{"id":853,"date":"2011-06-29T18:07:57","date_gmt":"2011-06-29T18:07:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.phuturama.de\/?p=853"},"modified":"2011-07-05T00:05:42","modified_gmt":"2011-07-05T00:05:42","slug":"als-archaologe-auf-zeitreisen-mspros-denken-der-zukunft-denken","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.phuturama.de\/?p=853","title":{"rendered":"Als Arch\u00e4ologe auf Zeitreisen? @mspros Denken der Zukunft denken."},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_886\" style=\"width: 479px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.phuturama.de\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/mspro_warped.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-886\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-886\" title=\"mspro_warped\" src=\"http:\/\/www.phuturama.de\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/mspro_warped.jpg\" alt=\"\" width=\"469\" height=\"304\" srcset=\"http:\/\/www.phuturama.de\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/mspro_warped.jpg 469w, http:\/\/www.phuturama.de\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/mspro_warped-300x194.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 469px) 100vw, 469px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-886\" class=\"wp-caption-text\">Den zuk\u00fcnftigen Kopf schon aus dem Bild, die Zehen noch im Hier und Heute; Foto (verfremdet): mspro<\/p><\/div>\n<p><strong>mspro fordert sich und uns in seinem Blogeintrag &#8220;Arch\u00e4ologie des Heute \u2013 das Denken der Zukunft denken&#8221; <\/strong><a title=\"&quot;Arch\u00e4ologie des Heute \u2013 das Denken der Zukunft denken\" href=\"http:\/\/mspr0.de\/?p=2305\" target=\"_blank\">[1]<\/a><strong> auf, die transitorischen und damit im wahrsten Sinne &#8220;vorl\u00e4ufigen&#8221; Grundannahmen unserer Ideologien neu zu denken. Sie nicht nur modal als theoretisch gleichberechtigte Pr\u00e4missen innerhalb der jeweiligen gesellschaftlichen Wahrheitssysteme zu betrachten, sondern sie immer historisch als &#8220;Snapshots&#8221; einer zuk\u00fcnftigen Vergangenheit mitzudenken. <\/strong><\/p>\n<p>Das ist eine Demutsgeste, die mir im fiebrig tagesaktuellen Netzdiskurs, als dessen prominenten Vertreter ich mspro hier nicht reduzieren sollte, sehr gut gef\u00e4llt. Mit einem Geschichtsstudium belastet, hat sich mir eine gewisse Demutshaltung, aber auch Fremdheit gegen\u00fcber den Menschen vor unserer Zeit pr\u00e4gend eingeschrieben. Gerade unter den Erfahrungen eines hyperbeschleunigten wissenschaftlich-technischen Fortschritts aber bin ich mit meinen jeweiligen Zeitgenossen aber all zu gerne bereit, diese Demut gegen\u00fcber den scheinbar so r\u00fcckst\u00e4ndigen, vorwissenschaftlichen im &#8220;Tal der Ahnungslosen&#8221; Lebenden zu vergessen. Das Hier und Jetzt ist doch immer die Krone der Sch\u00f6pfung.<\/p>\n<p>Ich entsinne mich einer Emp\u00f6rungsfloskel in meiner Kindheit &#8220;\u2026 und das im 20. Jahrhundert!&#8221;, die diese Gegenwartsd\u00fcnkel gegen\u00fcber den angeblich dunklen Zeitaltern auf einen volkst\u00fcmlichen Nenner bringt.<\/p>\n<p><strong>&#8220;Ich glaube, wir haben unser &#8216;Heute&#8217; lange genug von der Vergangenheit her gedeutet. Es wird Zeit, es von der Zukunft her zu deuten.&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Nun sind bekanntlich Vorhersagen insbesondere dann schwer zu treffen, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen. mspros Forderung, &#8220;das Heute von der Zukunft her zu befragen&#8221; bleibt ohne aus der Vergangenheit heraus extrapolierte Szenarien ein substanzloses Memento Mori.<\/p>\n<p>Es sei denn, man mache sich die Interpretation von @tristessedeluxe\u00a0zu eigen, dass mspro tats\u00e4chlich Zeitreisen als notwendige Diskurspraktiken propagiert. <a title=\"Tweet\" href=\"https:\/\/twitter.com\/#!\/tristessedeluxe\/status\/85783703581761536\" target=\"_blank\">[2]<\/a> Weswegen dies alles auch ein PHUTURAMA-Post wert ist.