden wäre. Joachim Luetke ist der Phantastik als Gestalter treu geblieben und hat sich über die Jahrzehnte als ein renommierter Cover-, CD-, DVD-Artist im morbiden Dark Metal-Genre einen Namen gemacht. [6] Als ich seine Bilder, teils in der Tradition H. R. Gigers stehend, sah, war mir sofort klar, dass er der Schöpfer des Saturnraumschiffs der Choolks sein müsste.

Ich habe Kontakt mit Joachim Luetke aufgenommen und hoffe in der nächsten Zeit Antworten auf einige brennende Fragen um diese Arbeit, aber auch um weitere Vorgänger- und Nachfolgewerke zu erhalten.

[1] RZJ: Von Freihand zur Folie, Folge 11 – RZ-Historie von Günter Puschmann, mir und später von Georg Joergens redigiert und fortgesetzt
[2] Perrypedia: PERRY – Unser Mann im All
[3] Der italienische SF-Experte Fabio Feminò über die Colliers-Specials, mit den ursprüngliche Vorbildern der PERRY RHODAN-Risszeichnungen
[4] Perrypedia: Choolks
[5] Materiequelle: Scan der Heftmitten-RZ
[6] YouTube: Joachim Luetkes Kanal Dark Asylum-TV mit weitergehenden Links zu seinen Arbeiten

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“Versagensängste in verschiedenen Verkehrssituationen” – Transformers 3: Auf der dunklen Seite des Mondes

Da die Erwartungen aufgrund meiner TV-Erlebnisse mit den vorherigen Transformers-Verfilmungen denkbar niedrig gehalten waren, konnte mich Transformers 3 – Auf der dunklen Seite des Mondes gar nicht mehr richtig enttäuschen. Die teils schweren Totalverrisse z. B. in Fünf Filmfreunde [1] und Spiegel Online [2] lassen einige schöne Aspekte des Films und bemerkenswerte popkulturell-nerdige Anspielungen in den Dialogen (die sogar die deutsche Synchronisation überstanden haben) unberücksichtigt.

So erfahren wir passend zum 50-jährigen Jubiläum der bemannten Weltraumfahrt, dass das ganze “Space Race” der 1960er Jahre zwischen den Großmächten nur der Bergung des gestrandeten cybertronischen Raumers Ark galt. PERRY-RHODAN-Feunde aufgemerkt: jetzt klaut Hollywood uns auch noch den Gründungsmythos unseres Mannes im All! Und aktuell zum Beschluss des Deutschen Bundestags zum vorübergehend finalen Atomausstieg erfahren wir endlich auch, was 1986 wirklich den Tschernobyl-Super-GAU ausgelöst hat: Schlamperei im Umgang mit cybertronischen Energon-Trägern.

Darüberhinaus werden amerikanischen Ur-Traumata von der Ermordung Abraham Lincolns und JFKs (im wiederkehrenden Motiv des Lincoln Continental), der Challenger-Katastrophe bis hin zu den Angriffen des 11. Septembers 2001 abgehandelt. Wesentliche Teile der wichtigsten Action-Sequenzen stellen die Frage: “Was hättest Du gemacht, wenn Du an 9/11 in den Twin Towers gewesen wärst?” Hochsensibel, aber auch etwas perfide die demonstrative Zerlegung Chicagos anstelle des Katastrophenfilm-technisch verbrannten New Yorks.

Das Staraufgebot und das sichtbare Vergnügen der Hollywoodrecken wie John Malkovich, Patrick Dempsey, John Torturro oder – ganz wunderbar – Frances McDormand als eine positive US-Verkörperung des abtrünnigen SMERSH-Führungskaders Rosa Klebb (Lotte Lenya) aus From Russia with Love [3] sind das notwendige Salz in den ständigen Crash-Crescendi dieser digitalen 3D-Stock Car-Battle! Darüberhinaus gibt es noch ein wunderbares Cameo mit Buzz Aldrin als Zeitzeuge des großen Apollo-11-Cover-ups.

“Congratulations, Michael Bay!” [4] Auf Basis einer für Jungen bis 9 Jahren altersgerechten Hasbro-Spielzeugroboter-Franchises, die eine amerikanische Übernahme des japanischen Robot-Animismus (≠ Anime) sind, eine Blockbuster-Serie aufzusetzen, die auf das aus eimergroßen Popcornkübeln mampfende Teenager-Kernpublikum von 16 bis 19 Jahren gerichtet ist und im wesentlichen deren Versagensängste in unterschiedlichen Verkehrssituationen – Sex, individuelle Mobilität und Berufsaufstieg – mit deren testosteron-überbordender Pubertäts-Jungmännlichkeit metaphoriert, finde ich eine handwerklich bemerkenswerte Leistung (Buch: Ehren Kruger).

Leider habe ich noch keine Gender Studies-erprobte Stimme gehört, die mal nach dem Verbleib der TransformerInnen fragt. Ob Autocons oder Decepticons, der Grundkonflikt dieser zwei offenkundig aus post-ideologischen Gründen gegeneinander kämpfenden Robotervölker ist ganz klar ein männlich dominiertes Diskurs-Heat.

Die Kritiker werfen dem Film dann auch noch Ernsthaftigkeit vor, was bedeutet, dass die im Film dargestellten Konflikte tatsächlich durchgekaut werden – bis zu einem gewissen guten Ende. Niemals war übrigens das dramaturgische Stilmittel des Deus ex Machina so zutreffend wie beim finalen Move, der die gute Autocon-Ordnung auf Erden wieder herstellt.”

Das in Wikipedia [5] genannte Budget von $ 195 Mio. nehme ich dem Film übrigens ab – jeder Voxel ein Milli-Cent!

[1] Fünf Filmfreunde: “Aber dank 3D muss sich Bay von seinem üblichen Nahaufnahmen/Wackelcam-Schnittinferno verabschieden und tatsächlich mal zeigen, was eigentlich gerade passiert.”
[2] SPON: “Die humorfreie Blech-Parade erweist sich als absolut unterhaltungsuntüchtig.”
[3] WP: Ian Fleming’s James Bond 007: From Russia with Love
[4] Michael Bays Blog: “Hasbro Thanks Michael Bay in The Hollywood Reporter”
[5] WP: Transformers 3 – Dark of the Moon

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Zurück zur BASIS!

Keine "kosmische Spielothek" mehr, sondern fernwandelnder Messestandort. Postermotiv mit farbenfroher Neuinterpretation der legendären BASIS durch Günter Puschmann.

Die runden Hunderter-Jubiläumsbände der PERRY RHODAN-Serie sind die Default-Einstiegsluken für interessierte Draußensteher und abgehängte Wiedereinsteiger. Mit dem dieser Tage noch an den Kiosken lungernden Band 2600 Das Thanatos-Programm [1] von Exposé-Autor Uwe Anton beginnt ein neuer Handlungsabschnitt –auf Perrydeutsch der Der Neuroversum-Zyklus [2] geheißen. Und es gibt aus meiner PHUTURAMA-Sicht eine echte Überraschung – die Rückkehr der BASIS [3] in die Handlung.

In den letzten Jahren sind diese Jubiläumsbände wirklich sehr einsteigerfreundlich gewesen und lieferten eine starke Exposition für den gesamten darauf aufbauenden Zyklus. In Band 2300 Vorboten des Chaos lieferte der leider 2009 verstorbene Robert Feldhoff sein Meisterstück in Sachen hochdramatischen Einstiegsroman ab – Auftakt für ein vierjähriges Doppelzyklus-Spektakel um das drohende Entstehen einer Negasphäre in der unmittelbaren kosmischen Nachbarschaft. Frank Borschs Über-Jubiläumsband 2500 Projekt Saturn brachte einen ausreichend großen Zeitsprung und mit der Entdeckung des Polyport-Netzes den so PERRY RHODAN-typischen “Sense of Wonder” zurück – kein Wunder bei den vielen Anleihen an den legendären Meister-der-Insel-Zyklus aus der Anfangszeit der Serie.