<\/p>\n<p>Die Wahrheit aber, Genosse, ist konkret! Und so ist mspro mutig genug, seiner oben deklarierten Pr\u00e4misse zu folgen, und heutige Problemfelder auf ihre zuk\u00fcnftige Obsoletheit hin zu skizzieren. Allerdings sind mir die er\u00f6rterten Kontroversen zu feingranular, als dass ich sie zu Opfern eines epochalen Paradigmen- oder Epistemewechsel erkl\u00e4ren w\u00fcrde: &#8220;Medienregulierung, Depublikation, Lohnarbeit, Regiert werden&#8221; \u2013\u00a0alles blo\u00dfe \u00dcberbauph\u00e4nomene, wie ich als guter Marxist einwenden w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong>Die wirklichen Umbr\u00fcche betreffen die Wissens- und Wahrheitssysteme<\/strong><\/p>\n<p>Mit dem Titel seines Beitrags &#8220;Arch\u00e4ologie des Heute&#8221; bewegt mspro sich schon in der Begriffswelt des fr\u00fchen Foucaults, der sich umfassend, aber letzlich unbefriedigend mit dem Umbrechen ganzer Wissensformationen besch\u00e4ftigt hat.<\/p>\n<p>Zwei ma\u00dfgebliche epistemologische Umbr\u00fcche sehe ich allerdings, die unser heutiges Denken und Wissen im Nachhinein marginalisieren k\u00f6nnten:<\/p>\n<p>I. Zum einen die M\u00f6glichkeit des <em>Transhumanismus<\/em> als Resultat der Herrschaft der automatisierten und algorithmisierten und sich von den Menschen emanzipierenden Institutionen. Weit radikaler als von Max Weber urspr\u00fcnglicher Dichotomie zwischen b\u00fcrokratischer &#8220;Maschine&#8221; (as in &#8220;Chicago Machine&#8221;) und charismatischer F\u00fchrungsgestalt problematisiert. Hier spielt auch die <em>Singularit\u00e4t<\/em>, \u00fcber die @plomlompom und die <em>Matrix<\/em>-Trilogie mehr zu erz\u00e4hlen wissen, hinein.<\/p>\n<p>Zum Transhumanismus geh\u00f6rt die Relativierung des Menschen im biologischen Re-Engineering als &#8220;Spiel[er]material&#8221;. Es geh\u00f6rt zu den Vorz\u00fcgen der deutschen konservativ-verharrenden rest-christlichen Milieus, dass diese Fragen als ethische wahrgenommen und quer durch alle politischen Lager noch verhandelt werden k\u00f6nnen.\u00a0Das oft so l\u00e4cherlich gemachte &#8220;christliche Menschenbild&#8221; der C-Parteien hat den Vorteil, dass es weitestgehend mit dem allgemeiner gefassten Wertekanon des Grundgesetzes \u00fcbereinstimmt. Der humanistische Ansatz, dass der Mensch &#8220;das Ma\u00df aller Dinge&#8221; ist, wird im christlichen Denken mit dem Argument &#8220;weil Ebenbild Gottes&#8221; nur best\u00e4rkt.<\/p>\n<p>II. Die <em>Delegitimation der Ratio<\/em> als Grundlage eines universell durchgesetzten wissenschaftlichen Weltbilds: So sehr die Logozentrismus-Kritik der Poststrukturalisten gerechtfertigt ist \u2013\u00a0insbesondere, wo sie den Sack schlug, aber den ihn tragenden Esel des &#8220;wissenschaftlichen Marxismus&#8221; glaubte treffen zu k\u00f6nnen \u2013 , die hochgradige Spezialisierung der Wissenschaftsdisziplinen behindert aber zunehmend ihre weitere Allgemeing\u00fcltigkeit.\u00a0Die Kreationisten und <em>Grand Designer<\/em>-Anh\u00e4nger sind die Vorboten eines solchen Relativismus.<\/p>\n<p>Als Beispiel sei die Suche nach dem Higgs-Teilchen genannt. Die damit einhergehenden LHC-Experimente sind nur noch in ihrem Unwahrscheinlichkeitsgehalt (Stichwort: &#8220;alles verschlingendes Schwarzes Loch&#8221;) von gesellschaftlicher Bedeutung. Das eigentliche wissenschaftliche Grundproblem hat f\u00fcr die Menschen &#8220;in der Fl\u00e4che&#8221; dieselbe Relevanz wie vormals der mittelalterliche Scholastiker-Streit um die Frage, wie viele Engel auf einer Nadelspitze tanzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Was im aktuellen Wissens- und Wahrheitssystem als l\u00e4cherlichste Spitzfindigkeiten religi\u00f6ser Verblendung &#8220;wahrgenommen&#8221; wird, kann in einer zuk\u00fcnftigen Episteme auf die Hohepriester des CERN zur\u00fcckfallen. Ich m\u00f6chte nicht mit <em>Butlers Djihad<\/em> oder der <em>Orange-Katholischen Bibel<\/em> drohen, aber hinterher ist es vielleicht der &#8220;Muhahad&#8217;Dib,&#8221; der am Lautesten lacht.<\/p>\n<p><a title=\"&quot;Arch\u00e4ologie des Heute \u2013 das Denken der Zukunft denken\" href=\"http:\/\/mspr0.de\/?p=2305\" target=\"_blank\">[1] mspros Blogbeitrag &#8220;Arch\u00e4ologie des Heute \u2013 das Denken der Zukunft denken&#8221;<br \/>\n<\/a><a title=\"Tweet\" href=\"https:\/\/twitter.com\/#!\/tristessedeluxe\/status\/85783703581761536\" target=\"_blank\">[2] \u00a0@trsitesedeluxe: &#8220;@mspro hat das Genre Zeitreise f\u00fcr sich entdeckt.&#8221;<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mspro fordert sich und uns in seinem Blogeintrag &#8220;Arch\u00e4ologie des Heute \u2013 das Denken der Zukunft denken&#8221; [1] auf, die transitorischen und damit im wahrsten Sinne &#8220;vorl\u00e4ufigen&#8221; Grundannahmen unserer Ideologien neu zu denken. 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