Mit nur sechs Jahren Zeitsprung zum abschließenden Band 2599 des Stardust-Zyklus und der wiederum indirekt auf ES hinweisenden Handlungsmotive – das Auftauchen des “Chronisten” Delorian – fällt für mich jetzt bei Band 2600 der Neubeginn nicht so heftig aus. Mehr Kontinuität, denn Disruption.

Zur Kontinuität gehört auch, dass Perry Rhodans langjähriges, zwischenzeitlich zum Casino-Raumer runtergewirtschaftetes Fernraumschiff BASIS wieder in Betrieb genommen wird.  Allerdings eher als Marketing-Gag à la “Gorch Fock” (inklusive negativer Schlagzeilen), um Allan D. Mercants neugegründete intergalaktische Außenhandelsorganisation “Polyport-Konsortium” zu promoten. Mit der Wiedereinbringung der BASIS lag die Idee nahe, RZ-Altmeister und SOL-Gestalter Günter Puschmann ein Farbposter des Giganten für den Jubiläumsband als Goodie beitragen zu lassen. Günter war so nett mir exklusiv eine runtergerechnete Datei für diesen Beitrag zuzusenden!

Mir gefällt die Modernsierung sehr gut. Die Details auf der Schiffshülle haben den expressionistischen Strich eines John Berkey [4] des digitalen Zeitalters, während die kosmische Hintergrundexplosionen an Johnny Brucks größte All-Tapeziereien erinnern. Dass ein Risszeichner die Form der überarbeiteten BASIS gekonnt zu interpretieren weiß, war klar. Doch ist dies kein Grund für den Uwe Anton auf jedwede BASIS-spezifische Interior-Beschreibungen im Roman zu verzichten. Dies gilt für die Besonderheit der dekonstruktiv zusammengeschachtelten Deckstrukturen, wie sie Oliver Scholl der verblüfften Rhodan-Gemeinde erstmals 1980 auf dem ersten PR-WeltCon in Mannheim mit seiner Jahrhundert-RZ [5] präsentiert hat.

Was die oft stiefmütterliche Behandlung der BASIS anbelangt, steht Uwe Antons Auslassung in gewohnter Kontinuität – die spezifischen platzoptimierten gravogeschleusten Deckstrukturen wie von Kurt Mahrs in PR 868 Aufbruch der BASIS eingeführt, werden wie in den Jahrzehnten zuvor nicht erwähnt.

[1] Informationen auf der PR-Website zum Gratis-Download des Romans als Hörbuch
[2] Zum Neuroversum-Zyklus auf der PR-Website
[3] Perrypedia: BASIS
[4] WP: John Berkey
[5 ] Scan des Risszeichnungposters aus PR 1100

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PERRY RHODAN #2600 Launches Open Access to all the Series’ Pages Ever Published

It is to be the “largest e-book project in the world”: Together with its technical partner book wire GmbH [1] the PERRY RHODAN editors are planning to make all previously released 200,000 pages of the series completely available for download – “a world record attempt,” as the publisher VPM [2] tells.

The attempt launches with the new “Jubillee” issue 2600 “Das Thanatos-Programm” of the weekly series, followed by the Silver Bands, and all other off-series paperback novels. The project is starting on 17 June with the launching very number 2600 of the world’s largest science-fiction novel series, which runs now for nearly 50 years and will celeberate this event in the end of September with a special world convention in Mannheim – WeltCon2011 [3] – an special event I am happy to contribute to in form of the “Space Design” panel. [4]

The e-Pub formatted files won’t be free of charge (€ 1,59), but they won’t be burdenend by any Digital Rights Management foo “to run on all e-reader platforms.” [5]

[1] Official book wire GmbH web site
[2] Official PERRY RHODAN web site
[3] Special WeltCon2001 themed web site by PERRY RHODAN
[4] PHUTURAMA > EVENTS
[5] buchmarkt.de reports “PERRY RHODAN zum Jubiläum kostenlos zum Download”

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